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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Die Habitusformationen der MedizinstudentenEine vergleichende Lebensstilanalyse

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  • corresponding author presenting/speaker Markus Schölling - Unikliniken Münster, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten IfAS, Prüfungsressort, Münster, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma174

DOI: 10.3205/10gma174, URN: urn:nbn:de:0183-10gma1749

Published: August 5, 2010

© 2010 Schölling.
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Die in den letzten Jahren immer stärker aufkommende Diskussion über Studienabbruch, Studiendauer und berufsqualifizierende Studentenausbildung ging bisher am Fach Medizin so gut wie vorbei. Der sich schon länger abzeichnenden Ärztemangel einerseits und die vehementen Verweigerung der jetzigen Studentengeneration sich zum dringend benötigten Facharzt für Allgemeinmedizin ausbilden zu lassen andererseits, lenkt nunmehr die Diskussion nach Studienverläufen und bedarfsgerechter Studentenausbildung auch auf die Medizin.

Um das Ziel der ärztlichen Ausbildung einen zur eigenverantwortlichen und selbstständigen Berufsausbildung befähigten Arztes (§ 1 ÄAppO) verwirklichen zu können, die dazu noch in der Regelstudienzeit abgeschlossen wird, ist es immens hilfreich das Medizinstudium auf die Bedürfnisse der Studierenden zuzuschneiden. Was aber genau macht den Medizinstudenten aus und inwieweit unterscheidet er sich von der restlichen Studentenschaft? Warum studiert er überhaupt Medizin und nichts anderes? Welche soziale Herkunft hat er und was lässt sich über Bildungsprofil, Herkunftskultur, alltagskulturelle Schemata (Leseinteressen, Freizeitpraxis, Mediennutzung, Lebensstile etc.) der Eltern sagen? Und wie ist der Medizinstudent selbst konstituiert. Wie viel Geld steht ihm im monatlich zur Verfügung und wie und wo lebt er? Welche Lebensgewohnheiten hat er und welche Gefühlsvalenzen weist er auf? Stichworte hier sind: Lebensstile und Habitusformationen (Studienfinanzierung, Wohnsituation, Geschmäcker in Kleidung und Essen, Freizeitpraxis, Lesegewohnheiten etc.), Gefühlsvalenzen, wie Ängste und Belastungen aus dem Studium, Zeitmanagement, perzipierte Lebensstile, Einstellungen zum Konservatismus/Liberalität, Einstellungen gegenüber der Rolle des Medizinprofessors u.v.a. In der bisher einzigen erstellten Untersuchung zur Beantwortung dieser Fragen konnten mit zum Teil sehr speziellen Statistikverfahren wie der Konfigurationsfrequenzanlyse, der Korrespondenzanalyse oder Ereignisanalyse ganz erstaunliche Ergebnisse über die Habitusformationen von Medizinstudenten geliefert werden. Theoretisch basiert die Untersuchung auf dem Habituskonzept von Pierre Bourdieu.

Methodologisch wurden 958 Studierende der Fächer Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Psychologie, LA, LA-Primarstufe, Naturwissenschaften, Psychologie, Pädagogik, M.A., Jura und als Vergleichsgruppe insbesondere 220 Medizinstudenten der Universitäten Bochum, Rostock und Köln über ihr Elternhaus und über sich selbst repräsentativ befragt.

Leitgedanke: Zentrale und jedem alternativen Ansatz geradezu überschattende Kategorie in der empirischen Bildungs- und Hochschulforschung ist die soziale Ungleichheit im Bildungswesen und die ungleiche Teilhabe an Bildung. Bei einem so derart exquisitsten Numerus-Clausus wie in Medizin, spielen ungleiche Zugangschancen aber insofern eine untergeordnete Rolle, weil das gesellschaftlich geradezu homöopathisch verteilte Denkvermögen zum Erreichen eines so hoch angesetzten NCs durch alle Gesellschaftsschichten insgesamt selten, - dann aber doch - normalverteilt ist. Die Leitfrage hieß deshalb: In welcher Gesellschaft leben wir heute, wie wird sie sich in den nächsten Jahren verändern und wie muss sich das Hochschulsystem dem anpassen?