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19th Annual Meeting of the German Drug Utilisation Research Group (GAA)

Gesellschaft für Arzneimittelforschung und Arzneimittelepidemiologie

22.11. - 23.11.2012, Jena

Arzneimittelverbrauch und Prävalenz von Multiple Sklerose – Eine Untersuchung anhand von Arzneiverordnungsdaten der Privaten Krankenversicherung

Consumption of the pharmaceuticals and prevalence of multiple sclerosis – an evaluation on the basis of Private Health Insurance data

Meeting Abstract

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  • corresponding author Frank Wild - WIP (Wissenschaftliches Institut der PKV), Köln, Deutschland

Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e.V. (GAA). 19. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie. Jena, 22.-23.11.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12gaa03

DOI: 10.3205/12gaa03, URN: urn:nbn:de:0183-12gaa036

Published: November 14, 2012

© 2012 Wild.
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Hintergrund: Die Multiple Sklerose (MS) ist eine nicht heilbare chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems mit hohen direkten und indirekten Krankheitskosten. In der GKV ist in den letzten Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Zahl der verordneten Tagesdosen von Medikamenten zur Behandlung von MS dokumentiert. Zur PKV liegen bislang keine Daten vor. Erkenntnislücken bestehen zudem bezüglich der Gründe für den Anstieg und hinsichtlich der Zahl der MS-Patienten in Deutschland.

Material und Methoden: Die Untersuchung basiert auf die Arzneiverordnungsdaten von zwölf PKV-Unternehmen, bei denen 62% aller Privatversicherten versichert sind. Ergänzend wurden Daten zur GKV aus dem Arzneiverordnungsreport herangezogen. Die Analyse betrachtet alle Verordnungen von Interferon-beta-1a und Interferon-beta-1b sowie der Wirkstoffe Glatirameracetat und Natalizumab. Die Zahl der verordneten Tagesdosen dieser Wirkstoffe wird sowohl für die PKV als auch die GKV berechnet und daraus eine Prävalenz für beide Kostenträger sowie für die gesamte Bevölkerung ermittelt. Dazu werden zum einen unter Verwendung der PKV-Daten alle Personen identifiziert, die im jeweiligen Beobachtungsjahr mindestens einen Wirkstoff zur immunmodulierenden Therapie verordnet bekommen haben. Zum anderen wird Stuke et al. gefolgt, nachdem 69,5% aller MS-Patienten in Deutschland eine immunmodulierende Therapie erhalten. Im Rahmen einer Zeitreihenanalyse kann die Entwicklung für die Jahre 2006 bis 2010 verfolgt werden.

Ergebnisse: Von 2006 bis 2010 nahm die Zahl der verordneten Tagesdosen von MS-Medikamenten je Versicherten in der PKV um 91,6% zu. Für die GKV konnte ein Wert von 39,9% berechnet werden. Der Anstieg in der PKV beruht zum überwiegenden Teil auf einer Zunahme der Zahl der MS-Patienten und weniger auf eine höhere Zahl der Tagesdosen je Patient. Es wurde eine Gesamtzahl von 146.000 MS-Erkrankten in Deutschland berechnet. Dies sind 19,7% mehr als Hein und Hopfenmüller in ihrer (methodisch anderes aufgebauten) Studie im Jahr 2000 ermittelt hatten. Etwa 12.700 MS-Patienten (8,7%) sind privatversichert.

Schlussfolgerung: Es besteht Forschungsbedarf inwieweit der Anstieg an MS-Erkrankten in Deutschland durch veränderte Lebensumstände, Umwelteinflüsse oder sonstige Veränderungen zu erklären ist. Zu diskutieren wäre auch, ob verbesserte diagnostische Möglichkeiten oder auch veränderte diagnostische Kriterien als Ursache für den Anstieg zu sehen sind. Möglicherweise ist die Prävalenz der Multiplen Sklerose im Zeitablauf konstant geblieben, sie wurde aber bislang unterschätzt. Die überproportionale Zunahme in der PKV könnte eine Folge der steigenden Versichertenzahl und der damit einhergehenden vermehrten Aufnahme von Risikogruppen sein. Zu beachten sind methodische Unsicherheiten der Studie vor allem bezüglich der Repräsentativität der PKV hinsichtlich der Verlaufsformen und der Bedeutung der immunmodulierenden Arzneimitteltherapie.


Literatur

1.
Hein T, Hopfenmüller W. Hochrechnung der Zahl der an Multiple Sklerose er-krankten Patienten in Deutschland. Der Nervenarzt. 2000;71:288-94.
2.
Hurwitz BJ. Analysis of current multiple sclerosis register. Neurology. 2011 Jan 4;76 (1 Suppl 1):7-13.
3.
Stuke K, Flachenecker P, Zettl UK, Elias WG, Freidel M, Haas J, Pitschnau-Michel D, Schimrigk S, Rieckmann P. Symptomatology of MS: results from the German MS Registry. J Neurol. 2009;256(11):1932-5.