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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Schätzung der Prävalenz von Krebserkrankungen – Methodenvergleich anhand von Daten des Gemeinsamen Krebsregisters

Meeting Abstract

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  • Roland Stabenow - Gemeinsames Krebsregister der neuen Bundesländer und Berlins, Berlin

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds205

DOI: 10.3205/11gmds205, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds2051

Published: September 20, 2011

© 2011 Stabenow.
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Einleitung: Neben der Krebsinzidenz und Krebsmortalität ist die Prävalenz von Krebserkrankungen eine wichtige Kennzahl zur umfassenden Beschreibung der Krebserkrankungssituation in einer Region. Sie ist von gesundheitspolitischer Bedeutung und Grundlage für eine bedarfsgerechte Planung der medizinischen Versorgung der Patienten.

Material und Methoden: Das Gemeinsame Krebsregister (GKR) wertet aktuell Daten der Diagnosejahre 1961 bis 2008 aus. Für die Ermittlung der Krebsprävalenz nach direkter Methode ergibt sich somit eine Follow-up-Periode von 47 Jahren. Es gehen jene Personen in die Prävalenz ein, denen seit 1961 die Diagnose Krebs gestellt wurde und die am 31.12.2008 noch am Leben waren, unabhängig davon, ob inzwischen geheilt oder nicht. Bei der indirekten Methode erfolgt die Prävalenzschätzung als zusammengefasstes Maß aus Inzidenz und Überlebensraten. Der Methodenvergleich beschränkt sich auf die partielle 5- und 10-Jahres-Prävalenz, da die für die indirekte Methode benötigten Überlebensraten im GKR derzeit für maximal 10 Jahre geschätzt werden können.

Ergebnisse: Für ausgewählte Krebslokalisationen und Bundesländer werden die nach beiden Methoden ermittelten Ergebnisse zur partiellen 5- und 10-Jahres-Prävalenz verglichen. Dabei kann gezeigt werden, dass sich die methodisch bedingten Unterschiede in der Größenordnung von 1% oder darunter bewegen. Nach direkter Methode ergibt sich zum Stichtag 31.12.2008 eine Gesamtprävalenz von 680.000 Personen (290.000 Männer, 390.000 Frauen) mit Krebs im Einzugsgebiet des GKR. Das entspricht einem Anteil von 4,1% der Bevölkerung. Mögliche Fehlerquellen, die zur Unter- oder Überschätzung führen, werden diskutiert.

Diskussion: Die Schätzung der Krebsprävalenz nach direktem Verfahren ist methodisch einfacher und mit deutlich geringerem Zeitaufwand zu realisieren. Sie ist für epidemiologische Krebsregister mit hinreichend langer und vollzähliger Inzidenzerfassung und vollzähligem Mortalitäts-Follow-up die Methode der Wahl. Bei Vollzähligkeitsdefiziten in der Inzidenz und/oder dem Mortalitäts-Follow-up muss die indirekte Methode unter Verwendung von geschätzten Inzidenzen und/oder Überlebensraten aus Referenzregionen angewendet werden.