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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Solariennutzung in Deutschland – Aktuelle Ergebnisse einer bundesweiten epidemiologischen Studie zu Nutzungshäufigkeit, Motiven und determinierenden Faktoren

Meeting Abstract

  • Christina Bock - Universität Heidelberg, Mannheim, Deutschland
  • Katharina Diehl - Universität Heidelberg, Mannheim, Deutschland
  • Michaela Schlüter - Universität Heidelberg, Mannheim, Deutschland
  • Rüdiger Greinert - Elbe Klinikum, Buxtehude, Deutschland
  • Eckhard W. Breitbart - Elbe Klinikum, Buxtehude, Deutschland
  • Sven Schneider - Universität Heidelberg, Mannheim, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds166

DOI: 10.3205/12gmds166, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds1661

Published: September 13, 2012

© 2012 Bock et al.
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Einleitung und Fragestellung: Pro Jahr wird bei etwa 16.000 Menschen in Deutschland ein malignes Melanom diagnostiziert [1]. Dabei ist ultraviolette (UV) Strahlung – durch natürliches Sonnenlicht oder künstliche UV-Quellen – einer der Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Melanomen und anderen Hautkrebsarten [2]. Es gibt mittlerweile eine überzeugende Evidenz, dass die Nutzung von Solarien das Hautkrebsrisiko signifikant erhöht [3], [4]. Daher stufte die International Agency for Research on Cancer die Solariennutzung inzwischen als karzinogen ein [5]. Existierende Studien aus anderen Industrienationen ergaben höchst unterschiedliche Prävalenzen zwischen 11% und 61% für die Jemalsnutzung eines Solariums sowie zwischen 1% und 47% für die Nutzung innerhalb der letzten zwölf Monate [6]. Aufgrund unterschiedlicher Populationen, Studienregionen oder der Fokussierung auf bestimmte Bevölkerungsgruppen sind die Ergebnisse aus anderen Nationen nicht auf die deutsche Allgemeinbevölkerung übertragbar. Daher haben die Autoren eine bundesweite populationsbasierte Studie durchgeführt, um die Prävalenz der Solariennutzung sowie Charakteristika und Motive der Solariennutzer zu untersuchen.

Material und Methoden: Die von der Deutschen Krebshilfe geförderte SUN-Study (Sunbed Use: Needs for Action) wurde im Zeitraum 07/2011 bis 01/2012 (Feldphase) durchgeführt und schloss 4.851 Personen im Alter zwischen 14 und 45 Jahren ein. Die Studienteilnehmer wurden standardgemäß über ein zweistufiges Auswahlverfahren zufällig aus der Bevölkerung ausgewählt und in computerassistierten Telefoninterviews u. a. zur Solariennutzung, den Motiven und Rahmenbedingungen der Solariennutzung sowie ihrem Hauttyp (Fitzpatrick-Skala) befragt. Es wurden Häufigkeiten der Jemals- und aktuellen Solariennutzung (innerhalb der letzten 12 Monate) erfragt. Determinierende Faktoren der Solariennutzung wurden mittels logistischer Regression bestimmt.

Ergebnisse: Vier von zehn Studienteilnehmern (39,2%) hatten mindestens einmal im Leben ein Solarium genutzt; 14,6% der befragten Personen waren als aktuelle Nutzer einzustufen. Im Vergleich zur Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen (21,4%), nutzten Minderjährige (5,2%) sowie Personen zwischen 26 und 35 Jahren (16,4%) bzw. 36 und 45 Jahren (11,6%) deutlich seltener Solarien. Die aktuelle Nutzungsprävalenz bei Personen mit hellem Hauttyp (Typ I oder II) lag bei 8,9%, während 17,4% der Personen mit dunklerem Hauttyp aktuell Solarien nutzten. Positive Determinanten der aktuellen Solariennutzung waren weibliches Geschlecht (adjustiertes Odds Ratio und 95%-Konfidenzintervall: OR=1,97 [1,64–2,37]), dunkler Hauttyp (Typ III bis VI; OR=2,47 [2,00–3,04]), Migrationshintergrund (OR=1,46 [1,21–1,77]) sowie Vollzeit- (OR=1,93 [1,53-2,43]) oder Teilzeiterwerbstätigkeit (OR=1,44 [1,11–1,85]). Am häufigsten wurden Solarien in Sonnenstudios (74,9%), Fitness-Studios (10,1%) und Schwimmbädern (7,9%) genutzt. Als wichtigste Motive wurden dabei Entspannung (76,4%), Attraktivitätssteigerung (68,3%), Vorbräunen für den Urlaub (60,1%) sowie das Empfinden von Licht und Wärme (55,7%) angegeben.

Diskussion: Die vorliegende Studie ergab deutliche Unterschiede in der Prävalenz der aktuellen Solariennutzung in verschiedenen Subgruppen der deutschen Bevölkerung. Obwohl auch Minderjährige innerhalb der letzten zwölf Monate Solarien genutzt hatten, war die Nutzungsprävalenz in dieser Gruppe recht niedrig, was teilweise auf das gesetzliche Solarienverbot für Minderjährige zurückzuführen sein dürfte. Risikogruppen für Solariennutzung stellen hingegen vor allem Frauen, Personen mit dunklerem Hauttyp oder Migrationshintergrund sowie Voll- und Teilzeiterwerbstätige dar. Hier sind zielgruppenorientierte Kampagnen sinnvoll, die über die Gesundheitsrisiken der Solariennutzung aufklären. Trotz einer vergleichsweise niedrigen Nutzungsprävalenz sollten zudem auch Personen mit hellem Hauttyp im Fokus von Interventionen stehen, da diesen laut aktueller UV-Schutzverordnung aufgrund des erhöhten Hautkrebsrisikos am dringendsten von der Solariennutzung abzuraten ist.


Literatur

1.
Husmann G, Kaatsch P, Katalinic A, Bertz J, Haberland J, Kraywinkel K. Krebs in Deutschland 2005/2006 – Häufigkeiten und Trends. Berlin: Robert Koch-Institut; 2010.
2.
Heckman CJ, Coups EJ, Manne SL. Prevalence and correlates of indoor tanning among US adults. J Am Acad Dermatol. 2008;58:769-80.
3.
Doré JF, Chignol MC. Tanning salons and skin cancer. Photochem Photobiol Sci. 2012;11:30-7.
4.
Rigel DS. Cutaneous ultraviolet exposure and its relationship to the development of skin cancer. J Am Acad Dermatol. 2008;58:S129-32.
5.
International Agency for Research on Cancer. Exposure to artificial UV radiation and skin cancer – IARC Working Group Report Volume 1. Genf: World Health Organization; 2005.
6.
Diehl K, Huy C, Schneider S. Sunbed use: risk groups and possibilities for skin cancer prevention. Treatment Strat Dermatol. 2011;1:68-72.