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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Polypharmacy: Reduction of Inappropriate Medication and Adverse Drug Events in older patients: a Randomized Controlled Trial – Study Protocol of the PRIMA-Study

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Andreas Sönnichsen - Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich
  • E. Mann - Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich
  • M. Flamm - Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich
  • D. Koper - Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich
  • C. Hofer-Dückelmann - Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich
  • J. Schuler - Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg, Österreich

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom071

DOI: 10.3205/11fom071, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0712

Published: September 14, 2011

© 2011 Sönnichsen et al.
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Text

Hintergrund: Polypharmakotherapie stellt ein wachsendes Problem in der Versorgung chronisch Kranker dar und gefährdet die Patientensicherheit. Sie führt zur Zunahme von potentiell gefährlichen Medikamenteninteraktionen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Hospitalisierung und Kosten im Gesundheitswesen. Zahlreiche Medikamente von Patienten mit Polypharmakotherapie werden ohne Evidenzbasis verordnet. In einer Pilotstudie fanden wir mindestens ein Medikament ohne Evidenzbasis in >70% und mindestens eine gefährliche Medikamenteninteraktion in >80% der von uns untersuchten Patienten mit Polypharmakotherapie. Erste Daten aus nicht randomisierten Studien weisen darauf hin, dass die Reduktion von Polypharmakotherapie zu einer Abnahme von Hospitalisierung und einer Zunahme von Lebensqualität führt. Mit der vorliegenden Studie möchten wir zeigen, dass eine komplexe Intervention aus einer konsensus-basierten Empfehlung zum Absetzen nicht evidenzbasierter und unangemessener Arzneimittel zusammen mit individuellem Feedback und Fortbildung der behandelnden Ärzte zu einer Abnahme der Über- und Einweisungsrate in Notaufnahmen und Krankenhäuser und zu einer Reduktion unerwünschter Arzneiwirkungen führt während Lebensqualität und kognitive Funktionen gebessert werden.

Material und Methoden:

Studien-Design: Cluster-randomisierte kontrollierte Studie, Dauer drei Jahre, Ordinationen von Allgemeinärzten als Randomisierungs-Cluster.

Setting: 60 allgemeinmedizinische Ordinationen mit Kassenvertrag im Land Salzburg.

Patienten: 10 konsekutive Patienten im Alter von über 74 Jahren mit Polypharmakotherapie (>5 Substanzen) pro Ordination = 600 Patienten.

Intervention: Empfehlung zum Absetzen von Medikamenten durch Konsensus eines Experten-Komitees, dem auch der behandelnde Arzt angehört. Medikamente ohne Evidenzbasis oder mit ungünstigem Nutzen/Risiko-Verhältnis nach dem Garfinkel-Algorithmus und den EbM-Guidelines für Klinik und Praxis, sowie unangemessene Medikamente nach der PRISCUS-Liste und den STOPP-Kriterien werden abgesetzt. Die Umsetzung der Empfehlung wird durch Erinnerungen und Fortbildung der Ärzte gefördert.

Kontrolle: Übliche Behandlung.

Endpunkte: Primärer Endpunkt ist die Überweisungs- bzw. Einweisungsrate in eine Notaufnahme oder ein Krankenhaus. Sekundäre Endpunkte sind Hospitalisierung, unerwünschte Arzneiwirkungen, Mortalität und Gesundheitsausgaben sowie eine Verbesserung in Mini Mental Status Test und Lebensqualität (EQ5D).

Ergebnisse:

Relevanz: Eine Abnahme der Über- und Einweisungsrate sowie Steigerung von Lebensqualität durch gezieltes Absetzen von Medikamenten sind Zeichen einer Verbesserung der medizinischen Versorgung und einer Senkung der Kosten im Gesundheitswesen.

Ethische Aspekte: Die Studie wird der Ethikkommission des Landes Salzburg zur Begutachtung vorgelegt.

Studienregistrierung: Die Studie wird bei Current Controlled Trials Ltd. registriert.