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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Bone Evaluation Study (BEST): Epidemiologie der Osteoporose in Deutschland sowie Analysen zur Inanspruchnahme von Diagnostik und Therapie

Meeting Abstract

  • Roland Linder - WINEG, Hamburg, Deutschland
  • Silvia Klein - IGES, Berlin, Deutschland
  • Peyman Hadji - Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Deutschland
  • Holger Gothe - IGES, Berlin, Deutschland
  • Frank Verheyen - WINEG, Hamburg, Deutschland
  • Bertram Häussler - IGES, Berlin, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds165

DOI: 10.3205/12gmds165, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds1659

Published: September 13, 2012

© 2012 Linder et al.
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Text

Einleitung: Im Rahmen der Studie BoneEVA wurden im Jahr 2003 Defizite bei der Versorgung von Menschen mit Osteoporose ermittelt (Häussler et al. 2006, 2007 [1], [2]). Seit 2004 werden die ambulanten Daten auch den Krankenkassen verfügbar gemacht (seit 2006 mit Angabe der Diagnosesicherheit), so dass eine GKV-Routinedatenanalyse mit einer sektorenübergreifenden Datenzusammenführung auf Versichertenebene möglich wurde. Diese neuen Auswertungsmöglichkeiten wurden in der aktuellen BEST-Studie genutzt. Analysiert wurden die Prävalenz und Inzidenz von Osteoporose, darüber hinaus die Inanspruchnahme von Diagnostik und Therapie sowie die damit einhergehenden Kosten.

Methoden: Die Datenbasis von BEST bilden anonymisierte Abrechnungsdaten der Jahre 2006 bis 2009 der Techniker Krankenkasse. Im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie wurden Versicherte ab einem Alter von 50 Jahren mit ambulanten Diagnosen, Krankenhaus-, Anschlussheilbehandlungs- und Arbeitsunfähigkeitsdiagnosen mit dem ICD-10-Kode M80.* und M81.*, mit Verordnungen osteoporosespezifischer Arzneimittel oder mit Frakturdiagnosen (S22.*–S82.*), die als osteoporosebedingt angesehen wurden, eingeschlossen. Bei den Hochrechnungen auf die deutsche Bevölkerung wurden die Alters- und Geschlechtsstruktur der Versicherten berücksichtigt.

Weiterhin wurden die Häufigkeit von Knochendichtemessungen sowie die Verordnungsprävalenzen indikationsspezifischer Arzneimittel ermittelt. Bei der Kostenschätzung wurden Kosten aus den Sektoren ambulante und stationäre Versorgung, Rehabilitation, Arzneimittel-Versorgung, Arbeitsunfähigkeit, Heil- und Hilfsmittel und Pflege berücksichtigt.

Ergebnisse: Die Jahresprävalenz für Osteoporose beträgt 14% (Frauen: 24%; Männer: 6%). Hochgerechnet auf Deutschland entspricht dies 6,3 Mio. Menschen mit Osteoporose (Frauen: 5,2 Mio.; Männer: 1,1 Mio.). Es ist ein starker Altersanstieg zu beobachten (50–54 Jahre: 7%; >74 Jahre 31%). Die Inzidenz liegt bei 2,1%, entsprechend 885.000 Menschen in Deutsch-land jährlich. Unter den Versicherten mit Osteoporose-Diagnose und/oder Arzneimittelverordnung erlitten 27% innerhalb des Beobachtungszeitraums mindestens eine Fraktur. 69% dieser Versicherten mit Fraktur erlitten sogar mehrfach Frakturen. Am häufigsten waren Frakturen der Lendenwirbelsäule und des Beckens (S32.*).

Unter den Versicherten mit Osteoporose-Diagnose und/oder Arzneimittelverordnung wurde innerhalb des vierjährigen Beobachtungszeitraums bei 14% der Versicherten mit Frakturen eine über die GKV abgerechnete Knochendichtemessung durchgeführt. In diesem Zeitraum erhielten 24% der Versicherten mit Osteoporose-Diagnose und/oder Arzneimittelverordnung eine Basistherapie, 26% erhielten Bisphosphonate. Versicherte mit Osteoporose und Frakturen erhielten in 33% aller Fälle eine Basistherapie.

Diskussion: Die in der BEST-Studie auf Basis von Routinedaten ermittelte Prävalenz liegt höher als die vom RKI im telefonischen Gesundheitssurvey 2009 (GEDA) ausgewiesenen 11,9% (Frauen: 17,6%; Männer: 5,2%) (RKI 2011 [3]). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Versorgung seit 2003 etwas verbessert hat. Dennoch liegen die Häufigkeit der Knochendichtemessung und die Verordnungsprävalenzen selbst nach Auftreten von Frakturen unterhalb dessen, was bei leitliniengerechter Therapie zu erwarten wäre. Dabei ist sowohl hinsichtlich der Basistherapie als auch der Knochendichtemessung von einer gewissen Unterschätzung der Häufigkeit auszugehen, da in den Routinedaten weder die nicht erstattungspflichtigen OTC-Präparate noch als IGEL-Leistungen privat abgerechnete Knochendichtemessungen dokumentiert sind. Abgesehen von diesen Limitationen konnte gezeigt werden, dass sich Routinedaten nicht nur zur Bestimmung von Prävalenz und Inzidenz eignen, sondern auch zur Beurteilung des Implementierungsgrades der DVO-Leitlinie.

Die Studie wurde mit freundlicher Unterstützung der Firmen AMGEN GmbH und Nycomed GmbH durchgeführt.


Literatur

1.
Häussler B, Gothe H, Göl D, Glaeske G, Pientka L, Felsenberg D. Epidemiology, treatment and costs of osteoporosis in Germany – The BoneEVA Study. Osteoporosis International. 2007;18:77-84.
2.
Häussler B, Gothe H, Mangiapane S, Glaeske G, Pientka L, Felsenberg D. Versorgung von Osteoporose-Patienten in Deutschland – Ergebnisse der BoneEVA-Studie. Deutsches Ärzteblatt (Ausgabe A). 2006;103(39):2542-8.
3.
Robert-Koch-Institut (RKI). Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2009“. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin; 2011.