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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Partizipative Behandlungsplanung mit älteren Patienten (PräfCheck): Was bringt es, wenn sich Ärzte und Patienten partnerschaftlich über Gesundheits- und Behandlungsprioritäten austauschen?

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom021

DOI: 10.3205/11fom021, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0217

Published: September 14, 2011

© 2011 Junius-Walker et al.
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Hintergrund: Ältere Patienten haben viele Gesundheitsprobleme, sodass sie in der Regel nicht alle gleichzeitig behandelt werden können. Die gegenwärtige Sprechstundenstruktur fördert Behandlungen, die auf aktuelle Einzelanliegen reagieren, wodurch es bei Multimorbidität zu einer unverhältnismäßig großen Anzahl von Verordnungen kommen kann. Wünschenswert ist eine einvernehmliche arzt- und patientenseitige Priorisierung von Gesundheitsproblemen, um eine sinnvolle Reduktion der Behandlungen zu erreichen.

Material und Methoden: 'PräfCheck“ steht für die Entwicklung und Testung einer partnerschaftlichen Behandlungsplanung, die auf patientenseitigen Gesundheitsprioritäten und arztseitigen Behandlungsprioritäten beruht. In dem cluster-randomisierten kontrollierten Interventionsstudienteil wurden 40 Hausärzte mit je ca. 8 Patienten per Blockrandomisierung der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeordnet. Zunächst erhielten alle Patienten (ab 70 Jahre) das geriatrische STEP-Assessment, um Gesundheitsprobleme systematisch festzustellen. Arzt und Patient in beiden Gruppen bewerteten unabhängig voneinander, wie wichtig sie jedes einzelne Gesundheitsproblem fanden. Nur die Interventionsärzte wurden von den Patientenprioritäten in Kenntnis gesetzt und nahmen eine partizipative Behandlungsplanung vor, die Kontrollärzte eine übliche Besprechung und Planung. Überprüft wird derzeit, ob es signifikante und relevante Unterschiede in der Übereinstimmung der arzt- und patientenseitigen Wichtigkeitsbewertungen zwischen beiden Gruppen nach dem Arzt-Patient-Gespräch gegeben hat. Sekundäre Outcomes messen Patienteneinschätzungen zu Patientenzentrierung, Empowerment, Zufriedenheit, Art der Entscheidungsfindung und Behandlungsadhärenz bezogen auf das Arzt-Patient-Gespräch.

Ergebnisse: Die 317 in die Studie eingeschlossenen Patienten (Ø 76 Jahre, 62% w) hatten im Median 11 Gesundheitsprobleme, insgesamt 3615. 53% aller Probleme waren den Patienten vor dem Arzt-Patient-Gespräch (t0) wichtig, 63% den Ärzten. Nach dem Gespräch (t2) bewerteten die Patienten mehr Probleme wichtig als zuvor (58%), die Ärzte verblieben bei 63%. Das Übereinstimmungsmaß Kappa (gewichtet) zur Wichtigkeitseinschätzung der Probleme zwischen Patient und Arzt lag zu t0 bei 0,063 und zu t2 bei 0,209. Gruppenspezifische Auswertungen zu dem primären und sekundären Outcomes werden derzeit vorgenommen

Schlussfolgerung/Implikation: Ärzte und Patienten stimmten in ihren Gesundheits- und Behandlungsprioritäten vor dem Gespräch kaum überein. Die Übereinstimmung war auch nach dem Gespräch nicht wesentlich besser. Die weiteren Auswertungen werden ergeben, ob es gruppenspezifische Effekte in den Outcomes gibt.