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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Bürgerreport Hightech-Medizin 2011: Was kann die Telemedizin von den Erwartungen und Forderungen der Bürger lernen?

Meeting Abstract

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  • Christin Gleiß - Fachhochschule Stralsund, Deutschland
  • Martin Staemmler - Fachhochschule Stralsund, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds063

DOI: 10.3205/12gmds063, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds0639

Published: September 13, 2012

© 2012 Gleiß et al.
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Einleitung: Mit dem Bürgerdialog zur Hightech-Medizin (HTM) hat das BMBF im Herbst 2011 mehrere hundert Bürger in die Erarbeitung von Erwartungen und Empfehlungen zu einer zukünftigen Gesundheitsversorgung einbezogen [1]. Dazu fanden mehrere Regionalkonferenzen zu den Handlungsfeldern (i) Telemedizin, (ii) Intensitv- und Palliativmedizin und (iii) Neuronale Implantate statt. Ende Dezember 2011 wurden von den Bürgern im Bürgerreport die Ergebnisse zusammengefasst und dem BMBF übergeben. Ziel dieses Beitrags ist es, die Anforderungen und Erwartungen der Bürger an die HTM zu analysieren, ihre Umsetzbarkeit unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen und des aktuellen Stands der Technik zu bewerten und eventuelle Hindernisse zu diskutieren.

Material und Methoden: In einem ersten Schritt wurden im Bürgerreport alle Anforderungen identifiziert, die beschriebene Dringlichkeit auf typische Begriffe wie „muss“, „soll“, „sollte“ abgebildet und eine grobe Zuordnung zu Themenbereichen vorgenommen. Im zweiten Schritt erfolgte für diese eine Strukturierung in drei Achsen (Leistungserbringung und Versorgung, Aufgaben und Dienste für den Bürger sowie Forschungs- und Technologiebedarf), die insgesamt zehn Handlungsstränge umfassen: 1. Achse mit „Medizinisch-pflegerischer Leistungserbringung“, „Gesund-heitsversorgungssystem“, „Finanzierung und Vergütung und Rahmenbedingungen“, 2. Achse mit „Informierte Bürger und Patienten“, „Vertretung von Patienteninteressen“, „Accessibility/Usability“ und 3. Achse mit „ Datenmanagement und -verwaltung“, „Forschung und Entwicklung“, und „Technik“.

Ergebnisse: Von insgesamt ca. 250 Anforderungen in dem Handlungsfeld „Telemedizin“ sind ca. 40% als „muss“ und weitere ca. 40% als „soll“ gekennzeichnet, so dass im Bürgerreport als ein recht klares Votum der Bürger formuliert ist. Mit ca. 47% steht die Achse „Leistungserbringung und Versorgung“ im Vordergrund und adressiert primär den Handlungsstrang der „medizinisch-pflegerischen Leistungserbringung“. In der Achse „Aufgaben und Dienste für den Bürger (36%) dominiert der Handlungsstrang „Informierte Bürger und Patienten“ zu ca. 2/3. Auf die Achse „Forschungs- und Technologiebedarf entfallen nur ca. 17% mit einer deutlichen Betonung von „Forschung und Entwicklung (F&E)“.

Diskussion: Gegenüber F und E Anforderungen werden Anforderungen an die telemedizinisch unterstützte Leistungserbringung ca. fünf häufiger benannt. Damit wird deutlich, dass den Bürgern die Umführung bestehender technischer Lösungen in die Routineversorgung deutlich wichtiger erscheint als weitere F&E. Dabei spielen aus Sicht der Bürger Rahmenbedingungen und die Finanzierung eine wesentliche Rolle. Zudem besteht ein deutlicher Informations-, Schulungs- und Ausbildungsbedarf über verfügbare Technologien und den kompetenten Umgang mit diesen, gerade auch zur Wahrnehmung der informationellen Selbstbestimmung. Verbunden damit sind Anforderungen an die Zugangsgerechtigkeit und die Nutzbarkeit auch für weniger IT-affine Bürger und Patienten. Insgesamt zeigt dieses Votum, dass (i) von Seiten der Bürger eine weitgehende Bereitschaft zur Nutzung von telemedizinischen Verfahren (z.B. Telemonitoring, elektronische Akten) besteht, (ii) Bürger bereit sind, selbst Verantwortung für ihre Ge-sundheitsdaten zu übernehmen und (iii) sie in die Gestaltung von neuen Diensten des Gesundheitsversorgungssystem einbezogen werden wollen.


Literatur

1.
Bundesministerium für Bildung und Forschung [Internet]. Available from: http://www.bmbf.de/de/17090.php [cited 24.4.2012] External link