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Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung der Zukunft. Wissenschaftlicher Kongress zur Positionsbestimmung der Familienmedizin in Deutschland.

Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke

11.11.2011, Witten

Revision der DEGAM-S3-Leitlinie „Pflegende Angehörige“ – Aktueller Stand und geplante Weiterentwicklung

Meeting Abstract

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  • Thomas Lichte - Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, Otto von Guericke-Universität Magdeburg
  • Bianca Lehmann - Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, Otto von Guericke-Universität Magdeburg
  • Martin Beyer - Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
  • Peter Mand - Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, Medizinische Hochschule Hannover

Familienmedizin in der hausärztlichen Versorgung der Zukunft. Wissenschaftlicher Kongress zur Positionsbestimmung der Familienmedizin in Deutschland. Witten, 11.-11.11.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11iaf16

DOI: 10.3205/11iaf16, URN: urn:nbn:de:0183-11iaf160

Published: November 8, 2011

© 2011 Lichte et al.
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Einleitung: Bei 2 Mill. Pflegebedürftigen 2010 in Deutschland gibt es ca. 1,4 Mill Pflegende Angehörige, also ca. 5–20 Pflegefamilien pro Hausarztpraxis. 2050 werden es etwa 4,5 Mill. Pflegebedürftige sein; der Zuwachs kommt fast nur bei den über 80-jährigen zum Tragen. Nach Veröffentlichung der 1. Version der DEGAM-Leitlinie „Pflegende Angehörige“ Anfang 2005 entfachten sich wegen der Aktualität des Themas auch zunehmend Diskussionen, in denen diese DEGAM-S3-Leitlinie (Nr. 6) als Ideengeber bzw. gewisser Standard mit zur Basis gewählt wurde und damit die Allgemeinmedizin in den Focus rückte.

Methode: Nach Literarturrecherche bis 2005 für die 1. Version wurde in den gängigen Datenbanken u. a. mit „Pflegenden Angehörigen“ und „Hausarzt“ bzw. „Allgemeinmedizin“ sowie ergänzend per Hand nach Veröffentlichungen gesucht und ca. 80 relevante deutschsprachige gefunden.

Ergebnisse: Die neuere Literatur ab 2005 hat den Focus noch deutlicher ausgerichtet auf die Problematik bei Versorgung Demenzkranker, die palliative Versorgung, das Schnittstellen-Management (Transitional Care) und Lösungsansätze zur Entlastung der Pflegenden Angehörigen. Diese Entwicklung ist sicher gewollt durch die Förderung von Projekten mit dieser Zielrichtung unterstützt worden. Überwiegend fanden sich Veröffentlichungen von Soziologen und Pflegewissenschaftlern; aus der hausärztlichen Medizin gibt es dagegen kaum Literatur im deutschsprachigen Raum.

Diskussion und Ausblick: Bei den Projekten zur Entlastung Pflegender Angehöriger sind schwerpunktmäßig Sozial- und Pflegewissenschaften engagiert und die Allgemeinmedizin hat den aus deren Sicht zumindest zahlenmäßig unwichtigeren Bereich kaum beforscht. Die Hausärzte werden als Interviewpartner und „Datenlieferanten“ zwar eingebunden, aber mit ihnen werden durch die „Aktiven“ kaum Projekte gemeinsam entwickelt. Nach Erfahrung jedes hausärztlichen „Praktikers“ steckt viel Arbeit in der Versorgung von Pflegefamilien; diese sollte auch durch die Allgemeinärzte selbst mehr durch eigene Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet dargestellt werden.

Zusammenfassung: Die Verdopplung der Pflegebedürftigen bis 2050 wird auch das Engagement der Hausärzte in der Versorgung von Pflegefamilien deutlich erhöhen. Die bis Anfang 2012 revidierte DEGAM-S3-Leitlinie „Pflegende Angehörige“ wird noch stärker als Hilfe für die betroffenen Pflegenden und deren Hausärzte fungieren sowie den Aufgabenbereich und die Wichtigkeit der Allgemeinmedizin nach außen darstellen.