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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Praktisches Jahr Allgemeinmedizin – Warum kommen Studierende in die Allgemeinmedizin und worin besteht ihr größter Lernbedarf?

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom047

DOI: 10.3205/11fom047, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0478

Published: September 14, 2011

© 2011 Huenges et al.
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Hintergrund: Im PJ Allgemeinmedizin bietet sich ein breites Spektrum unterschiedlicher Inhalte. Didaktisch ergeben sich Möglichkeiten durch eine intensive 1:1 Betreuung, ein strukturiertes Portfolio, Begleitseminare und einem Mentorensystem. Formale Gründe für die Allgemeinmedizin liegen in der Bereitschaft der KVWL zu einem monatlichen Stipendium über 600 € und der Anrechnung der PJ-Zeit auf die Weiterbildung. Im vergangenen Turnus haben elf Studierende ihr PJ in der Allgemeinmedizin an der Ruhr-Universität Bochum absolviert. Warum haben sich die PJler für die Allgemeinmedizin entschieden? Überwiegen inhaltliche, didaktische und formalen Argumente? In welchen Inhaltsbereichen haben sie zu Beginn des PJ besonderen Lernbedarf und werden wir diesem gerecht?

Material und Methoden: Zur Klärung dieser Frage haben wir unsere Studierenden nach den Motiven für die Wahl des PJ-Faches Allgemeinmedizin gefragt. Des Weiteren wurden die Studierenden um eine Einschätzung ihrer Kompetenz in 47 ausgewählten Kerngebieten aus unterschiedlichen Bereichen gebeten.

Ergebnisse: Häufig genannte Gründe für das PJ Allgemeinmedizin waren Interesse an der Breite des Faches (N=9), 1:1 Betreuung (8); die Überlegung, später in die Allgemeinmedizin zu gehen (8), Interesse am Menschen (7), Positive Erfahrungen im Blockpraktikum (7) und Praxisnähe (5). Die Anerkennung für die Weiterbbildung wurde bei 4; das Stipendium bei 3 von 11 Studierenden benannt. Aus der Kompetenzeinstufung ergibt sich besonders großer Bedarf vor dem PJ in den Techniken „rektale Untersuchung“, „Untersuchung Bewegungsapparat“ „Lungenfunktion“, „psychometrische Tests“, „selbstständige Organisation einer Patientenversorgung“, „Therapieplan erstellen“ und „Lösungen zu Patientenproblemen nach den Prinzipien der EBM finden“, den Beratungsanlässen „Sucht“, „häufige Frakturen & Verletzungen“, „COPD“, „Schwindel“ und „Kopfschmerzen“ und den allgemeinmedizinischen Themen „Aufgaben & Rolle der Ärztekammer“ und „Aufgaben & Rolle der KV“.

Schlussfolgerung/Implikation: Bei der Wahl des PJ Faches Allgemeinmedizin dominieren inhaltliche vor didaktischen und vor formalen Kriterien. Aus der Bedarfsanalyse lassen sich Rückschlüsse über die Gestaltung des PJ ziehen. Im Vorher-Nachher Vergleich kann der Effekt des PJ auf die Selbsteinstufung der Kompetenz ermittelt werden. Dadurch kann evaluiert werden, in wie weit es uns gelungen ist im PJ auf zentrale Lernbedürfnisse der Studierenden einzugehen. Die Selbsteinstufung der Kompetenz korreliert bekanntermaßen zwar nur schwach mit Prüfungsergebnissen, sagt aber viel darüber aus, wo Studierende derzeit ihren größten Lernbedarf sehen, dem wir in der Gestaltung des Unterrichts begegnen müssen.