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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Prävalenz, medikamentöse Therapie und Risiken von Diabetes mellitus in der Schwangerschaft

Meeting Abstract

  • Lena Zimmermann - BIPS – Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland
  • Edeltraut Garbe - BIPS – Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland
  • Rafael Mikolajczyk - BIPS – Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung, Bremen, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds164

DOI: 10.3205/12gmds164, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds1645

Published: September 13, 2012

© 2012 Zimmermann et al.
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Text

Einleitung und Fragestellung: Die Prävalenz von Diabetes mellitus in der Schwangerschaft (als Gestationsdiabetes oder vorbestehender Diabetes mellitus) in Deutschland ist unzureichend bekannt. Unklar ist auch, in welchem Ausmaß die Behandlung mit Insulin oder oralen Antidiabetika, wobei die letzteren in der Schwangerschaft kontraindiziert sind, erfolgt und wie sich diese Behandlung auf die Risiken von Diabetes auf Schwangerschaftsoutcomes in der Routineversorgung auswirkt.

Material und Methoden: Datenbasis waren die Versichertendaten der Pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank am BIPS (GePaRD) für die Jahre 2004–2008, mit über 7 Millionen Versicherten aus ganz Deutschlang. Es wurden alle Frauen, die im Jahr 2008 eine Entbindung (Lebend- oder Totgeburt) aufwiesen und zwischen 10 und 49 Jahre alt waren, identifiziert. Der Datensatz wurde auf jeweils die erste Entbindung in 2008 eingeschränkt. Anhand von ICD-10 GM Diagnosen wurden die Schwangeren in die Gruppen „Vorbestehender Diabetes mellitus“, „Gestationsdiabetes“ und „kein Diabetes mellitus“ eingeteilt. Um ein erstmaliges Auftreten in der Schwangerschaft und somit einen Gestationsdiabetes sicherzustellen, wurde ein Zeitraum von 12 Quartalen vor Schwangerschaftsbeginn in Bezug auf vorherige Diabetes mellitus-Diagnosen untersucht. Die Risiken von Diabetes für Schwangerschaftsoutcomes wurden beispielhaft anhand der Frühgeburten analysiert. Odds Ratios für die Frühgeburten (im Vergleich zu termingerechten Lebendgeburten) wurden für beide Diabetesformen im Vergleich zu keinem Diabetes in Abhängigkeit von der medikamentösen Therapie mittels logistischer Regression bestimmt. Die Medikamentenverschreibungen wurden im Entbindungsquartal und den beiden Quartalen davor betrachtet.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 26.169 Frauen mit einer Entbindung im Jahr 2008 identifiziert. Die Prävalenz von vorbestehendem Diabetes mellitus lag bei 0,8%, die von Gestationsdiabetes bei 5,6%. Beide Diabetesformen wiesen eine Altersabhängigkeit auf. Etwa 1,6% aller Frauen wurden mit Antidiabetika behandelt, von diesen erhielten 12 Schwangere orale Antidiabetika, die in der Schwangerschaft kontraindiziert sind. Unabhängig von der Therapie war das OR für vorzeitige Entbindungen etwas höher für vorbestehenden Diabetes als für Gestationsdiabetes (1,5 [95% Konfidenzintervall von 1,1 bis 2,2] vs. 1,3 [1,1–1,5]) gegenüber keinem Diabetes. Deutliche Unterschiede ergaben sich bei der Einbeziehung der Therapie – bei Patientinnen mit vorbestehendem Diabetes mit Therapie lag das OR für eine vorzeitige Entbindung bei 2,1 [1,3–3,2] und ohne Therapie bei 1,0 [0,5–1,9]; bei Patientinnen mit Gestationsdiabetes mit Therapie bei 1.2 [0,8–1,7] und ohne Therapie bei 1,3 [1,1–1,5] (alle ORs im Vergleich zu Frauen ohne Diabetes).

Diskussion: Bei vorbestehendem Diabetes deutet die Medikation auf eine schwerere Erkrankung – die angesichts der erhöhten Risiken für die therapierte Gruppe gegenüber der nicht therapierten durch die Therapie nicht kompensiert werden können. Bei Patientinnen mit Gestationsdiabetes war ein Therapievorteil im Hinblick auf die Frühgeburten nicht erkennbar.