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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Herzinfarkt-Inzidenz und Mortalität in einer Kohorte von Spätaussiedlern in Augsburg im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung

Meeting Abstract

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  • Andreas Deckert - Institute of Public Health, Heidelberg
  • Christa Meisinger - Helmholtz Zentrum, München
  • Heiko Becher - Institute of Public Health, Heidelberg

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds156

DOI: 10.3205/11gmds156, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1561

Published: September 20, 2011

© 2011 Deckert et al.
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Einleitung/Hintergrund: Die größte Zuwanderergruppe in Deutschland nach 1990 bilden die Spätaussiedler, deren Vorfahren Deutsche waren. Aufgrund der bekannt hohen Herz-Kreislauf-Mortalitätsraten [1] in den Staaten der früheren Sowjetunion und den gleichzeitig deutlich ausgeprägten Risikoprofilen der dortigen heimischen Bevölkerung z.B. in Bezug auf Rauch- und Trinkgewohnheiten, bestand die Vermutung, dass die aus diesen Gebieten emigrierten Spätaussiedler ähnliche Mortalitätsmuster aufweisen. In ersten registerbasierten Studien in großen Kohorten im Saarland und in Nordrhein-Westfalen zeigte sich jedoch überraschenderweise eine signifikant niedrigere Herz-Kreislauf-Mortalität bei den Spätaussiedlern im Vergleich zur Deutschen Allgemeinbevölkerung [2].

Material und Methoden: In der Region Augsburg wurde bei 6.378 zwischen 1990 und 1999 eingewanderten Spätaussiedlern ein Mortalitäts-Follow-Up durchgeführt, um die Ergebnisse der früheren Studien bzgl. Gesamtmortalität, Herz-Kreislaufmortalität und Mortalität durch bestimmte Krebsarten zu verifizieren (Lost to follow up <3%). Außerdem wurden die Daten der Spätaussiedler mit dem KORA Herzinfarktregister Augsburg (Beobachtungsalter 25. bis 75. Lebensjahr) abgeglichen.

Ergebnisse: Von den 6.378 Personen (48.241 Personenjahre, beschränkt auf 25. bis 75. Lebensjahr) innerhalb des Einzugsgebietes des Herzinfarktregisters waren 5.891 Personen zwischen 1990 und 2009 im relevanten Altersbereich unter Risiko (46.117 Personenjahre). Dieser Gruppe konnten durch den Abgleich mit dem Herzinfarktregister insgesamt 99 tödliche und nicht-tödliche Erstinfarkte zugeordnet werden. Damit ergibt sich bei den männlichen Spätaussiedlern eine altersstandardisierte Herzinfarkt-Inzidenzrate von 211 und bei den Frauen von 58 pro 100.000 Personenjahren (Europäische Standardbevölkerung nach WHO-Definition).

Diskussion: Der Vergleich der Ergebnisse der Mortalitäts- und Inzidenzraten mit der Deutschen Allgemeinbevölkerung soll hier detailliert präsentiert und diskutiert werden. Abschließend wird ein Ausblick über den Aufbau einer prospektiven Aussiedler-Kohorte in Augsburg gegeben. Mit dieser sollen die Lebensstile und weitere Einflussgrößen auf die Entstehung von Krankheiten in dieser Migrantengruppe genauer untersucht werden.


Literatur

1.
Deckert A, Winkler V, Paltiel A, Razum O, Becher H. Time trends in cardiovascular disease mortality in Russia and Germany from 1980 to 2007 – are there migration effects? BMC Public Health. 2010;10:488.–
2.
Becher H, Razum O, Kyobutungi C, Laki J, Ott JJ, Ronellenfitsch U, et al. Mortalität von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion: Ergebnisse einer Kohortenstudie. Dtsch Ärztebl. 2007;104(23):A1655-61.