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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Effekte eines internationalen Austauschprogramms auf fachspezifische Kompetenzen und Bildungsverläufe

Poster

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma238

DOI: 10.3205/10gma238, URN: urn:nbn:de:0183-10gma2382

Published: August 5, 2010

© 2010 Jacobs et al.
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Auslandserfahrungen sind eine Möglichkeit, wichtige Erfahrungen für den Beruf als Arzt zu sammeln [1], [3]. Von Auslandsaufenthalten wird zum einen erwartet, dass fachspezifische Kompetenzen durch soziokulturelles Lernen vermittelt werden. Zum anderen sollen Austauschprogramme mit Entwicklungsländern den Bildungsverlauf der Teilnehmer nachhaltig beeinflussen [5]. Empirische Befunde, die solche Effekte von Austauschprogrammen belegen, sind rar. Meist stehen Untersuchungen über Soft skills im Vordergrund. Vor diesem Hintergrund wurden zwei empirische Studien durchgeführt. In der ersten Studie werden die Effekte eines Dozententrainings im Rahmen eines Austauschprogramms analysiert. Die zweite Studie untersucht den Einfluss soziokulturellen Lernens auf fachspezifische Kompetenzen und den Bildungsverlauf.

Studie 1: Mit Hilfe von Fragebögen wurde untersucht, wie sehr äthiopische Teilnehmer an 4- bis 5-tägigen Kursen zur Weiterbildung in der Lehre diese als hilfreich für ihre Arbeit ansehen. 38 Kursteilnehmer beantworteten Fragen zur Tätigkeit in der Lehre, die sich an den „Twelve roles of a teacher“ [4] orientierten (siehe Abbildung 1 [Abb. 1]). Die äthiopischen Dozenten empfanden den Kurs überwiegend als hilfreich. Ihre Rollen als „student assessor“ und „role model“ bewerten sie besonders hoch. Vor allem sie persönlich haben durch das Training profitiert.

Studie 2: Eine zweite Studie untersuchte inwiefern sich soziokulturelles Lernen in Austauschprogrammen auf fachspezifische Kompetenzen und Bildungsverläufe auswirkt. 30 Teilnehmer an einem Austauschprogramm wurden mit 30 nicht-Teilnehmern bezüglich ihrer selbsteingeschätzten fachspezifischen Kompetenzen verglichen. Zusätzlich wurden fünf Interviews mit ehemaligen Teilnehmern geführt, um Anhaltspunkte für Einflüsse auf den Bildungsweg zu explorieren. Die Kompetenzen bezogen sich auf den Katalog des Tuning Projekts für Medizin [2]. Weiterhin wurde die Selbsteinschätzungen der Teilnehmer zur Beeinflussung ihres Bildungsverlaufes erhoben. In der Fragebogenerhebung schätzten sich die Teilnehmer des Auslandsaufenthalts bezüglich ihrer Kompetenzen im Bereich Arzt-Patienten Verhältnis sowie im Bereich fachspezifischer Kommunikation signifikant höher ein als die Vergleichsgruppe. Bezogen auf die Beeinflussung der Bildungsverläufe zeigte sich, dass bei einzelnen Teilnehmern eine Veränderung des Bildungsverlaufes durch den Auslandsaufenthalt festgestellt werden konnte (siehe Abbildung 2 [Abb. 2]).

Insgesamt konnten beide Untersuchungen positive Effekte internationaler medizinischer Austauschprogramme auf die Teilnehmer feststellen. Soziokulturelles Lernen in medizinischen Austauschprogrammen führte zu besserer fachlicher Kommunikation und zur verbesserten Fähigkeit, Beratungsgespräche mit Patienten durchzuführen, im Vergleich zur befragten Kontrollgruppe. Des Weiteren zeigte sich bei einigen Teilnehmern ein starker Einfluss des Aufenthalts in Äthiopien auf ihren Bildungsverlauf. Berücksichtigt werden muss jedoch dass die Messung der Rollen, der Kompetenzen und des Bildungsverlauf ausschließlich auf Selbsteinschätzungen der Probanden beruhen. Bedingt durch das Untersuchungsdesign ist nicht auszuschließen, dass sich die Teilnehmer und nicht-Teilnehmer des Austauschprogrammes bereits vorher unterschieden haben und die gefundenen Unterschiede nicht ausschließlich auf die Teilnahme am Austauschpgrogramm zurückgeführt werden können. Dennoch bieten beide Studien ausreichend Anhaltspunkte für weitere Untersuchungen der Effekte von Austauschprogrammen mit Entwicklungsländern in der Medizin.


Literatur

1.
Blossfeld HP. Bildungsrisiken und Chancen im Globalisierungsprozess. Wiesbaden: VS Verlag; 2008
2.
Cumming A, Ross M. The Tuning Project for Medicine. Learning Outcomes for Undergraduate Medical Education in Europe. Med Teach. 2007;29(7):636-641. DOI:10.1080/01421590701721721 External link
3.
Drain PK, Holmes KK, Skeff KM, Hall TL, Gardner P. Global health training and international clinical rotations during residency: current status, needs, and opportunities. Acad Med. 2009;84(3):320-325. DOI:10.1097/ACM.0b013e3181970a37 External link
4.
Harden RM, Crosby J. The good teacher is more than a lecturer - the twelve roles of the teacher. Med Teach 2000;22(4):334-347. DOI:10.1080/014215900409429 External link
5.
Thompson MJ, Huntington MK, Hunt DD, Pinsky LE, Brodie JJ. Educational effects of international health electives on U.S. and Canadian medical students and residents: a literature review. Acad Med. 2003;78(3):342–347. DOI:10.1097/00001888-200303000-00023 External link