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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

23.09. - 25.09.2010, Bochum

Studentische Lehrevaluation in Freiburg - Die Sicht der Studierenden. Wie hoch ist die Akzeptanz und wo liegen die Schwachpunkte?

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Peter Brüstle - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Freiburg, Deutschland
  • Silke Biller - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Freiburg, Deutschland
  • Marianne Giesler - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Medizinische Fakultät, Studiendekanat, Freiburg, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA). Bochum, 23.-25.09.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10gma4

DOI: 10.3205/10gma004, URN: urn:nbn:de:0183-10gma0049

Published: August 5, 2010

© 2010 Brüstle et al.
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Text

Fragestellung: Trotz breiter Forschung im Bereich der Lehrveranstaltungsevaluation - etwa zur Validität von Instrumenten oder zu möglichen Biasfaktoren bei der studentischen Bewertung - gibt es bislang wenige Untersuchungen, die die studentische Perspektive von Evaluationen beleuchten.

Forschungsschwerpunkt der vorliegenden Untersuchung war daher:

  • Die Zufriedenheit der Studierenden mit dem Freiburger Evaluationsverfahren
  • Die Akzeptanz sowie die Einschätzung der Wirksamkeit von Evaluationen unter den Studierenden
  • Die Erarbeitung von Empfehlungen zur Verbesserung des Evaluationsprozesses aus studentischer Perspektive

Methodik: Im Sommersemester 2009 wurden leitfadengestützte Fokusgruppeninterviews mit 5 Gruppen und insgesamt 34 Freiburger Medizinstudierenden geführt. Das Sampling erfolgte zunächst anhand einer Zufallsauswahl von Studierenden, die Gruppeneinteilung orientierte sich an Studienabschnitten. Die Interviews wurden aufgezeichnet, vollständig transkribiert und sowohl deduktiv (Inhaltsanalyse) als auch induktiv (Grounded Theory) ausgewertet. Zur Validierung des Auswertungsprozesses nach dem Prinzip der Intersubjektivität wurden regelmäßig Analysesitzungen im dreiköpfigen Team abgehalten.

Ergebnisse: Die Evaluation der Lehre nimmt im Bewusstsein der Studierenden einen sehr hohen Stellenwert ein. So werden Evaluationsmaßnahmen als wichtige Möglichkeit gesehen, persönliche Kritik zu üben sowie Studium und Lehre zu verbessern.

Aus studentischer Perspektive wurden jedoch folgende mögliche Schwachstellen von Evaluationen deutlich:

  • Geringe Wahrnehmung von Veränderungen aufgrund von Evaluationsmaßnahmen
  • Die Darstellung der Evaluationsergebnisse anhand von statistischen Kennzahlen und Fächerrankings erweist sich für viele der Befragten als zu abstrakt
  • Zu wenig Dialog von Seiten der Lehrenden bezüglich der Evaluation
  • Hoher Evaluationsaufwand

Verbesserungsbedarf besteht daher vor allem bei der Information über die Konsequenzen von Evaluationen. Das Gefühl, durch die eigene Kritik tatsächlich Einfluss auf die Lehre ausüben zu können, ist maßgebend für die Akzeptanz von Evaluationsmaßnahmen unter den Studierenden. Als besonders positiv werden dabei Situationen erlebt, in denen Lehrende im offenen Dialog mit den Studierenden die Evaluationsergebnisse diskutieren. Der mit der Evaluation verbundene Aufwand wirkt sich vor allem dann negativ auf die Teilnahmebereitschaft der Studierenden aus, wenn keine Konsequenzen von Evaluationen festzustellen sind.

Schlussfolgerungen: Die Einstellung der Studierenden zu Evaluationen ist ambivalent. Trotz der hohen Bedeutung, die Studierende der Evaluation der Lehre beimessen, besteht gleichzeitig eine Skepsis gegenüber der Wirksamkeit von Evaluationen

Um eine hohe Akzeptanz von Evaluationen unter den Studierenden zu gewährleisten, sollte daher die Transparenz des Evaluationsprozesses erhöht werden. Neben der regelmäßigen Veröffentlichung von Evaluationsergebnissen spielen hierbei detaillierte Informationen zu den Hintergründen und Konsequenzen von Evaluationen sowie ein verstärkter Dialog mit den Studierenden eine wichtige Rolle. Insbesondere sollten auch Lehrende in diesen Prozess und Dialog miteinbezogen werden, indem sie z.B. auf Veränderungen in ihrem Fachbereich hinweisen.