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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

05.10. - 08.10.2011, München

Studierende in der Patientenrolle: Wie verändert dies die Wahrnehmung der Bedürfnisse bei Erhalten einer schlechten Nachricht? – Evaluationsergebnisse eines Gesprächsführungskurses im Regelstudiengang an der Charité Universitätsmedizin Berlin

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  • corresponding author Max Hartog - Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
  • author presenting/speaker Peter Arends - Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
  • author Ulrike Sonntag - Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). München, 05.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gma149

DOI: 10.3205/11gma149, URN: urn:nbn:de:0183-11gma1495

Published: September 26, 2011

© 2011 Hartog et al.
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Fragestellung: Der Kurs 'Überbringen schlechter Nachrichten' im Regelstudiengang an der Charité Berlin ist seit 2002 fester Bestandteil der Pflichtlehre und findet in Kleingruppen statt. Zentrale Elemente des Kurses sind simulierte Arzt-Patienten-Gespräche sowie ein anschließendes strukturiertes Feedback für die Rolle "des Arztes/der Ärztin". Als theoretische Grundlage für die Inhalte des Kurses wird den Studierenden das „SPIKES-Protocol“ vermittelt.

Alle am Kurs teilnehmenden Studierenden nehmen im Rollenspiel aktiv neben der ärztlichen auch die Patientenperspektive ein.

Hieraus leitete sich die Fragestellung ab, inwiefern die Übernahme der Rolle des Patienten die Sensibilisierung für dessen Wünsche und Bedürfnisse in schwierigen Gesprächssituationen fördert.

Methoden: Am Ende jedes Gesprächsführungskurses füllen die Studierenden eine Evaluation aus, in welcher die Studierenden mit Hilfe einer 7-stufigen Likertskala ihre Einschätzungen zu Inhalten, didaktischen Elementen und zu Veränderungen eigener Fertigkeiten abgeben.

Drei Items sind auf Effekte aus der Übernahme der Patientenrolle in den simulierten Gesprächen ausgerichtet. Neben deskriptiven Parametern wie Mittelwert und Standardabweichung wurden einfaktorielle Varianzanalysen berechnet. Mehr als 1200 Studierende evaluierten im Erhebungszeitraum vom SoSe 2008 bis einschl. WiSe 2010/11 den Kurs.

Ergebnisse: Die Aussage, durch die Übernahme der Rolle des Patienten ließe sich dessen Perspektive besser verstehen, findet ebenso große Zustimmung wie die Frage, ob es sinnvoll sei die Rolle des Patienten einzunehmen. Auch der Kurs insgesamt wurde durchweg positiv bewertet. Dabei waren keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern festzustellen. Eher zeigten sich signifikante Unterschiede in der Einschätzung hinsichtlich der Sinnhaftigkeit eines Perspektivenwechsels, je nach angestrebter Facharztrichtung.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Selbsteinschätzungen bestätigen die konzeptuelle Absicht, es könne ein Effekt auf die Veränderung der Wahrnehmung sowohl hinsichtlich der Wünsche und Bedürfnisse Patienten gegenüber als auch dem eigenen Verhalten als Ärztin/Arzt erzeugt werden.

Eine Fremdbeurteilung der Gespräche wäre für die weitere Untersuchung der Ergebnisse hilfreich. Um einen überdauernden Effekt zu überprüfen, ist ein Follow-Up geplant. Für den an der Charité eingeführten Modellstudiengang könnten die Ergebnisse Anstöße für die Ausarbeitung eines ähnlich gestalteten Kurses im Rahmen des Kommunikationsunterrichts liefern [1], [2], [3].


Literatur

1.
Baile WF, Buckman R, Lenzi R, Glober G, Beale EA, Kudelka AP. SPIKES-A six-step protocol for delivering bad news: application to the patient with cancer. Oncologist. 2000;5(4):302-311. DOI: 10.1634/theoncologist.5-4-302 External link
2.
Cushing AM, Jones A. Evaluation of a breaking bad news course for medical students. Med Educ. 1995;29(6):430-435. DOI: 10.1111/j.1365-2923.1995.tb02867.x External link
3.
Garg A, Buckman R, Kason Y. Teaching medical students how to break bad news. CMAJ. 1997;156(8):1159-1164.