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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

08.10. - 10.10.2009, Freiburg

Auswirkungen der Auswahlgespräche in Medizin und Zahnmedizin auf den Studienerfolg und das Ausbildungsklima. Erfahrungen nach drei Auswahlrunden

Vortrag

  • corresponding author Volkhard Fischer - Medizinische Hochschule Hannover, Präsidialamt, Referat Studium und Lehre, Hannover, Deutschland
  • author Agnieszka Dudzinska - Medizinische Hochschule Hannover, Präsidialamt, Referat Studium und Lehre, Hannover, Deutschland
  • author Harald Friedrichs - Medizinische Hochschule Hannover, Studiendekanat, Hannover, Deutschland
  • author Volker Paulmann - Medizinische Hochschule Hannover, Präsidialamt, Referat Studium und Lehre, Hannover, Deutschland
  • author Harald Tschernitschek - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde, Hannover, Deutschland
  • author Hermann Haller - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen, Hannover, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Freiburg im Breisgau, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmaT2V030

DOI: 10.3205/09gma030, URN: urn:nbn:de:0183-09gma0303

Published: September 2, 2009

© 2009 Fischer et al.
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Text

Fragestellung: Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) führt seit dem WS 2006/07 im Rahmen des Auswahlverfahrens der Hochschulen (AdH) Auswahlgespräche in den Studiengängen Medizin und Zahnmedizin durch. Vorrangiges Ziel der Gespräche ist eine Verbreiterung der Basis für die Studierendenauswahl – und die Überprüfung der Eignung – über die Abiturdurchschnittsnote hinaus. Außerdem sollen sie die Identifikation der Studierenden und der Dozenten mit ihrer Hochschule verbessern.

Methodik: Es werden für die bisher immatrikulierten Kohorten die Verteilung der Abiturdurchschnittsnote und ihre Ergebnisse in verschiedenen Prüfungen im Studium varianzanalytisch darauf hin untersucht, ob die Art des Hochschulzugangs einen signifikanten Einfluss hat. Eine Befragung von Dozenten und Studenten der MHH wird darauf hin ausgewertet, ob sich die eigene Teilnahme an Auswahlgesprächen positiv auf das von ihnen wahrgenommene Ausbildungsklima auswirkt. Ferner wird untersucht, ob der gewählte Studiengang einen differentiellen Einfluss auf die Ergebnisse hat.

Ergebnisse: Auswahlgespräche schließen, bezogen auf die Abiturdurchschnittsnote, eine Lücke zwischen Abi-Besten und Wartezeitstudenten. Die Verbreiterung der Auswahlbasis fällt aber deutlich kleiner aus, als von den Hochschulgremien ursprünglich erhofft wurde. Bezogen auf die Abiturdurchschnittsnote stellen die über Auswahlgespräche an die MHH gekommenen Studierenden die homogenste Gruppe dar.

Die Leistungsdaten der über Auswahlgespräche rekrutierten Studierenden sind nicht schlechter, als die Studienleistungen der über die Abiturdurchschnittsnote rekrutierten Studierenden. Unterschiede zur Gruppe der Abi-Besten sind nicht konstant über die verschiedenen untersuchten Kohorten.

Auswahlgespräche haben einen positiven Effekt auf das Ausbildungsklima. Dieser Effekt ist besonders bei den Teilnehmern an den Auswahlgesprächen zu beobachten.

Schlussfolgerungen: Auswahlgespräche erweitern – bedingt durch die gesetzlichen Vorgaben für die Berücksichtigung der Abiturdurchschnittsnote – das Bewerberspektrum noch nicht in der von den Gremien der MHH ursprünglich gewünschten Weise. Im Hinblick auf die Zielvariable „Studienleistungen“ gefährden Auswahlgespräche definitiv nicht das Leistungsniveau der rekrutierten Studierenden. Sie öffnen die Hochschulen aber auch nicht in der gewünschten Weise für „besondere Talente“. Weitere Untersuchungen werden einen Schwerpunkt auf beruforientierte Kompetenzen und motivationale Aspekte der ausgewählten Bewerber legen.

Unterschiede im feststellbaren Einfluss von Auswahlgesprächen auf die Studienleistung von Studierenden der Medizin und der Zahnmedizin hängen vermutlich mit den Unterschieden in der Ermittlung des Studienerfolgs (vorwiegend schriftliche MC-Prüfungen in der Medizin vs. Mündliche Prüfungen in der Zahnmedizin) in den beiden Studiengängen zusammen. Dies legt nahe, dass Auswahlgespräche in der Tat ermöglichen, das Bewerberspektrum um Kandidaten zu erweitern, die eine höhere/andere Art der Motivation mitbringen.