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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Sind die Überlebensraten des Tumorregister Tirol gebiast?

Meeting Abstract

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  • Willi Oberaigner - Institut f. klin. Epidemiologie der TILAK, Innsbruck
  • Uwe Siebert - Department für Public Health, Informationssysteme und HTA, UMIT, Hall in Tirol

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds046

DOI: 10.3205/09gmds046, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds0464

Published: September 2, 2009

© 2009 Oberaigner et al.
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Hintergrund: Nach der ersten Publikation von Überlebensraten für Tirol im Rahmen der EUROCARE-Studien [1], [2] wurden Zweifel geäußert, ob die Überlebensraten für Tirol verzerrt sind. Daher haben wir systematisch möglich Selektions- und Informationsfehler untersucht.

Material und Methoden: Mögliche Fehler in der Vollständigkeit der Inzidenzdaten wurden durch semi-quantitative und quantitative Methoden untersucht [3], [4]. Auch wurden die Inzidenzraten mit benachbarten Ländern verglichen, deren Daten in Cancer Incidence in Five Continents publiziert wurden. Ein möglicher Bias bei der Erhebung des Todesstatus der Patienten wurde in einer Untermenge von 3153 Krebsfällen untersucht, die so definiert wurde, dass ungünstige Überlebensraten zu erwarten sind. Der Todesstatus aller Patienten in dieser Untermenge, die am Stichtag noch am Leben waren, wurde durch Telefonanrufe und ähnliche Methoden individuell überprüft. Außerdem wurde für die Menge der noch lebenden Patienten auch das Datum der Diagnosesicherung an Hand von Informationen der Krankengeschichte überprüft.

Ergebnisse: Die untersuchten Indikatoren zur Vollständigkeit zeigten keine größeren Abweichungen mit Ausnahme der Ovarialkarzinome. Bei den Ovarialkarzinomen wurden in 1990er Jahren die Borderline-Karzinome zum Teil falsch codiert. Beobachtete Unterschiede in der Inzidenz von Prostatakarzinomen und Harnblasenkarzinomen entsprechen der Realität und lassen sich durch PSA-Untersuchungen und pathologische Diagnosegewohnheiten erklären. Bei der Überprüfung des Überlebensstatus von 295 noch lebenden Patienten der Untermenge der 3153 Krebsfällen wurden drei Fälle als tatsächlich verstorben klassifiziert und 27 Fälle als Emigranten. Der Einfluss auf die Überlebensraten ist minimal.

Schlussfolgerung: Die Analyse von möglichen Selektions- und Informationsfehlern zeigte, dass die publizierten Überlebensraten nur minimal verzerrt sind. Allerdings besteht derzeit kein Zugriff auf Informationen über Emigranten; dieses Problem ist für die Zukunft unbedingt zu lösen.


Literatur

1.
Berrino F, Angelis R, Sant M, Rosso S, Bielska Lasota M, Coebergh JW, et al. Survival for eight major cancers and all cancers combined for European adults diagnosed in 1995–99: results of the EUROCARE-4 study. Lancet Oncol. 2007;8(9):773-783.
2.
Verdecchia V, Francisci S, Brenner H, Gatta G, Micheli A, Mangone L, et al. Recent cancer survival in Europe: a 2000–02 period analysis of EUROCARE-4 data. Lancet Oncol. 2007;8(9):784-796.
3.
Bray F, Parkin DM. Evaluation of data quality in the cancer registry: principles and methods. Part I: comparability, validity and timeliness. Eur J Cancer. 2009;45(5):747-55. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.ejca.2008.11.032 External link
4.
Parkin DM, Bray F. Evaluation of data quality in the cancer registry: principles and methods Part II. Completeness. Eur J Cancer. 2009;45(5):756-64. DOI: 10.1016/j.ejca.2008.11.0334 External link