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GMDS 2012: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

16. - 20.09.2012, Braunschweig

Cue-Exposure und Psychophysiologisches Monitoring bei Alkoholcraving

Meeting Abstract

  • Mareike Schulze - Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik, Hannover, Deutschland
  • Christian Eberlein - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Hannover, Deutschland
  • Eva Janke - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Hannover, Deutschland
  • Sermin Toto - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Hannover, Deutschland
  • Tamara Ulrich - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Hannover, Deutschland
  • Helge Frieling - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Hannover, Deutschland
  • Thomas Hillemacher - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Hannover, Deutschland
  • Corinna Scharnweber - Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik, Hannover, Deutschland
  • Klaus-Hendrik Wolf - TU Braunschweig, Deutschland
  • Reinhold Haux - Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik, Braunschweig, Deutschland
  • Stefan Bleich - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Hannover, Deutschland
  • Michael Marschollek - Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik, Hannover, Deutschland

GMDS 2012. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS). Braunschweig, 16.-20.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gmds053

DOI: 10.3205/12gmds053, URN: urn:nbn:de:0183-12gmds0539

Published: September 13, 2012

© 2012 Schulze et al.
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Text

Einleitung: Die Alkoholabhängigkeit ist eine häufige Erkrankung, die auch nach erfolgreicher Alkoholentzugstherapie mit einer hohen Rückfallgefahr verbunden ist. Als Hauptursache des Alkoholrückfalls wird das so genannte Alkoholcraving, das Verlangen Alkohol zu trinken, gesehen. Nach einem Alkoholrückfall lassen sich verschiedene Veränderungen vegetativer Parameter erfassen. Die bisher unbeantwortete Frage ist, ob Parameter aus dem eben genannten Formenkreis bereits vor einem drohenden Alkoholrückfall, also im Rahmen des Alkoholcravings, messbare Veränderungen aufzeigen.

Methode: Alkoholbezogene Schlüsselreize, sogenannte Cues, können ein erhöhtes Alkoholverlangen und Veränderungen im psychophysiologischen Bereich auslösen. Cue-Exposure bezeichnet die Konfrontation mit diesen Schlüsselreizen. Aufgrund der bisher noch nicht vorhandenen Datenlage zu dieser Fragestellung ist diese Studie als eine hypothesengenerierende Studie zu verstehen. Es erfolgt eine explorative Datenanalyse (Data-Mining) zur Erfassung möglicher Zusammenhänge zwischen den Daten der Basisphänotypisierung und der fortlaufenden Erfassung. In die Studie werden insgesamt 26 alkoholabhängige Patienten zur freiwilligen Teilnahme eingeschlossen, die die Kriterien für Alkoholabhängigkeit entsprechend dem ICD-10 erfüllen, gegenwärtig entsprechend ICD-10 F10.20 seit mindestens 4 Wochen abstinent sind, mindestens 3 Alkoholrückfälle in der Vorgeschichte erlitten und keine weiteren Abhängigkeiten vorweisen. Zusätzlich werden 26 altersgleiche Kontrollpersonen (AUDIT [1]-Score kleiner 8) in die Studie eingeschlossen.

Studiendesign: Bei der Untersuchung handelt es sich um eine offene, nicht randomisierte, prospektive Studie. Zur psychometrischen Erfassung von Symptomen der Alkoholabhängigkeit kommen vor und nach der Cue-Exposure verschiedene Selfrating-Fragebögen zum Einsatz, welche die Symptome der Alkoholabhängigkeit skalengestützt erheben. Vor Beginn und nach Beendigung der Untersuchungsperiode soll zusätzlich der Schweregrad der Alkoholabhängigkeit (EuropASI [2]), die Lebensqualität der alkoholabhängigen Patienten (FAHW [3]) sowie wichtige Symptome der Alkoholabhängigkeit (Alkoholverlangen, Depressivität, Angst) Fragebogen gestützt erhoben werden. Im Anschluss an diese Erhebung erfolgt die Herstellung einer Experimentalbedingung unter Exposition mit neutralen und Alkohol-assoziierten Reizen (Bilder). Vor Beginn dieser Untersuchung wird den Teilnehmern ein Multisensorgerät in Form eines flexiblen Brustgurtes angelegt, das sie während des gesamten Expositionszeitraums tragen. Dieses Gerät erfasst kontinuierlich Messgrößen, wie Herzfrequenz, RR-Abstände, Atemfrequenz, Hauttemperatur, triaxiale Beschleunigung und Hautwiderstand. Zusätzlich wird eine Elektromyographie am Musculus trapezius (Nackenregion) durchgeführt. Während der Videosequenzen bewerten die Probanden zusätzlich jedes einzelne Bild danach, ob es Alkoholcraving in ihnen ausgelöst hat, oder nicht.

Ziele: Ziel der geplanten Studie ist es zu untersuchen, ob und in welchem Maße sich psychophysiologische Parameter im Rahmen des Alkoholcravings verändern und welche dieser Parameter einen entscheidenden Hinweis auf einen drohenden Alkoholrückfall geben können.

Ergebnisse und Diskussion: Derzeitige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die ausgewählten Cues ein relevantes Alkoholcraving bei den alkoholabhängigen Probanden auslösen können. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ähnliche Untersuchungen im Bereich der Abhängigkeitserkrakungen bisher nicht durchgeführt wurden, sollen hier nicht nur erste Ergebnisse vorgestellt werden, im Mittelpunkt sollen auch Entwicklung des Studien-Designs und Erfahrungen in der interdisziplinären Zusammenarbeit stehen. Des Weiteren soll ein kurzer Ausblick auf mögliche, weiterführende Studien gegeben werden, bei denen es durchaus sinnvoll sein kann, z.B. ein Interventionsmoment in das Studiendesign zu integrieren.


Literatur

1.
Bush K, Kivlahan DR, McDonell MB, Fihn SD, Bradley KA. The AUDIT alcohol consumption questions (AUDIT-C): An effective brief screening test for problem drinking. Arch Int Med. 1998;158:1789-95.
2.
Scheurich A, Muller MJ, Wetzel H, Anghelescu I, Klawe C, Ruppe A, Lorch B, Himmerich H, Heidenreich M, Schmid G, Hautzinger M and Szegedi A. Reliability and validity of the German version of the European Addiction Severity Index (EuropASI). J Stud Alcohol. 2000;61(6):916-9.
3.
Kolip P, Schmidt B. Der Fragebogen zur Erfassung körperlichen Wohlbefindens. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie. 1999;7:77-87.