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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Kosteneffizienz und Kosteneffektivität der Knie-Totalendoprothetik vor und nach Einführung eines Klinischen Behandlungspfades

Meeting Abstract

  • Frank Krummenauer - Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Witten
  • Claudia Wolf - Bereich Klinische Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Dresden
  • Klaus-Peter Günther - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Dresden
  • Stephan Kirschner - Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Dresden

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds061

DOI: 10.3205/09gmds061, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds0610

Published: September 2, 2009

© 2009 Krummenauer et al.
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Text

Einleitung und Fragestellung: Die Einführung Klinischer Behandlungspfade [1] stellt vor allem für „häufig“ durchzuführende Eingriffe eine lukrative Investition dar: Durch Optimierung von Prozessen kann eine Senkung der Prozesskosten bei gleich bleibender Prozess- und Ergebnisqualität der Versorgung erwartet werden. Um dies für die Einführung eines Behandlungspfades „Knie-Totalendoprothetik“ [2] zu quantifizieren, wurde eine sequentielle Kohortenstudie implementiert.

Material und Methoden: Im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie wurden vor Einführung eines Klinischen Pfades „Knie-Totalendoprothetik“ für 132 Patienten (64% Frauen, medianes Alter 68 Jahre) vor und drei Monate nach dem Eingriff der WOMAC Arthrose-Index sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität (EQ-5D) bestimmt. Nach Einführung des Pfades wurden für eine zweite Kohorte von 128 Patienten (56% Frauen, medianes Alter 69 Jahre) die gleichen Angaben erhoben. Für beide Kohorten wurden vordefinierte Teilprozess-Kosten dokumentiert. Zur Schätzung der Kosteneffektivität des Versorgungsprozesses aus Sicht der Leistungserbringer wurde die Änderung der Teilprozess-Kostensumme [€] nach gegenüber vor Pfad-Einführung dem entsprechenden Kohortenunterschied im WOMAC-Index [%] als Kosten-normierter Effekt [% pro 1000 € Investition] gegenüber gestellt.

Ergebnisse: Im Median ergab sich für die Kohorte vor Einführung des Klinischen Pfades eine Teilprozess-Kostensumme von 4.303 € (Quartilspanne 4.130 – 4.660 €), für die Kohorte nach Einführung des Pfades von 4.194 € (4.039 – 4.429 €). Die mediane Kostensenkung um 109 € pro Eingriff war statistisch signifikant (Wilcoxon p=0.002), ferner wurde die Streubreite der Prozesskosten reduziert (Quartilspannen von 530 € vor Pfad-Einführung versus 390 € danach). Gleichzeitig zeigten die beiden Kohorten mediane Anstiege des globalen WOMAC-Index von 39% (27 – 48%) vor versus 35% (24 – 45%) nach Pfad-Einführung (Wilcoxon p=0.120), entsprechend nicht signifikant verschiedenen Kosteneffektivitäten von im Median 9% WOMAC-Anstieg pro 1000 € vor Einführung des Pfades gegenüber 8% pro 1000 € danach (Wilcoxon p=0.321).

Diskussion: Die Einführung eines multidisziplinären Klinischen Behandlungspfades „Knie-Endoprothetik“ hat eine statistisch signifikante Steigerung der (Teilprozess-) Kosteneffizienz gezeigt bei sich nicht statistisch signifikant änderndem Patienten-bezogenen Ergebnis der Versorgung.


Literatur

1.
Brunenberg DE, vanSteyn MJ, Sluimer JC, Bekebrede LL, Bulstra SK, Joore MA. Joint recovery programme versus usual care – an economic evaluation of a clinical pathway for joint replacement surgery. Med Care 2005; 43: 1018-26.
2.
Ho DM, Huo MH. Are critical pathways and impnt standardisation programs effective in reducing costs in total knee replacement operations? J Am Coll Surg 2007; 205: 97-100