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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Randomisierte kontrollierte Sport-Interventionsstudie mit Brustkrebspatientinnen unter Chemotherapie (BEATE Studie): Rationale, Design und praktische Rekrutierungserfahrungen

Meeting Abstract

  • Martina Schmidt - Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Joachim Wiskemann - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Heidelberg
  • Cornelia Ulrich - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Tilla Ruf - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Christiane Hedrich - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Nadine Ungar - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Eva Frei - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Nina Habermann - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Renate Schoenmakers - Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Andreas Schneeweiß - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Universitätsklinikum, Heidelberg
  • Karen Steindorf - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds337

DOI: 10.3205/11gmds337, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds3371

Published: September 20, 2011

© 2011 Schmidt et al.
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Text

Einleitung: Krebsbedingte Fatigue ist eine außerordentliche Ermüdung, die sich während und nach Chemotherapie als eine der häufigsten und klinisch beeinträchtigendsten Komplikationen manifestiert. Strukturiertes körperliches Training stellt potentiell eine effektive Maßnahme zur Behandlung dar [1]. In den meisten bisherigen Interventionsstudien erhielt die Kontrollgruppe jedoch keine Intervention („usual care“). Da Fatigue auch mit psychosozialen Faktoren assoziiert ist, ist somit unklar, inwiefern die beobachteten positiven Effekte der Sportinterventionen durch gruppendynamische Prozesse hervorgerufen wurden. Wir untersuchen deshalb in der BEATE-Studie den eigentlichen Effekt strukturierten körperlichen Trainings über die psychosozialen Effekte hinaus. Ein weiterer Fokus liegt auf der bislang noch weitgehend unverstandenen Pathophysiologie von Fatigue und der durch Krafttraining induzierten Veränderungen.

Material und Methoden: Es sollen 160 Patientinnen rekrutiert werden, die randomisiert einem progressiven Krafttraining oder einem Muskelrelaxationstraining zugewiesen werden. Patientinnen, die im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg eine Chemotherapie beginnen, werden persönlich angesprochen und über die BEATE Studie informiert. Im Umland werden Patientinnen von den behandelnden Ärzten oder über Poster und Flyer informiert. Beide Trainingsprogramme finden angeleitet zweimal wöchentlich über 12 Wochen in Heidelberg statt. Primärer Endpunkt ist die Veränderung der Fatigue-Symptomatik zwischen Prä- und Post-Intervention. Sekundäre Endpunkte sind Lebensqualität, Depressivität, Kognition, Muskelkraft, Ausdauerleistung, Körperzusammensetzung sowie ausgewählte Parameter in Blut, Speichel und Urin nach 6, 12 und 24 Wochen.

Ergebnisse: Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Brustkrebspatientinnen in der akuten Behandlungsphase an Sport- oder Relaxationsprogrammen sehr interessiert sind. Von 79 persönlich informierten, teilnahmeberechtigten Patientinnen (Stand März 2011) gaben 28 ihre Einwilligung zur Teilnahme. Der überwiegende Ablehnungsgrund (40 Patientinnen) war eine zu weite Anfahrt zum Trainingsort. Bei den übrigen 11 Ablehnungen wurden Zeitprobleme, Sportvereine vor Ort oder mangelndes Interesse als Gründe angegeben. Die Akzeptanz, sich in eines von zwei doch recht unterschiedlichen Trainingsprogrammen randomisieren zu lassen, war gut. Von den 28 randomisierten Teilnehmerinnen schieden zwei aus dem Entspannungs-Arm und eine aus dem Kraft-Arm nach der Randomisierung aus, weil die Zuweisung nicht ihren Wünschen entsprach. Eine Patientin brach nach 8 Wochen aus privaten Gründen das Training ab. Die übrigen Teilnehmerinnen trainierten überwiegend regelmäßig.

Diskussion: Auch wenn Sport nach Brustkrebs zunehmend empfohlen wird, sind systematische und methodisch korrekte, randomisierte Studien dringend nötig, um Erkenntnisse über die spezifischen Effekte und Wirkmechanismen von Sportinterventionen bei Krebspatientinnen zu erlangen und konkrete, Evidenz-basierte Empfehlungen zu ermöglichen. Unsere bisherigen Erfahrungen aus der BEATE-Studie zeigen, dass das Interesse von Patientinnen an Interventionsstudien vorhanden ist und die Bereitschaft besteht, sich randomisiert unterschiedlichen Trainingsprogrammen zuweisen zu lassen.


Literatur

1.
Cramp F, Daniel J. Exercise for the management of cancer-related fatigue in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2008;CD006145.