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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Interkulturalität am Krankenbett im Medizinstudium: Zwei Seminarkonzepte zum Umgang mit Patienten aus anderen Kulturkreisen

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Tim Peters - Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Institut für Mediziniische Ethik und Geschichte der Medizin, Bochum, Deutschland
  • author Jan Schildmann - Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Institut für Mediziniische Ethik und Geschichte der Medizin, Bochum, Deutschland
  • author Jochen Vollmann - Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät, Institut für Mediziniische Ethik und Geschichte der Medizin, Bochum, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma8

DOI: 10.3205/10gma008, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0081

Published: August 5, 2010

© 2010 Peters et al.
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Fragestellung: Der professionelle Umgang mit Interkulturalität stellt eine im ärztlichen Alltag zunehmend wichtiger werdende Herausforderung dar. Die in Abhängigkeit vom Kulturraum unterschiedlichen Werte und Normen werden in der klinischen Praxis von Ärztinnen und Ärzten häufig erst dann realisiert, wenn es zum Konflikt kommt - beispielsweise bei der Entscheidungsfindung über diagnostische oder therapeutische Maßnahmen. Im Rahmen der medizinischen Lehre an der Ruhr-Universität Bochum wurden zwei Seminarkonzepte erprobt und analysiert, in denen Interkulturalität theoretisch und praktisch als ethisch-reflexive Fähigkeit vermittelt und die Auseinandersetzung mit anderen Wertehorizonten eingeübt werden soll.

Methodik / Didaktik: Gegenstand des ersten, theoriegeleiteten Moduls ist die Exploration der eigenen Werthaltung in verschiedenen Themenfeldern. Es werden exemplarisch die Bereiche von Intimität und Sexualität, religiösen Pflichten und Tabus sowie die Rolle der Familie bei der Entscheidungsfindung in der Medizin bearbeitet. Im Anschluss an die Benennung eigener Werthaltungen aus dem Kreis der teilnehmenden Studierenden werden Werthaltungen anderer Kulturkreise präsentiert, vergleichend analysiert und kritisch diskutiert. Neben der Bewusstmachung entsprechender Differenzen wird schon hier auf Beispiele aus dem studentischen Erfahrungshorizont zurückgegriffen, um die meist abstrakten ethischen Diskussionen mit Leben zu füllen.

Im zweiten, praktisch orientierten Lehrmodul wird ein konkreter Fall mit einer türkischstämmigen Mutter simuliert, die ihre im Krankenhaus liegende Tochter ohne deren Wissen vom behandelnden Arzt auf ihre Jungfräulichkeit untersuchen lassen möchte1. Mithilfe des Einsatzes einer standardisierten Patientin wird diese komplexe interkulturelle Situation nachgeahmt. In der sich anschließenden Diskussion wird der Konflikt auf der Grundlage zuvor benannter Kriterien zum professionellen Verhalten in interkulturellen Begegnungen analysiert und diskutiert.

Ergebnisse: Beide Lehrkonzepte konnten in jeweils zwei Kursen mit insgesamt knapp 40 Studierenden erfolgreich umgesetzt werden. Dies zeigte sich in den ausführlichen Diskussionen über ethische Grundlagen und den eigenen Erfahrungshorizont sowie in dem von den Studierenden gut umgesetzten Simulationspatientengespräch. Die Kurse wurden von den Studierenden gut evaluiert. Im Rahmen des Beitrags werden unter anderem die studentischen Bewertungen der Anwendungsorientierung, der didaktischen Konzeption und der Themenauswahl vorgestellt.

Schlussfolgerungen: Über den Einsatz verschiedener didaktischer Elemente (z. B. Simulationspatienten, Fallbeispiele) ist es möglich, ethisch-kommunikative Kompetenzen zum Bereich der Interkulturalität theoriegeleitet als auch praxisnah den Studierenden zu vermitteln. Weiterhin wurden durch die begrenzte Zeit und den kostenintensiven Aufwand von Simulationspatienten aber auch die Grenzen dieses Konzeptes deutlich. Für eine ausführlichere Untersuchung von Lernerfolg und Umsetzbarkeit für größere Kohorten sind neben dieser qualitativen Machbarkeitsanalyse weitere Untersuchungen mit größeren Studierendenzahlen erforderlich.


Anmerkung

1Das Falldesign wurde mit freundlicher Genehmigung von der medizinischen Fakultät der Universität Witten/Herdecke übernommen.