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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Die Verschreibung von Antidementiva im ersten Jahr nach der Demenzdiagnose – Ein Vergleich des Verschreibungsverhaltens von Hausärzten und Nervenärzten

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom030

DOI: 10.3205/11fom030, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0304

Published: September 14, 2011

© 2011 van den Bussche et al.
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Text

Hintergrund: Internationale und nationale Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit Demenz empfehlen bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer Demenz den Einsatz von Cholinesterasehemmern (ChEI) sowie bei mittelschwerer bis schwerer Form den Einsatz von Memantine. Eine Analyse der Verordnungsdaten auf der individuellen Patientenebene liegt allerdings bisher nicht vor. Hauptfragestellungen dieser Studie waren daher: 1. Wie viele Patienten mit inzidenter Demenz erhalten einen ChEI oder Memantine in einer angemessenen Dosierung 2. Bei wie vielen Patienten bestehen Unterdosierungen und/oder Diskontinuität in der Verschreibung? 3. Wie unterscheiden sich Hausärzte und Nervenärzte diesbezüglich 4. Welche weiteren Faktoren sind mit der Verschreibung der beiden Medikamentengruppen in einer adäquaten Dosierung assoziiert?

Material und Methoden: Die Studie basiert auf Routinedaten der Gmünder Ersatzkasse der Jahre 2004–2006. Analysiert wurden die Verschreibungen von Antidementiva für 1848 Patienten mit inzidenter Demenz, die 65 Jahre und älter waren. Faktoren, die die Verschreibung von ChEI und/oder Memantine beeinflussten, wurden in einer multivariaten ordinalen logistischen Regression analysiert.

Ergebnisse: Bei der großen Mehrheit der Patienten mit inzidenter Demenz wird keine sichere ätiologische Zuordnung der Demenz vorgenommen. 72,6% aller Patienten mit inzidenter Demenz wurden im ersten Jahr nach Diagnose keine Antidementiva verordnet. ChEI und/oder Memantine in einer angemessenen Dosierung erhielten 7,9% der Patienten, in einer inadäquaten Dosierung weitere 11,7% und 7,8% erhielten andere Antidementiva. Die Unterschiede im Verschreibungsverhalten zwischen Hausärzten und Nervenärzten waren gradueller, nicht grundsärztlicher Natur. Insbesondere im städtischen Bereich ist die Verschreibungsfu8nktion von Antidementiva bei Nervenärzten sehr wenig ausgeprägt.

Schlussfolgerung/Implikation: Die Mehrheit aller untersuchten Patienten mit inzidenter Demenz erhielt keine demenzspezifische Medikation im ersten Jahr nach Diagnose, auch dann nicht, wenn ein Nervenarzt als (Mit)-Behandler tätig war. Weitere Studien sollten die Gründe für Nichtdiagnostik, Nichtverschreibung und Therapieabbruch untersuchen. In diesem Zusammenhang erfordern Fragen der Praktikabilität und Umsetzung von Leitlinien eine vermehrte Aufmerksamkeit.


Literatur

1.
van den Bussche H, Kaduszkiewicz H, Koller D, Eisele M, Steinmann S, Glaeske G, Wiese B. Anti-dementia drug prescription sources and patterns after the diagnosis of dementia in Germany: Results of a claims data based one year follow-up. Int Clin Psychopharmacol. 2011;26. DOI: 10.1097/YIC.0b013e328344c600 External link