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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Der Bologna Irrweg zu einem EU-Wettbewerbsfähigen Medizincurriculum - Fakten, Konsequenzen und Lösungen

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  • corresponding author presenting/speaker Jerome Rotgans - RWTH Aachen, Universitätsklinikum, Klinik für ZPP, Aachen, Deutschland
  • author Friedrich Lampert - RWTH Aachen, Universitätsklinikum, Klinik für ZPP, Aachen, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma178

DOI: 10.3205/10gma178, URN: urn:nbn:de:0183-10gma1784

Published: August 5, 2010

© 2010 Rotgans et al.
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Einleitung: „Bologna“ kennt drei Hauptziele für Ausbildungen auf tertiärem Niveau:

1.
Förderung von Mobilität,
2.
internationaler Wettbewerbs- und
3.
Beschäftigungsfähigkeit.

Dazu ist im EU Hochschulraum, nach dem Konzept des lebenslangen Lernens, eine zwei-phasige berufliche Qualifikation vorgesehen:

  • als Abschluss einer beschäftigungsfähigen, untergraduierten Ausbildung die Bachelor,
  • zur Spezialisierung die postgraduierten Master,

im EU Forschungsraum die postgraduierte Doctorate-Qualifikation. Es handelt sich um einen trizyklischen Qualifikationsrahmen.

Missverständlich ist, dass von zwei parallelen Prozessen die Rede ist, der Lissabon-Prozess für die 27 EU-Mitglieder und der Bologna-Prozess für 46 Mitgliedsstaaten, mit konzeptionellen Unterschiede, wie bspw. ECVET vs. ECTS.

In Deutschland herrscht viel Unmut über den Bologna-Prozess: Studiengänge wurden einfach komprimiert, alte Strukturen beibehalten, viele summativen Prüfungen eingeführt, Behaviorismus gefestigt anstatt Konstruktivismus zu pflegen. Die Studienlast unerträglich. Mogelpackungen, wie in der Medizin beabsichtigt, durch untergraduierte sog. konsekutive Bachelor-Master-Studiengänge geschnürt.

Für die Medizin ist zu verzeichnen, dass deutsche Studierenden im EU-Wettbewerb nicht gut aufgestellt sind: Sie sind zum Studienbeginn 2 bis 4 Jahre älter als ihre EU-Kommilitonen. Durch die 2x14 Wochen Vorlesungszeit p.a. werden in den restlichen 24 Wochen Semesterferien keine curricularen Lehrveranstaltungen angeboten; im internationalem Vergleich sind 40-46 Studienwochen die Regel. Die Outcome-Kompetenzen adäquate quo geringer. Bei einer Studiendauer von 6 Jahren zum „Basisarzt“ besteht bei einer Halbwertzeit des aktuellen medizinischen Wissens von 4-6 Jahren die Gefahr, dass Studierende sich mit obsoletem Wissen qualifizieren.

Außerdem wirft sich die Frage auf, weshalb der Basisarzt ein Master sein muss.

Methode: Ein Thinktank an der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen entwickelte ein Konzept in dem das aktuelle 12-semestrige Curriculum (2x14 Wochen p.a.), ohne inhaltliche Veränderungen, in Trimester (3x14 Wochen p.a.) reorganisiert wird, bei dem zur Erfüllung der Richtlinie 2005/36 EG Artikel 24 ein P2J zur Vollapprobation vorgesehen ist. Analog des im Modellstudiengang Aachen angebotene Q-Profil soll eine sukzessive Vorbereitung auf die spätere Spezialisierung erfolgen, welche dann im Vergleich zum momentanen Konzept ca. 2 Jahre früher abgeschlossen wird.

Ergebnis: Das vorgestellte Konzept zielt auf wettbewerbs- und beschäftigungsfähigkeit in einer kürzeren als bisherigen Zeitspanne und könnte den Lissabon und Bologna Kriterien - akkreditierungsfähig - entsprechen.

Schlussfolgerung: Die vorgeschlagene Reorganisation hat keinen negativen Einfluss auf bestehende Curricula; Strukturen bleiben erhalten. Die Absolventen sind jünger als bisher, dadurch EU-wettbewerbsfähiger, der eventuell zu etablierende Bachelor berufsfähiger Arzt. Die Qualifikationsdauer ist der Halbwertzeit des medizinischen Wissens angepasst.