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Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

08.10. - 10.10.2009, Freiburg

Eignet sich die Selbst- oder Fremdeinstufung durchgeführter Tätigkeiten in einem Portfolio zur Abschätzung der Prüfungsleistung eines Studierenden?

Vortrag

  • corresponding author Bert Huenges - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin, Ruhr-Universität, Bochum, Deutschland
  • Dorothea Osenberg - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Deutschland
  • Michael Klock - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Deutschland
  • author Norbert Weismann - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Deutschland
  • author Herbert Rusche - Ruhr-Universität Bochum, Abteilung für Allgemeinmedizin, Bochum, Deutschland

Jahrestagung der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung - GMA. Freiburg im Breisgau, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmaT2V027

DOI: 10.3205/09gma027, URN: urn:nbn:de:0183-09gma0270

Published: September 2, 2009

© 2009 Huenges et al.
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Text

Portfolios gewinnen zur Strukturierung von Praktika in der medizinischen Ausbildung an Bedeutung.

Im ambulant-medizinischen Hospitationsprogramm des MSM der RUB haben wir ein Portfolioformat gewählt, in dem die Studierenden zu vorgegebenen Ausbildungszielen protokollieren, bis zu welcher Stufe (kennen gelernt haben, unter Anleitung durchgeführt haben, selbstständig durchgeführt haben und routinemäßig durchgeführt können) sie diese bis zum Ende der Hospitation erreicht haben.

Diese Selbsteinstufung ist primär als formatives Element gedacht, um Studierenden und Lehrärzten aufzuzeigen, was von Ihnen während des Praktikums erwartet wird.

Ferner soll die anschließende Besprechung der Selbsteinstufungen mit dem Lehrarzt und dessen Einstufung der erreichten Kompetenz als reflexives Element dienen, so dass sich Studierende über den Lernerfolg im Praktikum bewusst werden können.

Fragestellung der vorgestellten Untersuchung ist, ob diese Einstufungen auch für summative Zwecke eingesetzt werden können. Voraussetzung dafür wäre, daß sie einen prädiktiven Wert für die Performanz der Studierenden im OSCE haben.

Hierfür wurden 233 Selbst- und Fremdeinschätzungen aus 3 konsekutiven Jahrgängen von 5 zentralen Ausbildungszielen (Anamneseerhebung, Untersuchung der Lunge, Untersuchung Abdomen, Blutdruckmessung und Reflexe testen) und mit zeitnah erhobenen inhaltlich passenden OSCE- Ergebnissen verglichen.

In 184 (79%) Fällen stuften die Lehrärzte ihre Studierenden gleich ein wie sie selber, in 25 Fällen niedriger und in 24 Fällen höher als die Studierenden selber. Männliche Studenten schätzen Ihre Kompetenz im Schnitt höher ein als ihre Kommilitoninnen, wohingegen die Einschätzungen der Lehrärzte und die OSCE Ergebnisse der weiblichen Teilnehmerinnen im Durchschnitt etwas besser sind.

Für die gesamte untersuchte Gruppe korrelieren Selbsteinschätzungen etwas besser mit OSCE-Ergebnissen als Einschätzungen durch die Lehrärzte (R² 0,68 vs. 0,55), im Einzelfall ist der prädiktive Wert jedoch allenfalls gering.

Studierende, die sich höher einstufen als ihr Lehrarzt, neigen zu etwas schlechteren Prüfungsergebnissen als Studierende, die sich eher schwächer einstufen als ihr Lehrarzt. Dies ist insbesondere beim männlichen Geschlecht der Fall.

Wir folgern aus den Daten, dass die Dokumentation des Lernerfolges in einem studentisch geführten Portfolio zu formativen und reflexiven Zwecken eine gewisse Gültigkeit besitzt. Die intensive Auseinandersetzung mit einem Ausbildungsziel in der Hospitation führt zu einem besseren OSCE- Ergebnis. Die Gegenüberstellung von Fremd- und Selbsteinschätzung kann für den Studierenden eine Chance sein, seinen Eindruck zu hinterfragen und ggf. zu korrigieren; protokollierte Einstufungen im Rahmen der Hospitation sind aber wahrscheinlich in dieser Form für summative Zwecke eher ungeeignet.