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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

How to be(come) a good doctor - Die Veränderung des Berufsbildes Arzt im Verlauf der medizinischen Ausbildung

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  • corresponding author presenting/speaker Swantje Reimann - Private Universität Witten/Herdecke, Soziologie, Witten, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma239

DOI: 10.3205/10gma239, URN: urn:nbn:de:0183-10gma2394

Published: August 5, 2010

© 2010 Reimann.
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Hintergrund: Die Frage nach dem „Guten Arzt“ stellte sich im medizinischen Kontext zu allen Zeiten und allerorten, die Beantwortung der Frage nach der Vermittelbarkeit eines bestimmten Berufsethos wird u.a. von Seiten der Medizinethik, der Gesundheitswissenschaften und in der Formulierung von Ausbildungszielen ebenso seit vielen Jahren versucht. Zahlreiche bisherige Untersuchungen allerdings zielen vornehmlich auf das (psychische und physische) Befinden der Studierenden oder der praktizierenden Mediziner und deren Erleben von Belastungen im beruflichen Alltag. Das Ziel der vorliegenden Arbeit jedoch ist die Ausarbeitung einer speziellen Habitusentwicklung über die Jahre der Sozialisation zum Mediziner, sprich des Studiums und der ihm eigenen spezifischen Bedingungen.

Methode: Es werden Rekonstruktionen des Berufsbildes „Arzt“ in verschiedenen Stadien der medizinischen Ausbildung (vorklinischer und klinischer Studienabschnitt, Assistenzarztzeit) miteinander verglichen, um mögliche Typiken der beruflichen Sozialisation / Entwicklung heraus ausarbeiten zu können. Diese wurden in mehreren qualitativen Untersuchungen in Form von Gruppendiskussionen und Einzelinterviews erhoben. Die Analyse der Daten erfolgt anhand der Dokumentarischen Methodes, in der die Daten in einer schrittweisen Interpretation im Rahmen einer Forschungswerkstatt ausgewertet werden, um auf diesem Weg Sinnstrukturen erfassen zu können.

Ergebnisse: Es finden sich typologische Unterschiede zwischen verschiedenen Stadien der studentischen Ausbildung, die vor allem eine Annäherung an das vorfindliche Berufsbild befördern. Gleichfalls lassen sich Entwicklungen erkennen, die den Übergang von der Rolle „Student“ zur Rolle „Arzt“ markieren.

Schlussfolgerung / Implikation: Es zeigen sich im Verlauf des Studiums der Humanmedizin Sozialisationsbedingungen auf, die der Übernahme und Aneignung bestimmter Verhaltensweisen, impliziter Normen und akzeptierter Prämissen/Modelle besonders Rechnung tragen, die maßgeblich auch dem Erhalt des Systems dienen. Weitaus weniger Aufmerksamkeit dagegen wird Reflektionsprozessen der eigenen antizipierten Rolle im (Gesundheits-)System während des gesamten Studiums zugedacht. Diese bergen jedoch möglicherweise das Potential, Belastungen im Medizin-Beruf angemessen handhaben zu können, was mittelbar auch Auswirkungen auf die Behandlung des Patienten zeitigen könnte.