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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Definitions- und typologische Analyse: Extraktion von Charakteristiken medizinischer Leistungen aus dem österreichischen Leistungskatalog

Meeting Abstract

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  • Sabrina Barbara Neururer - Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
  • Karl Peter Pfeiffer - FH Joanneum Gesellschaft mbH, Graz, Österreich

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds216

DOI: 10.3205/12gmds216, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds2168

Published: September 13, 2012

© 2012 Neururer et al.
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Einleitung: Der Österreichische Leistungskatalog (ÖLK) [1] dient als Grundlage der Prozedurenkodierung in der Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) in Österreich. Frühere Studien [2], [3], [4] identifizierten Stärken und Schwächen des multiaxialen ÖLK und unterstrichen die Forderung nach einer formalen Darstellung des Katalogs und der zugrundeliegenden Semantik. Diese erleichtert den Zugang zu Information, die bislang nur implizit in den Kodebeschreibungen enthalten ist. Dazu ist es nötig, Charakteristika medizinischer Prozeduren zu identifizieren, die im Rahmen dieser Studie aus dem bestehenden ÖLK extrahiert werden sollen.

Material und Methoden: Der ÖLK beinhaltet ca. 1.500 verschiedene Kodes, welche entlang dreier Achsen (Anatomie, Art der Tätigkeit, Art des Zugangs) angeordnet sind [1]. Für diese Studie wurden alle Prozeduren des ÖLK in der Version Jänner 2012 [1], welche das "Herz, große Gefäße, Herzkreislaufsystem" oder das „Nervensystem“ betreffen, analysiert. Aus den Kodebeschreibungen wurden Suchstrings generiert, die im Pschyrembel Klinisches Wörterbuch [5] nachgeschlagen und deren Definitionen sowie Zusatzinformation (Synonyme, Englische Bezeichnungen, Abkürzungen) dokumentiert wurden. War die Suche erfolglos, wurde das Internet durchsucht. Im Anschluss an diese Definitionsanalyse wurde eine typologische Analyse durchgeführt. Aus den Definitionen wurden Typen abstrahiert, die Klassen von Information beschreiben und so als Charakteristika medizinischer Prozeduren gewertet werden können.

Ergebnisse: 1.075 Suchbegriffe wurden aus 217 Kodes generiert. 723 (67%) Definitionen konnten im Pschyrembel Klinisches Wörterbuch [5], 244 (23%) im Internet gefunden werden. Für 10% der Suchbegriffe (n=108) konnte keine adäquate Definition identifiziert werden. Englische Bezeichnung wurden für 839 (78%), Synonyme für 313 (29%) und Abkürzungen für 113 (11%) Suchbegriffe gefunden. Im Rahmen der typologischen Analyse konnten aus diesen 967 Definitionen schrittweise fünf häufige Typen abstrahiert werden: Prozedurentyp (n=290; 30%), Anatomie (n=196; 20%), Medizinprodukt (n=96; 10%), Diagnose (n=95; 10%), Lage (n=72; 7%), Zugang (n=35; 4%). Zusätzlich wurden 11 weitere, weniger häufige Typen identifiziert. 121 Definitionen (13%) konnten keinem Typ zugeordnet werden. Die ersten drei Typen wurden schrittweise aus Subtypen abstrahiert. Für den Prozedurentyp wurde die Unterteilung der Handlungen der Classification Commune des Actes Médicaux (CCAM) [6] als Richtlinie verwendet, die Medizinprodukte nach dem Schema des Österreichischen Registers für Medizinprodukte [7] klassifiziert.

Diskussion: In [2], [3], [4] fanden wir heraus, dass die Kodebeschreibungen des ÖLK Zusatzinformation beinhalten, welche nicht über dessen multiaxiale Architektur zugänglich ist. Um diese Information systematisch zu analysieren, wurden eine Definitions- sowie eine typologische Analyse durchgeführt. Es war uns möglich, Definitionen von Suchbegriffen, welche aus den Kodebeschreibungen extrahiert wurden, zu generieren und aus diesen generelle Typen zu abstrahieren. Auf diese Weise konnten wir zum einen die bereits bestehenden Achsen des ÖLK bestätigen, aber auch neue Charakteristika präsentieren. Die Analyse zeigte auch die Relevanz einer ausgeklügelten Achse für Prozedurentypen, wie sie etwa die CCAM bietet. Für diese Studie wurden nur Kodebeschreibungen zweier anatomischer Regionen des ÖLK analysiert. Durch eine umfangreichere Analyse könnten Typen bzw. Charakteristika bestätigt werden, während andere an Relevanz verlieren könnten. Der ÖLK ist auf das LKF-System Österreichs abgestimmt. Darum ist es sinnvoll, Charakteristika aus dem bestehenden Katalog zu extrahieren, um sie vielleicht in einer neueren Version des ÖLK zu berücksichtigen, ohne das System ändern zu müssen.


Literatur

1.
Bundesministerium für Gesundheit. Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung –LKF – Leistungskatalog, BMG 2012. 2011. Available from: http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/8/6/4/CH1166/CMS1128332460003/leistungskatalog_bmg_2012.pdf [cited 24.01.2012] External link
2.
Neururer, Pfeiffer KP. Mapping des Österreichischen Leistungskatalogs auf die International Classification of Health Interventions. In: eHealth2011; 2011 Mai 26-27; Vienna, Austria. p. 73-8
3.
Neururer S, Borena W, Pfeiffer KP. Vergleich des Österreichischen Leistungskatalogs mit der International Classification of Health Interventions (ICHI), In: 55th GMDS annual conference; 2010 Sep 5-9; Mannheim, Germany. p. 134-5.
4.
Neururer S, Pfeiffer KP. Vergleich des Österreichischen Leistungskatalogs mit der International Classification of Health Interventions (ICHI), In: 56th GMDS annual conference; 2011 Sep 26-29; Mainz, Germany. p. 579-80.
5.
Dornblüth O. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 262. Aufl. Gruyter; 2010.
6.
Classification commune des actes médicaux. Guide de lecture et de codage. Available from: http://www.atih.sante.fr/openfile.php?id=2281 [cited 24.01.2012] External link
7.
Gesundheit Österreich GmbH. Österreichisches Register für Medizinprodukte [Internet]. Available from: https://medizinprodukte.goeg.at/infomp_e.asp [cited 24.01.2012] External link