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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von hochdosierten Vitamin E-Präparaten und einer erhöhten Mortalität? Widersprüchliche Ergebnisse verschiedener methodischer Ansätze einer Meta-Analyse

Meeting Abstract

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  • Joachim Gerß - Universität Münster, Münster
  • Wolfgang Köpcke - Universität Münster, Münster

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds154

DOI: 10.3205/09gmds154, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds1541

Published: September 2, 2009

© 2009 Gerß et al.
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Einleitung: Vitamin E ist bekannt, positive Eigenschaften bei der Prävention verschiedener Herz-Kreislauf-, Entzündungs- und Krebserkrankungen zu haben. Abgesehen davon besteht seit jüngerer Zeit die Vermutung, dass insbesondere hochdosiertes Vitamin E möglicherweise in Zusammenhang mit einer erhöhten Mortalität steht [1]. Diese Frage soll anhand einer Meta-Analyse geklärt werden.

Material und Methoden: Als Datengrundlage dienen die publizierten Ergebnisse von 29 klinischen Studien, die die Angaben von insgesamt 138462 Studienteilnehmern beinhalten [2].

Zur statistischen Auswertung bieten sich verschiedene methodische Ansätze an [3]. Eine klassische Meta-Analyse [4] erfolgt auf der Basis eines Modells mit zufälligen Effekten mit dem Odds Ratio als studienspezifischem Effektschätzer. Bezieht man Kovariablen wie demografische Patientencharakteristika sowie die Dosis der Vitaminbehandlung ins Modell ein [5], so kann der Frage nachgegangen werden, ob sich eine Dosis-Wirkungsbeziehung hinsichtlich der Mortalität nachweisen lässt [6].

Neben dem klassischen Verfahren bietet sich ein alternativer Ansatz an, in dem die Wahrscheinlichkeit des Zielereignisses in der Vitamin E- und Kontrollgruppe jeder Studie getrennt voneinander modelliert wird (hierarchische logistische Regression). Das Modell kann entweder mit einem frequentistischen (Restricted) Maximum Likelihood-Verfahren angepasst werden oder im Rahmen eines Bayes-Ansatzes mit MCMC-Verfahren (Markoff Chain Monte Carlo [7]).

Ergebnisse: Die Anwendung der verschiedenen Modelle liefert widersprüchliche Ergebnisse [2]. Im klassischen Ansatz erweist sich ein scheinbarer Effekt der Vitamin E-Behandlung auf die Mortalität als Fehlschluss. Statt der Einnahme des Vitamins lässt sich die erhöhte Mortalität durch den größeren Anteil männlicher Patienten in einigen Studien erklären.

Im hierarchischen logistischen Regressionsmodell dagegen bestätigt sich ein Zusammenhang zwischen der Vitaminbehandlung und der Mortalität auch unter Berücksichtigung möglicher Confounder.

Schlussfolgerung: Die Frage nach einem möglichen Zusammenhang der Einnahme von (hochdosiertem) Vitamin E und einer erhöhten Mortalität lässt sich nicht abschließend klären. Trotz widersprüchlicher Ergebnisse scheint allerdings sicher zu sein, dass die mögliche Auswirkung auf die Mortalität – wenn sie überhaupt existiert – äußerst schwach ausgeprägt ist und im Vergleich zu anderen epidemiologischen Risikofaktoren als nahezu vernachlässigbar angesehen werden kann.


Literatur

1.
Miller ER, Pastor-Barriuso R, Dalal D, Riemersma RA, Appel LJ, Guallar E. Meta-Analysis: High-Dosage Vitamin E Supplementation May Increase All-Cause Mortality. Ann Intern Med. 2005;142:37-46.
2.
Gerß J, Köpcke W. The questionalbe association of vitamin E supplementation and mortality - inconsistent results of different meta-analytic approaches. Cellular and Molecular Biology. 2009;55:OL1111-OL1120.
3.
Schulze R. Meta-Analysis: a comparison of approaches. Göttingen: Hogrefe & Huber; 2004.
4.
Normand S-LT. Meta-analysis: formulating, evaluating, combining, and reporting. Statistics in Medicine. 1999;18(3):321-359.
5.
van Houwelingen HC, Arends LR, Stijnen T. Advanced methods in meta-analysis: multivariate approach and meta regression. Statistics in Medicine. 2002;21:589-624.
6.
Greenland S. Dose-response and trend analysis in epidemiology: alternatives to categorical analysis. Epidemiology. 1995;6:356-365.
7.
Lunn DJ, Thomas A, Best N, and Spiegelhalter D. WinBUGS - a Bayesian modelling framework: concepts, structure, and extensibility. Statistics and Computing. 2000;10:325-337.
8.
Raudenbush SW, Bryk AS. Hierarchical Linear Models: Applications and Data Analysis Methods. 2nd ed. Newbury Park, CA: Sage Publications; 2002.