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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Anamnesegruppen und Prüfung? Passt das zusammen?

Poster

  • corresponding author presenting/speaker Volker Köllner - Mediclin Bliestal Kliniken, Fachklinik für Psychosomatische Medizin, Blieskastel, Deutschland; Universität des Saarlandes, Mediznische Fakultät, Homburg/Saar, Deutschland
  • Lisa Willms - Universität des Saarlandes, Medizinische Fakultät, Homburg/Saar, Deutschland
  • Johannes Jäger - Universität des Saarlandes, Medizinsiche Fakultät, Lehrbereich Allgemeinmedizin, Homburg/Saar, Deutschland
  • Gabriele Wevers-Donauer - Universität des Saarlandes, Medizinische Fakultät, Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Homburg/Saar, Deutschland
  • Heinrike Wilkens - Universität des Saarlandes, Mediznische Fakultät, Medizinische Klinik V, Homburg/Saar, Deutschland
  • Herbert Greß - Universität des Saarlandes, Medizinische Fakultät, Institut für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Homburg/Saar, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma213

DOI: 10.3205/10gma213, URN: urn:nbn:de:0183-10gma2139

Published: August 5, 2010

© 2010 Köllner et al.
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Outline

Text

Fragestellung: Anamnesegruppen (AG) haben eine lange Tradition als von Studierenden selbst organisierte Lehrveranstaltung [1] und hatten in der Regel keine Abschlussprüfung. Die Integration in das Curriculum einer Fakultät als Wahlfach macht aber eine Prüfung erforderlich und diese wurde von der studentischen Tutorengruppe ausdrücklich gewünscht. Da die Lernziele von AG überwiegend in den Bereichen Einstellungen und Vermittlung von Fertigkeiten liegen, ist eine MC-Klausur keine geeignete Prüfungsform. Hier sollen erste Erfahrungen mit einer Prüfung mit Schauspielerpatienten dargestellt werden.

Methoden: Die Abschlussprüfung erfolgte mit hierfür trainierten Schauspielpatienten, Prüfer waren klinisch erfahrene ÄrztInnen. Pro Prüfung standen 20 Minuten zur Verfügung, davon 5 für Bewertung und Rückmeldung des Ergebnisses. In den 4 Kategorien Kontaktaufnahme (4), Gesprächsführung (4), Beziehungsgestaltung (4) und Erfassen relevanter Informationen (8) konnten maximal 20 Punkte vergeben werden. Die studentischen Tutoren organisierten die Prüfung mit und waren hierbei auch anwesend. Die Evaluation der Prüfung erfolgte standardisiert durch das Studiendekanat auf einer 5er-Skala (1=sehr gut, 5=mangelhaft).

Ergebnisse: 43 Studierende (25w/18m, Alter 22,37; 19-30 Jahre) nahmen an der Abschlussprüfung und der Evaluation teil. Von den Studierenden wurde die Prüfung mit 1,35 (SD 61) deutlich besser bewertet als der Durchschnitt der 169 übrigen Lehrveranstaltungen (2,43 SD 1,27), in den freien Kommentaren wurde vor allem der praktische Bezug der Prüfung hervorgehoben. Die AGs wurden auch als besser prüfungsvorbereitend wahrgenommen als eine durchschnittliche Lehrveranstaltung (1,49 SD ,62 vs. 2,06 SD 1,04). Die Durchschnittsnote war 1,41, wobei die weiblichen Studierenden mit 1,24 zu 1,67 vorne lagen. Die höchste Durchschnittspunktzahl wurde in der Kategorie Kontaktaufnahme erzielt, die niedrigste bei Beziehungsgestaltung. Auf die Frage, ob sie sich gerecht benotet fühlten, antworteten 33 Studierende mit ja und 2 mit nein.

Diskussion: Mit 16 Stunden (ohne Vorbereitungszeit) für 43 Studierende stellte die Prüfung einen erheblichen Zeitaufwand dar, der nur durch den Einsatz mehrerer Prüfer bewältigt werden konnte. Dieser erscheint durch die positive Bewertung durch die Studierenden gerechtfertigt. Wahrgenommen wurde v. a. eine hohe Übereinstimmung zwischen Lernzielen und Prüfungsform. Die Befürchtung, Prüfungen könnten die für Anamnesegruppen kennzeichnende freie Diskussionsatmosphäre oder das Prinzip der studentischen Eigenverantwortung beschädigen, haben sich nicht bestätigt. Hierzu hat beigetragen, dass die Prüfung auf Wunsch der Studierenden eingeführt und von ihnen mit gestaltet wurde. Letztendlich stellt die Prüfung, neben einer Bewertung der Prüfungsleistung, auch eine empfundene Wertschätzung und Würdigung der von den Studierenden erworbenen Kompetenzen im Umgang mit Patienten und in der positiven Gestaltung der Arzt-Patient-Beziehung dar.


Literatur

1.
Schüffel W. Sprechen mit Kranken - Erfahrungen studentischer Anamnesegruppen. München: Urban & Schwarzenberg; 1983.