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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Nichtvergleichende randomisierte Phase II Studien in der Onkologie

Meeting Abstract

  • Andreas Wienke - Universität Halle, Halle
  • Juliane Parsche - Universität Halle, Halle
  • Jakob Leicht - Universität Halle, Halle
  • Christine Lautenschläger - Universität Halle, Halle

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds051

DOI: 10.3205/11gmds051, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds0512

Published: September 20, 2011

© 2011 Wienke et al.
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Das Design für onkologische Studien ist oft eine Herausforderung, da die aus biometrischer Sicht wünschenswerten Fallzahlen insbesondere bei seltenen Tumoren nur schwer zu erreichen sind. Deshalb ist bei Phase II Studien ein einarmiges Design mit Vergleich zum Normwert (historische Kontrolle) eine häufig genutzte Methode. Inzwischen gibt es aber eine weitreichende Palette an zweiarmigen randomisierten Designs, die ebenfalls mit relativ geringen Fallzahlen auskommen. Allerdings zeigt es sich in der Praxis, dass solche Designs bei der Fallzahlplanung auch benutzt werden um die Fallzahl gering zu halten, jedoch bei der Auswertung die an das Design geknüpften Einschränkungen nicht mehr beachtet werden.

Dies soll am Beispiel von sogenannten nichtvergleichenden randomisierten Phase II Studien in der Onkologie [1] illustriert werden. In diesem eigentlich einarmigen Design wird parallel zum Behandlungsarm ein Referenzarm randomisiert. Aufgrund der geringen Fallzahl kann jedoch der Behandlungsarm nicht mit dem Referenzarm verglichen werden, sondern lediglich mit der historischen Kontrolle. Der Referenzarm dient in diesem Design lediglich dem Vergleich mit der historischen Kontrolle. Es soll sichergestellt werden, dass die aktuelle Studienpopulation mit der Studienpopulation der historischen Kontrolle vergleichbar ist.

Die Auswertung solcher Studien wirft erhebliche Probleme auf. Im einfachsten Fall zeigen der Referenzarm und die historische Kontrolle ähnliche Ergebnisse, was dem Vergleich des Behandlungsarms mit der historischen Kontrolle zusätzliche Evidenz gibt. Problematisch ist allerdings schon die Frage, in welchem Bereich die Ergebnisse aus Referenzarm und historischer Kontrolle als ähnlich anzusehen sind, da es hierfür keinerlei Entscheidungsregel gibt. Schwierig wird eine Interpretation der Ergebnisse, wenn es einen deutlichen Unterschied zwischen Referenzarm und historischer Kontrolle gibt. Ist der Referenzarm deutlich schlechter als die historische Kontrolle, so kann man davon ausgehen, das der Behandlungseffekt beim Vergleich zwischen Behandlungsarm und historischer Kontrolle eher unterschätzt wird und man daher bei der Auswertung auf der sicheren Seite ist. Schneidet jedoch die Referenzgruppe deutlich besser ab als die historische Kontrolle macht ein Vergleich mit der historischen Kontrolle kaum noch Sinn.

Hinzu kommt, dass es zahlreiche Beispiele aus der Literatur gibt, in denen unter Verwendung des nichtvergleichenden randomisierten Designs von Herson und Carter [1] letztendlich doch die Behandlungsgruppe und Referenzgruppe konfirmatorisch miteinander verglichen werden, wofür die Studien jedoch keine ausreichende Power besitzen. Grundlage für den Vortrag ist ein systematischer Review über alle randomisierten Phase II Studien in der Onkologie in den Jahren 1998-2010 in Pubmed.


Literatur

1.
Herson J, Carter SK. Calibrated phase II clinical trials in oncology. Statistics in Medicine. 1986;5:441-447.
2.
Rubinstein L, Crowley J, Ivy P, LeBlanc M, Sargent D. Randomized Phase II Designs. Clinical Cancer Research. 2009;15:1883-1890.