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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Motivation und Sichtweisen von Ärzten Manueller Medizin anzuwenden – eine qualitative Studie

Meeting Abstract

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45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom066

DOI: 10.3205/11fom066, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0666

Published: September 14, 2011

© 2011 Steinhäuser et al.
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Hintergrund: Manuelle Medizin (MM) ist die Zusatzbezeichnung in Deutschland, die am häufigsten geführt wird und sich großer Beliebtheit in der täglichen, allgemeinmedizinischen Praxis erfreut [1], [2]. Trotz dieser weiten Verbreitung ist MM in Studien anderen, etablierten Therapien nicht überlegen [3]. Ziel dieser Studie war es, ein Verständnis über die Motivation und Sichtweise von Ärzten MM in der täglichen Praxis anzuwenden, zu erlangen.

Material und Methoden: Die Rekrutierung erfolgte überwiegend durch ein Anschreiben an alle auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin mit E-Mailadresse verzeichnete Ärzte. Es wurden 21 semi-strukturierte, telefonische Einzelinterviews mit Ärzten, welche die Zusatzqualifikation MM führen durchgeführt, aufgezeichnet und transkribiert. Die Auswertung der Interviews erfolgte mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und dem Softwareprogramm Atlas.ti.

Ergebnisse: Positiv werden im Zusammenhang mit einer MM Therapie der verbesserte Zugang zum Patienten und damit eine bessere Arzt-Patienten-Beziehung gesehen. Als weitere positive Punkte werden schnelle Behandlungserfolge, geringe Nebenwirkungen, die relative Einfachheit der Methode, die Unabhängigkeit von räumlichen oder apparativen Gegebenheiten und damit verbundene niedrige Kosten dargestellt.

Negativ werden der Zeitaufwand sowie die Banalität von selbstlimitierenden Krankheiten, die der MM Therapie zugänglich sind, sowie die Gefahr schwerwiegender Nebenwirkungen empfunden.

Einige der interviewten Ärzte bemerken eine iatrogene Fixierung des Patienten durch MM und erleben dies als negativ. Andere empfinden gerade das „Ich als das ohne Distanz des Rezeptblocks unmittelbar schmerzlindernde Agens“ als Bereicherung des Praxisalltags.

Schlussfolgerung/Implikation: Die Ergebnisse dieser Studie zeigt eine große Bandbreite von zumeist positiven Sichtweisen und Erfahrungen von Ärzten beim Anwenden von MM. Eine Sehnsucht nach dem unmittelbar heilenden Handeln scheint eine willkommene Abwechslung zur als distanziert wahrgenommenen Berufsausübung zu sein. Zukünftige Studien sollten ergänzend die Sichtweisen und Erfahrungen von Patienten mit MM erheben.


Literatur

1.
Steinhäuser J, Oser A, Götz K, Joos S. Manuelle Medizin in Deutschland. Eine deskriptive Analyse. Orthopäde. 2011;40:339–43.
2.
Joos S, Musselmann B, Szecsenyi J. Integration of complementary and alternative medicine into family practices in Germany: results of a national survey. Evid Based Complement Alternat Med. 2009 [Epub ahead of print].
3.
Walker BF, French SD, Grant W, Green S. Combined chiropractic interventions for low-back pain. Cochrane Database Syst Rev. 2010;(4):CD005427