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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Relative Armut und subjektive Gesundheit:eine mehrebenenanalytische Betrachtung als Beitrag zur aktuellen Diskussion

Meeting Abstract

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  • Timo Pförtner - University of Cologne, Köln

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds594

DOI: 10.3205/11gmds594, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds5945

Published: September 20, 2011

© 2011 Pförtner.
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Einleitung: Wissenschaftliche Studien zur gesundheitlichen Ungleichheit belegen, dass die relative Armut in fast allen europäischen Staaten signifikant mit höheren gesundheitlichen Beschwerden assoziiert ist, wobei das entsprechende Ausmaß zwischen den Ländern Europas zum Teil erheblich variiert. Obwohl bereits einige Studien zu dieser Thematik veröffentlicht worden sind, steht eine theoretische wie empirische Auseinandersetzung zur armutsassoziierten Ungleichheit in der Gesundheit für Europa noch aus. In diesem Zusammenhang bieten Coburn [1] und Lynch [2] ein adäquates Erklärungsmodell, da es nicht nur übliche Erklärungsansätze der Individual- und Mesoebene in sich vereint, sondern diese um eine soziale und politische Determinante erweitert, die als makrospezifischer Faktor die unmittelbaren Lebensweisen und Lebensbedingungen der in Armut lebenden Person prägt. Auf Basis dieser theoretischen Vorüberlegungen ist das Ziel der vorliegenden Studie 1) die Evaluation der Beziehung zwischen Armut und Gesundheit in Europa, 2) die Identifikation möglicher Kontextdeterminanten und 3) eine Diskussion potenzieller Beziehungszusammenhänge vor dem Hintergrund der wohlfahrtspolitischen Ausrichtung eines Landes.

Methode: Dazu werden auf Basis der Statistik der Europäischen Union über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) aus dem Jahr 2006, die Informationen von 343.001 Individuen aus 26 europäischen Ländern bereithält, mehrere binär-logistische Mehrebenenmodelle gerechnet. Neben einer üblichen Darstellungsweise, werden die konditionalen Gesundheitsrisiken der in Armut lebenden Bevölkerung vor dem Hintergrund der spezifischen Kontextvariable ausgewiesen. Abschließend werden die entsprechenden Ergebnisse hinsichtlich der wohlfahrtsspezifischen Ausrichtung eines Landes deskriptiv diskutiert.

Ergebnisse: Die vorliegende Studie hält vier wesentliche Ergebnisse bereit: 1) die relative Armut ist im überwiegenden Teil Europas mit dem subjektiven Befinden einer Person assoziiert, wobei 2) signifikante Unterschiede in der Assoziationsstärke zwischen den Ländern Europas bestehen. In Anlehnung an die theoretischen Vorüberlegungen kann 3) eine stärkere Assoziation zwischen Armut und Gesundheit in den Ländern beobachtet werden, die geringere Standards gegen gesundheitliches Fehlverhalten formulieren, ein geringeres soziales Teilhabeniveau aufweisen und ein höheres Ausmaß der Einkommensungleichheit besitzen. Schließlich zeigen die wohlfahrtsspezifischen Analysen, dass liberale und sozial-demokratische Länder nicht nur ein geringeres Niveau armutsassoziierter Ungleichheiten in der Gesundheit aufweisen, sondern zudem das höchste soziale Teilhabeniveau wie auch das höchste Engagement gegen gesundheitliches Fehlverhalten.

Diskussion: Die Beziehung zwischen Armut und Gesundheit stellt sich unter den Ländern Europas relativ unterschiedlich dar. Nach den theoretischen Vorüberlegungen sind hierfür die spezifischen sozialen und politischen Bedingungen verantwortlich, die sich insbesondere in den liberalen und sozial-demokratischen Ländern für die in Armut lebende Bevölkerung als günstig erweisen. Denn neben den diskutierten Kontextbedingungen, weisen diese Länder entsprechend hohe Initiativen zur Bekämpfung von Armut bzw. gesundheitlicher Ungleichheit auf, die einer näheren Analyse bedürfen.


Literatur

1.
Coburn D. Income Inequality, social cohesion and the health status of populations: the role of neoliberalism. Social Science and Medicine. 2000;51:135-146.
2.
Lynch J. Income Inequality and health: expanding the debate. Social Science and Medicine. 2000;51:1001-1005.