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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

IRIS: Das Elektronische Kodiersystem für Todesursachen in der Todesursachenstatistik

Meeting Abstract

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  • Frauke Thiel - Deutsches Institut für Medizinsche Dokumentation und Information (DIMDI), Medizinische Begriffssysteme, Köln, Deutschland
  • Olaf Eckert - Destatis (Statistisches Bundesamt), Bonn, Deutschland
  • Friedrich Heuser - Deutsches Institut für Medizinsche Dokumentation und Information (DIMDI), Medizinische Begriffssysteme, Köln, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds094

DOI: 10.3205/12gmds094, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds0942

Published: September 13, 2012

© 2012 Thiel et al.
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Einleitung: Für eine international vergleichbare Todesursachenstatistik ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) inklusive eines umfangreichen Regelwerks bereitgestellt worden [1], [2]. Die Anwendung dieses Regelwerks auf die Einträge auf dem Leichenschauschein ist kompliziert und bedarf langjähriger Erfahrung. Für die Ermittlung des Grundleidens für die unikausale Todesursachenstatistik besteht daher bei manueller Kodierung die Gefahr, dass das Ergebnis abhängig vom Wissen und der Erfahrung des Anwenders ist [3].

Der subjektive Einfluss bei der Kodierung wird minimiert, wenn die Informationen der Leichenschauscheine elektronisch erfasst und verarbeitet werden. Für die elektronische Selektion des Grundleidens wurde das elektronische Kodiersystem IRIS im Rahmen einer internationalen Kooperation mit Fachleuten aus Schweden, Frankreich, Ungarn, Italien und Deutschland entwickelt. In Deutschland ist das Statistische Bundesamt (Destatis) für die technische Konzeption und Softwareentwicklung zuständig. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) pflegt und implementiert die klassifikatorischen und medizinischen Inhalte bei der Entwicklung von IRIS.

Methoden und Ergebnisse: Für den weltweiten Einsatz des IRIS-Kodiersystems wird der sprachunabhängige Kodierkern von der konfigurierbaren und sprachabhängigen Texterkennung getrennt. Außerdem wird für die Entwicklung des Algorithmus der von der WHO empfohlene internationale Leichenschauschein sowie das Regelwerk der ICD-10-WHO verwendet [1], [2].

Zurzeit erfolgt die unikausale Auswahl des Grundleidens noch durch den Kodierkern des amerikanischen Mortality Medical Data Systems (MMDS) des National Centre for Health Statistics (NCHS). Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird von der IRIS Arbeitsgruppe ein neuer Kodierkern entwickelt werden, der auf Basis der ICD-10-Klassifikation multikausale Plausibilitätsprüfungen, Kodeoptimierungen und den Algorithmus zur Auswahl des unikausalen Grundleidens enthält und somit den amerikanischen Kodierkern ersetzt.

Ablauf der elektronischen Ermittlung des Grundleidens durch IRIS:

1.
Der Arzt schreibt alle Diagnosen des Verstorbenen als Text auf den Leichenschauschein.
2.
Die Daten werden in eine Datenbank übertragen und vom zuständigen Statistischen Landesamt mit IRIS verarbeitet.
3.
Diagnosetexte werden durch die iterative Anwendung von regulären Ausdrücken standardisiert, um den Einfluss von Eingabefehlern und variablen Diagnosetexten zu verringern.
4.
Standardisierte Diagnosetexte werden unter Verwendung eines vom DIMDI für IRIS entwickelten Wörterbuches kodiert.
5.
Aus den zugewiesenen ICD-Kodes ermittelt IRIS entsprechend den Selektions- und Modifikationsvorschriften des WHO-Regelwerkes das Grundleiden.

Die ersten statistischen Landesämter kodieren bereits im Routinebetrieb ihre Leichenschauscheine vollständig mit IRIS. Bei der elektronischen Verarbeitung werden etwa 80% aller Diagnosen von IRIS erkannt.

International steht IRIS mit verschiedenen Sprachvarianten der ganzen Welt zu Verfügung und wird von einigen Ländern im Routinebetrieb genutzt.

Diskussion: Die Todesursachenstatistik liefert wichtige Daten zur Sterblichkeit. Sie ist eine ideale Basis für die medizinische und epidemiologische Forschung, die Gesundheitsberichterstattung des Bundes und der Länder sowie für die gesundheitspolitische Planung. Die Einführung von IRIS verbessert die Qualität der Todesursachenstatistik durch die strikte Anwendung international abgestimmter Verfahren zur Ermittlung des Grundleidens sowie einer standardisierten Aufbereitung aller Diagnosen auf dem Leichenschauschein, wodurch eine multikausale Auswertung ermöglicht wird. Durch die Weiterentwicklung von IRIS als internationales Projekt wird die nationale und internationale Standardisierung der Erhebung von Todesursachen analog zur ICD-10 der WHO weiter vorangetrieben.


Literatur

1.
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). ICD-10-WHO, Version 2011, Band 1-3. 2011. Available from: http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/icd-10-who/version2011 [cited 16.02.2011] External link
2.
Weltgesundheitsorganisation (WHO). International Classification of Diseases (ICD). Available from: http://www.who.int/classifications/icd/en/ External link
3.
Andersohn F, Müller-Riemenschneider F, Willich SN. Kodierungsprobleme in der deutschen Todesursachenstatistik am Beispiel ischämischer Herzkrankheiten, Gesundheitswesen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG; 2011. Available from: https://www.thieme-connect.de/DOI/DOI?10.1055/s-0030-1254176 External link