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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

In welchem Ausmaß bestimmt das Geburtsgewicht das Risiko übergewichtig zu werden? Ein europäischer Vergleich bei 2-9-jährigen Kindern der IDEFICS-Studie

Meeting Abstract

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  • Hermann Pohlabeln - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Bremen
  • Anna Reeske - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Bremen
  • Wolfgang Ahrens - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Bremen

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds291

DOI: 10.3205/11gmds291, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds2913

Published: September 20, 2011

© 2011 Pohlabeln et al.
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Einleitung/Hintergrund: Verschiedene Studien berichten über einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Geburtsgewicht von Neugeborenen und späterem Übergewicht dieser Kinder. Im Rahmen der IDEFICS-Studie, in der über 16.000 Kinder im Alter von 2-9 Jahren untersucht wurden, sind wir u.a. der Frage nachgegangen, inwieweit dieser Zusammenhang in den 8 europäischen Studienzentren bestätigt wird und welche Rolle dabei das Gewicht der Eltern spielt, das sowohl Geburtsgewicht als auch Adipositasrisiko des Kindes beeinflusst.

Material und Methoden: Im Rahmen der IDEFICS-Studie wurden von September 2007 bis Juni 2008 über 16.223 Kinder in acht europäischen Ländern untersucht und deren Eltern befragt. Bei den Kindern wurde eine Reihe standardisierter anthropometrischer Messungen (wie z.B. Hautfaltendicke, Körpergröße und –gewicht) durchgeführt und die Eltern hinsichtlich verschiedener lebensstilbedingter Faktoren wie Medienkonsum, Ernährungsverhalten oder körperlicher Aktivität der Kinder befragt. Der Fragebogen beinhaltete aber auch Fragen nach dem Geburtsgewicht der Kinder sowie dem Gewicht und der Körpergröße der Eltern. Diese Angaben waren jedoch nicht in allen Fragebögen vollständig vorhanden, so dass für die hier vorgestellten Ergebnisse 13.115 Kinder (80,8%) in die Analyse einbezogen werden konnten. Mit Hilfe multipler Regressionsmodelle wurde der Zusammenhang zwischen Geburtsgewicht, Gewicht der Eltern und der Prävalenz von Übergewicht bei den Kindern analysiert und auf etwaige Unterschiede zwischen den acht europäischen Ländern untersucht.

Ergebnisse: Der Anteil von Kindern, die mit einem erhöhten Geburtsgewicht (>4.000 gr) zur Welt kamen, variiert beträchtlich zwischen den europäischen Ländern: In südeuropäischen Ländern (Zypern, Spanien, Italien) war dieser Anteil mit 3% - 5% relativ klein im Vergleich zu den nordeuropäischen Ländern wie Deutschland (11%), Schweden (16%) oder Estland (19%). Unabhängig davon hatten in nahezu allen Ländern Neugeborene mit einem erhöhten Geburtsgewicht ein deutlich höheres Risiko, als Kleinkinder (2-9 Jahre) an Übergewicht oder Adipositas zu leiden als normalgewichtige Kinder. Für die gesamte Analysegruppe ergab sich hierfür ein Odds Ratio von 1.55, 95%-KI: 1.32-1.82 (adjustiert für Alter, Geschlecht, Studienzentrum und Gewicht der Eltern). Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von unter 3.000 gr zur Welt kamen, waren hingegen signifikant seltener von Übergewicht und Adipositas betroffen (OR: 0.76, 95%-KI: 0.68-0.85).

Diskussion/Schlussfolgerungen: In den an der IDEFICS-Studie beteiligten europäischen Ländern gibt es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle hinsichtlich der relativen Häufigkeit schwerer Babys. In fast allen Ländern zeigt sich zudem, dass Neugeborene mit einem erhöhten Geburtsgewicht ein teilweise deutlich erhöhtes Risiko haben auch in späteren Jahren übergewichtig zu sein, und zwar unabhängig vom Gewicht der Eltern.