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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

RIFA Follow-up Studie: Überlebensraten und prognostische Faktoren des Aderhautmelanoms

Meeting Abstract

  • Andrea Schmidt-Pokrzywniak - Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, Medizinische Fakultät, Halle
  • Sven Kalbitz - Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, Medizinische Fakultät, Halle
  • Karl-Heinz Jöckel - Universität Duisburg-Essen, Medizinische Fakultät, Essen
  • Norbert Bornfeld - Universität Duisburg-Essen, Augenklinik, Essen
  • Andreas Stang - Universität Halle, Halle

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds204

DOI: 10.3205/11gmds204, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds2049

Published: September 20, 2011

© 2011 Schmidt-Pokrzywniak et al.
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Text

Einleitung: Das Melanom der Aderhaut ist der häufigste intraokulare Tumor des Auges im Erwachsenenalter mit einer Inzidenz ca. 8 Neuerkrankungen pro 1 Millionen Einwohner auf [1]. Zudem ist das Aderhautmelanom eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung. Circa 40-50% der betroffenen Patienten versterben in den ersten 10 Jahren nach der Diagnose. Die relative 10-Jahres-Überlebensrate betrug 59% (Männer+Frauen) [2]. Zu den klassischen klinischen prognostischen Faktoren gehören die Lokalisation, Größe des Primärtumors und der Ziliarkörperbefall. Nach McLean et al. beträgt die beobachtete 10 Jahres-Gesamtüberlebensrate bei einem Tumordurchmesser (TD) < 11mm 80% und bei einem TD >15 mm von 40% [3]. Da die Primärbehandlung der Aderhautmelanome häufig ohne Durchführung einer Biopsie mit histologischer oder molekularer Charakterisierung des Tumors erfolgt, ist die Ermittlung von prognostischen Faktoren, die nicht auf untersuchten Tumorgewebeproben basieren, von besonderem Interesse. Hierzu zählen sowohl klinische Parameter (Tumorgröße, Ziliarkörperbefall) als auch phänotypische und gynäkologische Merkmale (Augenfarbe, Geburten).

Material/Methoden: Die Follow-up Studie basiert auf einem Patientenkollektiv von 459 Aderhautmelanompatienten (216 Frauen, 243 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren (Erstdiagnose: 9/2002-9/2004). Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 58,3 Monate (4,8 Jahre). Für die Personenzeitanalyse wurde die Kaplan-Meier-Methode angewendet. Hazard Ratios (HR) wurden mit Hilfe des Cox Proportional Hazards Modells geschätzt.

Ergebnisse: Die Gesamtüberlebensrate betrug 79% und die tumorspezifische Überlebensrate 83%. In der univariaten Analyse zeigte sich, dass eine Ziliarkörperbeteiligung mit einem schlechteren tumorspezifischen Überleben als auch Gesamtüberleben assoziiert ist. Ein Tumordurchmesser von > 15mm war ebenfalls mit einem schlechteren tumorspezifischen Überleben verbunden. In der Analyse zeigte sich die Ziliarkörperbeteiligung als Prognosefaktor mit einer HR von 3,0 (95% KI: 1,9-4,7) und das extraokkuläre Wachstum sowie den Tumordurchmesser von mehr als 15mm als unabhängigen Prognosefaktor mit einem HR von 5,0 (95% KI: 1,1-22,2) und 8,3 (95% KI: 4,3-16,1). Patienten mit heller Augenfarbe zeigten ein HR von 2,5 (95% KI: 1,0-6,1) gegenüber Patienten mit dunkler Augenfarbe. Kinderlose Frauen zeigten ein 50% höheres Risiko (HR: 1,5, 95% KI: 0,6-3,8) zu versterben im Vergleich zu den Frauen, die Kinder geboren haben.

Diskussion: Unsere Untersuchungen zeigten, dass die Ziliarkörperbeteiligung und Tumordurchmesser als klinische Parameter dazu geeignet sind, ein Risikokollektiv zu definieren. Ebenso zeigt sich in unserer Studie, als auch in zwei weiteren, dass die Augenfarbe und Kinderlosigkeit bei Frauen als prognostische Faktoren relevant sind [4], [5].

Förderung: DFG (Förderkennzeichen: KFO 109/1-1), BfS (Förderkennzeichen M8811).


Literatur

1.
Virgili G, Gatta G, Ciccolallo L, et al. Incidence of uveal melanoma in Europe. Ophthalmology. 2007;114:2309-15.
2.
Bergman L, Nilsson B, Lundell G, Lundell M, Seregard S. Ruthenium brachytherapy for uveal melanoma, 1979-2003: survival and functional outcomes in the Swedish population. Ophthalmology. 2005;112(5):834-40.
3.
McLean IW, Foster WD, Zimmerman LE. Uveal melanoma: location, size, cell type, and enucleation as risk factors in metastasis. Hum Pathol. 1982;13(2):123-32.
4.
Regan S, Judge HE, Gragoudas ES, Egan KM. Iris color as a prognostic factor in ocular melanoma. Arch Ophthalmol. 1999;117(6):811-4.
5.
Egan KM, QuinnJl, Gragoudas ES. Childbearing history associated with improved survival choroidal melanoma. Arch Ophthalmol. 1988;117(7):939-42.