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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Entwicklung eines Moduls im Krankenhausinformationssystem zur Rekrutierung von Patienten für klinische Studien

Meeting Abstract

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  • Mithat Koca - Universität Frankfurt, Deutschland
  • Gabriele Husmann - Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Thomas Gorniok - Krankenhaus Nordwest Frankfurt, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds210

DOI: 10.3205/12gmds210, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds2102

Published: September 13, 2012

© 2012 Koca et al.
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Einleitung: Das Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt (UCT) wurde 2008 als gemeinsame Institution des Universitätsklinikums Frankfurt, des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität und des Krankenhauses Nordwest gegründet. Es bestehen zahlreiche Kooperationen mit umliegenden Krankenhäusern und Praxen im Großraum Frankfurt/Rhein-Main. Das UCT erhielt 2009 das Gütesiegel „Onkologisches Spitzenzentrum“ durch die Deutsche Krebshilfe e.V. [1], [2].

Die Durchführung von klinischen Studien ist ein wichtiger Bestandteil im Rahmen der Zertifizierung von onkologischen Zentren [3]. Am UCT werden aktuell (2012) mehr als 120 klinische Krebsstudien durchgeführt, die jeweils unterschiedliche Einschluss- und Ausschlusskritieren beinhalten.

Aufgrund der zunehmenden individualisierten Medizin und der verschärften Einschlusskriterien wird es erfahrungsgemäß immer schwieriger Patienten für klinische Studien zu finden. Mit einem geeigneten Studienmodul im Krankenhausinformationssystem gibt es eine gute Möglichkeit die Anzahl der Studienpatienten zu steigern. Dies haben bereits wissenschaftliche Arbeiten an der Universitätsklinik Münster dargestellt [4].

Methoden und Ergebnisse: An der Universitätsklinik Frankfurt am Main wird seit 2002 das Krankenhausinformationssystem ORBIS der Fa. Agfa Healthcare eingesetzt [5]. Mittlerweile sind ca. 80% der Abteilungen und Kliniken auf eine „papierlos“ Dokumentation umgestellt, so dass das System den Ärzten den Zugriff auf nahezu alle Befunde und Daten ermöglicht, die während eines Patientenaufenthaltes im Universitätsklinikum Frankfurt am Main anfallen. Es wurde ein spezielles Modul im KIS entwickelt, das den wissenschaftlich tätigen Arzt ermöglicht, durch Eingabe bestimmter Parameter, geeignete Patienten für aktive klinische Studien zu finden. Über die Stammdaten des Patienten ist es unter anderem möglich Alter und Geschlecht und über die abrechnungsrelevanten Daten (z.B. DRG-Daten), die relevanten Diagnosen der Patienten strukturiert abzufragen.

Diese Abfrage wurde in Form eines Listenformulars bestimmten Ärztegruppen, nach Antragstellung und Freigabe durch den Datenschutzbeauftragen des Klinikums, bereitgestellt. Der Studienarzt bekommt hierbei durch ggf. tägliche manuelle Eingabe der Diagnose (in ICD-Code), Geschlecht, Alter (von bis) und Aufenthaltsdatum im Klinikum, eine vorsortiere Liste mit den Patienten, die in dem eingegebenen Zeitpunkt in der Universitätsklinik behandelt wurden. Mit Hilfe dieser Liste hat der Studienarzt die Möglichkeit gezielt zu der dargestellten Abteilung zuzugehen und ggf. den geeigneten Patienten für „seine“ Studie zu rekrutieren. Falls der Patient in eine Studie eingeschlossen wird, kann dies ebenfalls im Krankenhausinformationssystem in der elektronischen Patientenakte dokumentiert werden.

Das Modul wurde im Januar 2012 an der Universitätsklinik Frankfurt am Main und im Krankenhaus Nordwest Frankfurt in Zusammenarbeit entwickelt und für den klinischen Einsatz pilotiert. Das Krankenhaus Nordwest hat den Einsatz des Moduls ab Mai 2012 geplant. Die Steigerung der Rekrutierungszahlen an Studienpatienten wird bis Ende 2012 angestrebt.

Diskussion: Wissenschaftlich tätige Ärzte haben mit dem Studienmodul im Krankenhausinformationssystem eine gute Möglichkeit die Anzahl der Patienten für klinische Studien zu erhöhen und somit einer der Vorraussetzungen für eine onkologische Zertifizierung zu erfüllen. Eine Erweiterung des Moduls um weitere Suchkriterien (z.B. Histologie, TNM Stadium, molekulare Marker, bisherige Therapien etc.) wäre sinnvoll. Jedoch erfordert dies eine konsequente strukturierte Eingabe der Parameter im Krankeninformationssystem. Die Umsetzung wird für das laufende Jahr 2012 angestrebt.


Literatur

1.
Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt [Internet]. Available from: http://www.uct-frankfurt.de External link
2.
Klinikum und Fachbereich Medizin, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main [Internet]. Available from: http://www.kgu.de External link
3.
Onkozert [Internet]. Available from: http://www.onkozert.de External link
4.
Dugas M, Lange M, Müller-Tidow C, Kirchhof P, Prokosch HU. Routine data from hospital information systems can support patient recruitment for clinical studies. Clin Trials. 2010;7(2):183-9.
5.
AGFA Health care [Internet]. Available from: http://www.agfahealthcare.com External link