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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Hausärztliche Differentialdiagnose bei Patienten mit Kopfschmerz – eine qualitative Studie

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom018

DOI: 10.3205/11fom018, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0188

Published: September 14, 2011

© 2011 Hartel et al.
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Text

Hintergrund: Das Symptom Kopfschmerz ist ein häufiger Beratungsanlass in der Primärversorgung, dessen zugrunde liegende Ursachen eine große Spannbreite umfassen. Die Differentialdiagnose von Kopfschmerz Patienten stellt den Hausarzt vor diagnostische Herausforderungen. Hierbei sind gerade bei primären Kopfschmerzen Anamnese und klinische Untersuchung die wichtigsten diagnostischen Mittel. Ziel der Studie war es, das differentialdiagnostische Vorgehen von Hausärzten bei Patienten mit Kopfschmerzen zu analysieren.

Material und Methoden: In semi-strukturierten Interviews wurden 15 Hausärzte aus städtischem sowie ländlichem Gebiet gebeten, ihre persönliche Vorgehensweise bezüglich der Diagnose bei dem Symptom Kopfschmerz darzulegen. Dies erfolgte anhand von Beispielpatienten mit neu aufgetretenem Kopfschmerz, die die Ärzte prospektiv gesammelt hatten. Die Interviews wurden aufgenommen, verbatim transkribiert und qualitativ von zwei unabhängigen Untersuchern nach Erstellen eines Kodierungsbaumes inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Die teilnehmenden Allgemeinärzte besaßen diverse diagnostische Referenzbilder für das Symptom Kopfschmerz mit dem sie das jeweilige Bild eines individuellen Patienten mit Kopfschmerz abglichen. Eine diagnostische Grundrichtung wurde schon sehr früh durch bestimmte Schlüsselwörter und nonverbale Informationen des Patienten im anamnestischen Prozess festgelegt. Die Kategorisierung in verschiedene Referenzbilder stammte zum Großteil aus Lehrbüchern während sich die Zuordnung seitens des Arztes v.a. auf die eigene teilweise langjährige medizinische Erfahrung und eine gewachsene Arzt-Patienten-Beziehung stützte. Abweichungen im diagnostischen Schema entstanden, wenn die Schilderung des Patienten inklusive der nonverbalen Kommunikation mit keinem der klassischen Referenzbilder übereinstimmte. Dies veranlasste den Arzt zu weiterführender Diagnostik, meist in Form einer Überweisung zum jeweiligen Facharzt.

Schlussfolgerung/Implikation: Als ein Schlüsselkriterium zur Diagnosefindung bei dem Symptom Kopfschmerz wurde die persönliche Erfahrung des jeweiligen Allgemeinarztes geäußert. Die Ärzte besaßen verschiedene Referenzbilder bestehend aus anamnestischen Schlüsselwörtern und nonverbaler Information, die mit dem Patienten abglichen wurden. Die körperliche Untersuchung spielte dabei oft nur eine untergeordnete Rolle.