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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Die Erreichbarkeit von Gesundheitssportangeboten für Zuwanderer in das Flächenland Mecklenburg-Vorpommern: Eine geografische Analyse

Meeting Abstract

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  • Annika Gottschling - Universität Greifswald, Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Claudia Berlin - Universität Greifswald, Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Wolfgang Hoffmann - Universität Greifswald, Institut für Community Medicine, Greifswald

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds147

DOI: 10.3205/11gmds147, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1476

Published: September 20, 2011

© 2011 Gottschling et al.
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Einleitung: Mecklenburg-Vorpommern (M-V) sieht sich bereits jetzt mit den Herausforderungen des demografischen Wandels konfrontiert. Die Abnahme und Alterung der Bevölkerung, eine hohe Prävalenz von Risikofaktoren und zunehmender Ärztemangel verlangen nach interdisziplinären Strukturen in der Gesundheitsversorgung. Flächendeckende Sport- und Bewegungsangebote mit einer gesundheitsorientierten Ausrichtung stellen dabei eine wichtige salutogene Ressource dar.

In einer bereits abgeschlossenen Studie wurde die Gruppe von zugezogenen Einwohnern ab 55 Jahren analysiert [1]. Für diese Bevölkerungsgruppe liegen detaillierte Erkenntnisse über deren Erwartungen an Sport- und Bewegungsangebote vor. Inwieweit diese in M-V Berücksichtigung finden und welche Entfernungen für die Inanspruchnahme qualitativ hochwertiger Gesundheitssportangebote zurückgelegt werden müssen, wurde hier analysiert. Die Ergebnisse liefern einen Überblick über die geografische Verteilung von Gesundheitssportangeboten und deren Erreichbarkeit.

Methoden: Zunächst wurden relevante Sporteinrichtungen anhand eines standardisierten Fragebogens hinsichtlich der Gesundheitsorientierung ihrer Angebote analysiert. Der Fragebogen orientierte sich an den Kriterien des Qualitätssiegels SPORT PRO GESUNDHEIT [2]. Die geografische Darstellung und Analyse erfolgte mittels der Software ArcGIS 9. Die Referenzdaten der Gesundheitssportanbieter wurden geokodiert und kartografisch visualisiert. Die Wegstrecken sowie der Zeitaufwand bei Benutzung eines PKW wurden zwischen den Gesundheitssportanbietern und den ebenfalls geokodierten Zuwanderern auf Basis routingfähiger Straßendaten berechnet.

Ergebnisse: Von n=891 angeschriebenen Sportanbietern lagen n=262 Anworten (Response: 31,0%) vor, n=238 (Sportvereine: n=181; kommerzielle Anbieter: n=36; Rehabilitationskliniken: n=21) wurden in die Analyse einbezogen. Von n=1.340 Zuwanderer können 1.090 (81,3%) mindestens ein Gesundheitssportangebot im Umkreis von 15 km erreichen. Die durchschnittliche Wegstrecke, die dabei zurückgelegt werden muss, liegt bei durchschnittlich 4,1 km (SD 4,1 km) und einer durchschnittlichen Fahrtzeit von 5,6 min (SD 5,5 min). Je nach Region können sich diese Werte erheblich unterscheiden und liegen minimal bei 0,1 km bis hin zu einem Maximum von 15,0 km. Entsprechend kann die Fahrtzeit bis zu 60,6 min in Anspruch nehmen. Da davon ausgegangen werden muss, dass das nächstgelegene nicht zwangsläufig das gewünschte Gesundheitssportangebot darstellt, wurde untersucht, welche Entfernungen zurückgelegt werden müssen, um bis zu drei Bewegungsangebote zu erreichen. Bei Zugrundelegung der dritten Angebotsoption, muss bereits eine durchschnittliche Wegstrecke von durchschnittlich 12,6 km (SD 8,9 km) zurückgelegt werden. Hier werden Entfernungen von bis zu 48,1 km und 124,0 min Fahrtzeit erreicht.

Diskussion: Insgesamt variieren die Ergebnisse zu Entfernung und Fahrtzeit stark, was dadurch bedingt ist, dass einerseits in städtischen Gebieten eine hohe Anzahl an gut erreichbaren Gesundheitssportangeboten vorhanden ist, hingegen in ländlichen Regionen große Wegstrecken zurückgelegt werden müssen. Die Analyse bietet Anhaltspunkte dafür, in welchen Regionen ein Bedarfspotential für zusätzliche Gesundheitssportangebote besteht.


Literatur

1.
Krafczyk J, Hoffmann W. Zuwanderungsland M-V! Motive, Wünsche und Erwartungen von Zuwanderern und Rückkehrern über 55 Jahre. Abschlussbericht; 2007.
2.
Deutscher Olympischer Sportbund, Hrsg. Qualitätsmanagement Handbuch SPORT PRO GESUNDHEIT. Frankfurt am Main: DOSB; 2006.