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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Sind 8 Stunden Nüchternzeit zur Bestimmung von Blutglukose als Risikofaktor in epidemiologischen Studien notwendig? Eine Untersuchung zum Einfluss der Dauer der letzten Kalorienaufnahme auf Blutglukosekonzentrationen

Meeting Abstract

  • Laura Göres - IMIBE Essen, Essen
  • Christian Lösch - IMIBE Essen, Essen
  • Jens Ulrich Hanisch - Bayer Health Care, Bayer Vital GmbH, Leverkusen
  • Karl-Heinz Jöckel - IMIBE Essen, Essen
  • Susanne Moebus - IMIBE Essen, Essen

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds022

DOI: 10.3205/09gmds022, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds0223

Published: September 2, 2009

© 2009 Göres et al.
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Hintergrund: Evidenz-basierte Vorgaben für eine 8-stündige Nahrungskarenz zur reliablen Messung von Blutglukose als Risikofaktor in epidemiologischen Studien fehlen. Die Notwendigkeit der Nüchtern-Bestimmung (≥8h) erschwert in epidemiologischen Studien die Logistik und beeinflusst die Teilnahmebereitschaft. Zudem ist der Nüchternstatus nicht objektivierbar. Durch die Analyse der Verteilung der Blutglukosekonzentration (BG) in Bezug auf den Zeitpunkt der letzten Kalorienaufnahme soll hier die minimale Zeitdauer ermittelt werden, ab der sich Nüchtern- und Nichtnüchtern-BG nicht mehr unterscheiden.

Material und Methoden: Im Oktober 2005 wurden deutschlandweit 35.869 Studienteilnehmer (61,1% Frauen, Altersrange 18-99) in 1.511 zufällig ausgewählten Allgemeinarztpraxen eingeschlossenen. BG wurde in einem Zentrallabor gemessen. Die Studienteilnehmer wurden nach Art/Uhrzeit der letzten Mahlzeit/Getränks vor Blutentnahme befragt. Die Verteilung der BG wurde unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren (Alter, Geschlecht, Tageszeit der Blutabnahme, BMI, Rauchen, Sport, Blutdruck, Alkohol, ß-Blockereinnahme) in Abhängigkeit der letzten Kalorienaufnahme bestimmt.

Ergebnisse: In die Analyse wurden n=25.535 Studienteilnehmer ohne bekannten Diabetes und ohne fehlende Daten zu Hauptvariablen eingeschlossen. Mit zunehmendem Alter sank die mittlere Dauer der Nahrungskarenz deutlich. Bereits 4h nach der letzten Kalorienaufnahme unterscheiden sich die altersadjustierten Mittelwerte der BG bei den Männern (91,3mg/dL [95%-KI: 90,3;92,3]) bzw. 3h bei den Frauen (87,2[86,7;87,8]) nicht mehr von denen mit einem Nüchternstatus ≥8h (92,8 [92,1;93,5] bzw. 88,6[88,1;89,0]), dies ist besonders deutlich bei jüngeren Studienteilnehmern (<36 Jahre). Die Kovarianzanalyse zeigt bei den Männern altersadjustiert eine Differenz zur Nüchtern-BG von <1h: 6,7mg/dL (95%-KI: 3,5;9,9), 1h:5,7 (4,5;6,9), 2h: 2,3 (1,3;3,4) und 3h:-1,5 (-2,7;-0,3), bei den Frauen <1h: 4,5mg/dL (2,7;6,3), 1h:3,8 (3,1;4,6), 2h: 0,5 (-0,2;1,1) und 3h:-1,3 (-2,1;-0,6). Unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren ändern sich diese Ergebnisse nicht wesentlich.

Diskussion/Schlussfolgerung: Eine Kalorienaufnahme scheint bereits nach 3-4 Stunden keinen Einfluss mehr auf die mittlere BG zu haben. Die Festlegung von Mindest-Nüchternzeiten ≥4h bei der Bestimmung des Risikofaktors BG in epidemiologischen Studien sollte anhand dieser Ergebnisse in Betracht gezogen und in weiteren epidemiologischen Studien validiert werden.