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Forum Medizin 21, 45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Zusammenarbeit mit der Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

22.09. - 24.09.2011, Salzburg, Österreich

Hausärztliche Differentialdiagnose bei Patienten mit Beinödemen – eine qualitative Studie

Meeting Abstract

45. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Forum Medizin 21. Salzburg, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11fom015

DOI: 10.3205/11fom015, URN: urn:nbn:de:0183-11fom0158

Published: September 14, 2011

© 2011 Diederich et al.
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Hintergrund: In der Primärversorgung sind Beinödeme ein häufiger Beratungsanlass mit vielfältigen, teilweise multifaktoriellen Ursachen. Sie sind als Symptom oft das erste klinische Zeichen für die zugrunde liegenden Krankheitsbilder. Die Differentialdiagnose von Patienten mit Beinödemen stellt den Hausarzt vor diagnostische Herausforderungen, gerade die Diagnose abwendbar gefährlicher Verläufe wie einer tiefen Beinvenenthromose. Hierbei sind Anamnese und klinische Untersuchung wichtigste diagnostische Mittel. Es gibt unseres Wissens bisher keine Untersuchungen, die das hausärztliche Vorgehen und Strategien in der Differentialdiagnostik bei Patienten mit Beinödemen thematisiert haben. Ziel der Studie war es, das differentialdiagnostische Vorgehen von Hausärzten bei Patienten mit Beinödemen zu analysieren.

Material und Methoden: In semi-strukturierten Interviews wurden 15 Hausärzte aus städtischem sowie ländlichem Gebiet gebeten, ihre persönliche Vorgehensweise bezüglich der Diagnose bei dem Symptom Beinödem darzulegen. Dies erfolgte anhand von Beispielpatienten mit Beinödemen, die die Ärzte prospektiv gesammelt hatten. Die Interviews wurden aufgenommen, verbatim transkribiert und qualitativ von zwei unabhängigen Untersuchern nach Erstellen eines Kodierungsbaumes inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse: Die teilnehmenden Ärzte nutzten ihre persönliche Erfahrung und Intuition, den ersten Eindruck und das Kennen der medizinischen Vorgeschichte des Patienten, um das Leitsymptom Beinödeme in verschiedene Kategorien einzuteilen (z.B.: ein- oder beidseitige Ödeme; kardiale, venostatische Beinödeme; Lymphödeme; Lipödeme; BÖ bei TVT oder durch Medikamentennebenwirkungen u.a.). Dabei nutzten die Hausärzte individuell unterschiedliche diagnostische Strategien, ganz nach den ihnen zur Verfügung stehenden diagnostischen Mitteln. Grundlegend basierte die gesamte weiterführende Differentialdiagnostik auf diagnostischen Hinweisen aus der Patientenanamnese bzw. den Befunden der durchgeführten klinischen Untersuchung. Zusätzlich entwickelten die Allgemeinmediziner im differentialdiagnostischen Prozess von Beinödemen persönliche Konzepte im Umgang mit Unsicherheiten.

Schlussfolgerung/Implikation: Abgesehen vom klassischen Lehrbuchwissen nutzen Hausärzte individuelle Patienteninformationen aus dem Konsultationsprozess. Dabei spielte der erste Eindruck des Patienten, die Vorgeschichte, Informationen aus Anamnese und klinischer Untersuchung die entscheidende Rolle. In der weiteren Differenzierung verwendeten die teilnehmenden Hausärzte verschiedene diagnostische Strategien, die von abwartendem Offenhalten und einfachen Heuristiken bis zu dem Einsatz komplexer Entscheidungsregeln (Wells Score) reichten.