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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Der Einfluss von Alkoholkonsum und genetischen Polymorphismen der Alkoholdehydrogenasen ADH1B und ADH1C auf das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen in der EPIC-Potsdam Studie

Meeting Abstract

  • Dagmar Drogan - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Abteilung Epidemiologie, Nuthetal
  • Frank Andersohn - Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Berlin
  • Manuela Bergmann - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Abteilung Epidemiologie, Nuthetal
  • Edeltraut Garbe - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Abteilung Klinische Epidemiologie, Bremen
  • Heiner Boeing - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Abteilung Epidemiologie, Nuthetal
  • Cornelia Weikert - Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Abteilung Epidemiologie; Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Nuthetal

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds170

DOI: 10.3205/11gmds170, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1703

Published: September 20, 2011

© 2011 Drogan et al.
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Hintergrund: Polymorphismen in Genen der Alkoholdehydrogenasen (ADH), die die Oxidationsrate von Ethanol beeinflussen, können zum besseren Verständnis der Risikobeziehung zwischen Alkoholkonsum und kardiovaskulären Erkrankungen beitragen. Mit dieser Studie sollten daher die Assoziationen zwischen Alkoholkonsum und genetischen Varianten von ADH1B und ADH1C zum Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall vergleichend untersucht werden.

Methoden: Eingebettet in die EPIC-Potsdam Kohorte wurde eine Fall-Kohorten-Studie etabliert, die 230 inzidente Myokardinfarkt-Fälle, 208 inzidente Schlaganfall-Fälle sowie eine Zufallsstichprobe von 2.175 Teilnehmern mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 8,1±1,7 Jahren einschloss. Die Assoziation zwischen Alkoholkonsum (g/Tag zum Zeitpunkt der Rekrutierung) und genetischen Polymorphismen von ADH1B (rs1229984) und ADH1C (rs698) mit dem Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall wurde mittels Cox Proportional Hazards Regression untersucht.

Ergebnisse: Im Vergleich zu Studienteilnehmern mit einem Alkoholkonsum von >0 bis 6 g/Tag wiesen Frauen, die täglich >12g konsumierten, ein reduziertes Myokardinfarkt-Risiko auf (Hazardratio (HR)=0,3; 95% KI 0.1-1.0). Für Männer beobachteten wir ein reduziertes Myokardinfarkt-Risiko bei einem täglichen Alkoholkonsum von >24 bis 60g (HR=0,6; 95% KI 0,3-1.0) oder >60g (HR=0,3; 95% KI 0,1-0,8). Hingegen zeigte sich bei beiden Geschlechtern keine signifikante Änderung des Schlaganfall-Risikos mit zunehmendem Alkoholkonsum. Das Schlaganfall-Risiko war bei männlichen Studienteilnehmern erhöht, die zur Basisuntersuchung keinerlei Alkoholkonsum dokumentierten. Die Polymorphismen in den Genen von ADH1B und ADH1C waren nicht signifikant mit dem Risiko für Myokardinfarkt oder Schlaganfall assoziiert. So wiesen Personen mit dem ADH1B.1/1 Genotyp im Vergleich zu Personen mit ADH1B.1/2 oder ADH1B.2/2 ein Myokardinfarkt-Risiko von 1,7 (95% KI 0,9-3,5) und ein Schlaganfall-Risiko von 1,4 (96% KI 0,7-2,6) auf. Für Individuen mit dem ADH1C.2/2 Genotyp ergab sich im Vergleich zu Individuen mit dem ADH1C.1/1 Genotyp ein Myokardinfarkt-Risiko von 1,3 (95% KI 0,9-2,0) und ein Schlaganfall-Risiko von 1,2 (95% KI 0,8-1.9).

Schlussfolgerung: Die in der EPIC-Potsdam Kohorte beobachtete Risikobeziehung zwischen aktuellem Alkoholkonsum und Myokardinfarkt bzw. Schlaganfall, die mit der vieler anderer epidemiologischer Studien vergleichbar ist, ist nicht durch genetische Polymorphismen erklärbar, die für ADH-Isoenzyme mit einer geringeren katalytische Aktivität kodieren.