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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Individuelle Gesundheitsleistungen im deutschen Gesundheitswesen. Ein HTA-Bericht

Meeting Abstract

  • Theresa Hunger - UMIT – University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. Tirol
  • Petra Schnell-Inderst - UMIT – University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. Tirol
  • Katharina Hintringer - UMIT – University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. Tirol
  • Ruth Schwarzer - UMIT – University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. Tirol
  • Vanadin Seifert-Klauss - TU München, München
  • Holger Gothe - UMIT – University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. Tirol
  • Jürgen Wasem - Universität Duisburg-Essen, Essen
  • Uwe Siebert - UMIT – University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, Hall i. Tirol

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds015

DOI: 10.3205/11gmds015, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds0154

Published: September 20, 2011

© 2011 Hunger et al.
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Einleitung/Hintergrund: Die Deutsche Agentur für Health Technology Assessment beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) beauftragte diesen Health Technology Assessment (HTA)-Bericht zu Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Die deutsche gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erstattet alle medizinischen Leistungen, die ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht übersteigen. Bei IGeL handelt es sich um ärztliche Leistungen, die generell oder im Einzelfall nicht der Leistungspflicht der GKV unterliegen, aus ärztlicher Sicht notwendig oder empfehlenswert, zumindest aber vertretbar sind und von Patienten ausdrücklich gewünscht werden. Folgende Fragen wurden bezüglich IGeL für GKV-Versicherte im ambulanten Bereich untersucht:

  • Welche empirischen Daten gibt es zu Angebot, Inanspruchnahme, Praxis, Akzeptanz, Arzt-Patient-Verhältnis und ökonomischer Bedeutung von IGeL?
  • Welche, ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekte sind mit IGeL verbunden?

Material und Methoden: Zu den Forschungsfragen wurde ein systematischer Review empirischer Primärstudien zu IGeL sowie von Publikationen mit Essays, Überblicksartikeln und Einzelfragen zur Exploration ethischer, sozialer und rechtlicher Aspekten erstellt. Die Literaturrecherche wurde in den Datenbanken des DIMDI durchgeführt und durch eine Internetrecherche ergänzt. Die Referenzen wurden anhand von vorab festgelegten Kriterien von zwei Autoren unabhängig voneinander geprüft und in die Informationssynthese ein- oder ausgeschlossen. Die Studienqualität wurde standardisiert erhoben und die Ergebnisse in Übersichtstabellen zusammengefasst.

Ergebnisse: Von 1.345 Referenzen wurden 571 Texte im Volltext geprüft und 66 eingeschlossen. Davon waren 31 Publikationen zu 29 empirischen Primärstudien zu IGeL und 35 Publikationen, die zur Untersuchung ethischer, rechtlicher und sozialer Aspekte herangezogen wurden. Zwischen 19 % und 53 % der Versicherten wurden vom Arzt IGeL angeboten, wovon dreiviertel auch durchgeführt wurden. 16 % bis 19 % der Versicherten haben selbst IGeL nachgefragt. Die Augeninnendruckmessung ist die häufigste IGeL und macht bis zu 40 % der Angebote aus. Es folgen Ultraschalluntersuchungen, mit bis zu 25 % der Angebote. Weiter sind Krebsfrüherkennungsuntersuchungen und Blut- und Laboruntersuchungen häufige Angebote und machen einen Großteil der Nachfrage aus. Die ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekte, die im Zusammenhang mit IGeL diskutiert werden, betreffen souveräne Patientenentscheidung versus Angebotsinduktion, Kommerzialisierung der Medizin, Aufklärungs- und Informationspflicht, Nutzen und Evidenz, (Qualitäts-) Kontrolle, Rollen und Verhältnis von Arzt und Patient, Verhältnis zum GKV-System, soziale Ungleichheit und korrekte Leistungserbringung. Es werden konkrete Forderungen zu Aufklärung und Beratung, (Qualitäts-) Kontrolle, GKV-Leistungskatalog und finanziellen Belangen geäußert.

Diskussion/Schlussfolgerungen: IGeL werden von vielen Versicherten in Anspruch genommen. Um mehr Transparenz herzustellen, sollte den Forderungen nach evidenzbasierten, unabhängigen Patienteninformationen entsprochen werden. Sie sind außerdem Teil der allgemeinen Diskussion um die Ausgestaltung und Weiterentwicklung des Gesundheitssystems.