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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Notfallmedizin - Medizin für eine alternde Gesellschaft. Epidemiologische Studie zum Kontext von Notarzteinsätzen bei alten Menschen

Meeting Abstract

  • Stephan Prückner - Institut für Anästhesiologie und Notfallmedizin, Westpfalz-Klinikum GmbH, Kaiserslautern
  • Martin Becker - Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE), Kaiserslautern
  • Holger Storf - Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE), Kaiserslautern
  • Christian Madler - Institut für Anästhesiologie und Notfallmedizin, Westpfalz-Klinikum GmbH, Kaiserslautern

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds248

DOI: 10.3205/09gmds248, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds2483

Published: September 2, 2009

© 2009 Prückner et al.
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Text

Fragestellung: Als Folge der demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen wird der Rettungsdienst immer häufiger zu geriatrischen Notfällen gerufen [1]. Die Prognose dieser Patienten wird nicht nur von medizinischen, sondern wesentlich auch von sozialen Faktoren bestimmt. Trotz der quantitativen Bedeutung dieser Einsätze ist zu deren Epidemiologie und sozialem Kontext wenig bekannt.

Methodik: Im Rahmen des EU-Projekts EMERGE wurden in einer prospektiven Untersuchung Notarzteinsätze am Standort Westpfalzklinikum über einen Zeitraum von 4 Monaten analysiert. Mit einem von den Notärzten auszufüllenden Fragebogen wurden 30 Items zur sozialen Situation und den Auffindeumständen erfasst.

Ergebnisse: Im Untersuchungszeitraum konnten 1077 Einsatzprotokolle ausgewertet werden. 51% der Patienten waren über 65 Jahre alt. In dieser Gruppe fand der überwiegende Teil der Notfälle zuhause statt (71% vs. 47%), wobei der Anteil der Alleinlebenden 23% vs. 17% betrug. Bei den häuslichen Notfällen kam es in 17% vs. 10% der Fälle zu einer Verzögerung der Alarmierung von über einer Stunde, bei Sturzereignissen in der Wohnung fällt das Ergebnis mit 38% vs. 0% noch deutlicher aus. Außerdem zeigte sich eine im Alter höhere Erkrankungsschwere (NACA-Score). Die Alarmierung erfolgte in nur 2% vs. 1% der Fälle über ein Hausnotrufsystem. In etwa einem Drittel der Fälle (31% vs. 27%) wurde der Einsatz vom Notarzt als nicht indiziert eingestuft.

Interpretation: Soziale Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei Notfallsituationen des älteren Menschen. Der konventionelle Hausnotruf hat bei Notarzteinsätzen wenig Relevanz in der Alarmierungskette. Die große Anzahl verzögerter Alarmierungen bei insgesamt höherer Erkrankungsschwere bei alten Menschen und viele nicht indizierte Einsätze legen nahe, dass eine intelligente Unterstützung bei der Notfallerkennung und –alarmierung z.B. im Rahmen einer Ambient Assited Living Umgebung die Situation für die Patienten und die Dispositionsqualität verbessern kann [2].


Literatur

1.
Prueckner, Madler. Der demographische Wandel. Notfall und Rettungsmedizin. 2009;12:13-18.
2.
Nehmer J. Elektronische Notfallüberwachung für Alleinlebende. Notfall und Rettungsmedizin. 2009;12:19-2.