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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

05.10. - 08.10.2011, München

Die mündliche Prüfung ist tot. Es lebe die mündliche Prüfung

Poster

  • corresponding author presenting/speaker Sabine Löffler - Universität Leipzig, Institut für Anatomie, Leipzig, Deutschland
  • author Christine Feja - Universität Leipzig, Institut für Anatomie, Leipzig, Deutschland
  • author Matthias Henze - Universität Leipzig, Referat Lehre, Leipzig, Deutschland
  • author Thomas Schröder - Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychatrie und Psychotherapie, Leipzig, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). München, 05.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gma174

DOI: 10.3205/11gma174, URN: urn:nbn:de:0183-11gma1745

Published: September 26, 2011

© 2011 Löffler et al.
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Text

Fragestellung:

  • Wie schätzen die Studierenden die Prüfung am anatomischen Präparat in einer Gruppe von ca. 20 Personen im Vergleich zu einer Kleingruppe von ca. 4 Personen ein?
  • Möchten Sie lieber immer vom gleichen Prüfer oder im Rotationsprinzip examiniert werden?
  • Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Methoden, und wie werden sie von den Studierenden wahrgenommen? Welche Aussagen lassen sich zu mündlichen Prüfungen im Allgemeinen ableiten?

Methoden: Ein Wechsel im Prüfungsmodus bot die ideale Voraussetzung, durch eine institutsinterne Befragung (12 Fragen, davon zwei mit freien Antwortmöglichkeiten) Studierende der Humanmedizin zweier aufeinanderfolgender Studienjahre hinsichtlich ihrer Erfahrungen im Sommersemester 2009 (alter Modus: Großgruppen, Rotationsprinzip) und im Sommersemester 2010 (neuer Modus: Kleingruppen, gleicher Prüfer) zu vergleichen. Die Gesamtanzahl der Studierenden betrug während der ersten Befragung 323, während der zweiten 322. Die Rücklaufquoten für die Fragebögen lagen bei 88% bzw. 91%.

Ergebnisse: Während 78% der Studierenden des Sommersemesters 2009 das Rotationsprinzip favorisierten, waren es 2010 nur noch 21%. Nun wollte über die Hälfte am liebsten beim Tischassistenten geprüft werden, auf den sie sich im Verlauf des Präparierkurses eingestellt hatte. In beiden Studienjahren wollte die überwiegende Mehrheit der Studierenden in kleinen Gruppen geprüft werden, weil etwa die Hälfte das Prüfen vor der gesamten Gruppe als „unangenehm“ empfunden hatte, während nur etwa 30% einen Vorteil für die Vorbereitung des ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung durch Konfrontation mit dem gesamten Fragenspektrum sahen. Zwischen 70 und 90% empfanden, dass ihnen das Prüfungsergebnis klar kommuniziert wurde und konnten im Falle des Nichtbestehens die Entscheidung des jeweiligen Prüfers (N=11) nachvollziehen, der sich zwischen 80 und 90% an die vorgegebenen Lernziele gehalten hatte. Die freien Kommentare gaben Einblick in die Ansichten der Studierenden z.B. hinsichtlich des Stoffumfangs, des Kursablaufs und zur Betreuungssituation durch die Tischassistenten, und sie unterstrichen die Bedeutung des Präparierkurses im Kanon der vorklinischen Ausbildung.

Schlussfolgerung: Die Studierenden waren im Wesentlichen mit der Prüfungsform zufrieden, die sie selbst kennen gelernt hatten. Nicht die Prüfungsform war in erster Linie entscheidend, sondern Transparenz und Fairness den Studierenden gegenüber. Mündliche Prüfungen lassen Interaktionen zwischen Lehrenden und Lernenden zu, die bei schriftlichen Examina nicht möglich sind, und trainieren die verbale Ausdrucksfähigkeit zukünftiger Ärzte. Mündliche Prüfungen sind wichtig, wenn sie mit Blick auf evidenzbasiertes Lehren und Prüfungen durchgeführt werden [1], [2], [3].


Literatur

1.
Pearse G, Lee G. Vice voce (oral examination) as an assessment method. J Marketing Educ. 2009; 31(2):120-130. DOI: 10.1177/0273475309334050 External link
2.
Hottinger U, Krebs R, Hofer R, Feller S, Bloch R. Strukturierte mündliche Prüfung für die ärztliche Abschlußprüfung. SMP-Pilotprojekt AAE/IML. Bern: Universität Bern; 2004.
3.
Schneider K. Mündliche Prüfungen - eine Herausforderung für Lehrende und Lernende. Unterricht Pflege. 2008;13(2):4-9.