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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Kosteneffektivität eines praxisbasierten Case Managements für Patienten mit Depression

Meeting Abstract

  • corresponding author Jochen Gensichen - Institut für Allgemeinmedizin Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität, Jena, Deutschland; Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Juliana J. Petersen - Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Steffen Baron - Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Dirk Heider - Abteilung für Medizinische Soziologie und Gesundheitsökonomie, Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, Deutschland
  • Ferdinand M. Gerlach - Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Hans-Helmut König - Abteilung für Medizinische Soziologie und Gesundheitsökonomie, Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, Deutschland

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom031

DOI: 10.3205/11fom031, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0316

Published: September 14, 2011

© 2011 Gensichen et al.
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Hintergrund: Ein praxisbasiertes Case Management durch Medizinische Fachangestellte für Patienten mit Depression in der hausärztlichen Praxis verbessert die Symptome der Depression. Ist diese Intervention kosteneffektiv?

Methode: Pragmatisch cluster-randomisierte Interventionsstudie (2005–2008) in 74 deutschen Hausarztpraxen (Ein- bzw. Zweiarztpraxen). Eingeschlossen wurden Patienten zwischen 18 und 80 Jahren mit Major Depression / Depressive Episode (nach Patient Health Questionnaire: PHQ-9>9 und hausärztlichem ICD-10 Interview). Die Intervention bestand aus einem strukturierten Telefonmonitoring zu Symptomen und Medikamentenadherenz sowie Beratungen über 12 Monate. Die Zielgröße war „depressionsfreie Tage“ (Depression-free Days – DFD) basierend auf PHQ-9 Werten. Der Incremental Cost-Effectiveness Ratio (ICER) wurde auf Grundlage der Differenzen zwischen Interventions- und Kontrollgruppe bezüglich der Kosten und DFDs nach 24 Monaten berechnet.

Ergebnisse: Von 626 in die Studie eingeschlossen Patienten wurden nach 24 Monaten 439 (71%) in dieser Auswertung berücksichtigt. Über 24 Monate wiesen die Interventionspatienten statistisch signifikant mehr DFDs als die der Kontrollgruppe auf (Mittelwert: 373 vs. 311 DFDs; P<0.01). Die mittleren Interventionskosten betrugen 276 € pro Interventionsjahr und Patient. In der Interventionsgruppe waren die mittleren direkten Kosten höher (4495 € vs. 3506 €; P=0.16), aber die mittleren indirekten Kosten deutlich niedriger ($5238 € vs. $7539 €; P=0.05) - ebenso die Gesamtkosten. Wenn Entscheidungsträger bereit wären 12.- € pro DFD zur Verfügung zu stellen, können positive Effekte der Intervention erwartet werden.

Schlussfolgerung: In deutschen Hausarztpraxen ist ein einjähriges Depressions-Case-Management kosteneffektiv in der Erhöhung depressionsfreierer Tage über zwei Jahre für betroffene Patienten gegenüber einer Routineversorgung.