gms | German Medical Science

Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

Wie lernen Patienten einen kompetenten Umgang mit Gesundheitsinformationen? Ein Praxisbeispiel

Meeting Abstract

Search Medline for

Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm096

DOI: 10.3205/12ebm096, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm0964

Published: March 5, 2012

© 2012 Nebling.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Hintergrund: Gesundheitsinformationen begegnen uns heute überall: in Patientenbroschüren, Zeitungen und Zeitschriften, TV-Sendungen, in der Ratgeberliteratur und vor allem im Internt. Quer durch alle Altersklassen steigt die Zahl derjeniger, die im Web nach Gesundheitsinformationen recherchieren. Und viele Fragen sich dabei, wie man sich in der Informationsflut zurechtfinden kann und woran man eine seriöse Gesundheitsinformation erkennt.

Zielsetzung und Methode: Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2009 ein Kurs mit dem Titel "Gesundheitsinformationen bewerten" für Patienten und Verbraucher im Gesundheitswesen von der Techniker Krankenkasse konzipiert und erprobt. Ziel ist es, die Kursteilnehmer bei der Recherche nach und der Lektüre von Gesundheitsinformationen dahingehend zu unterstützen, dass sie sich selbst ein fundiertes Bild von der Qualität der jeweiligen Information machen können. Damit sollen Fehlentscheidungen in Bezug auf die eigenen Gesundheit aufgrund einer schlechten Informationsbasis verhindert werden. In dem Kurs lernen die Teilnehmer Qualitätskriterien für evidenzbasierte Gesundheitsinformationen sowie Interpretationsfallen bei statistischen Aussagen zur Nutzen und Risiken medizinischer Maßnahmen kennen. Der erste Schwerpunkt basiert auf der Grundlagenarbeit von Steckelberg et al. [1] und Sänger et al. [2] während der zweite Schwerpunkt auf der Arbeit von Gigerenzer et al. [3] aufbaut. Mit einer zielgruppengerechten Sprache und mit vielen Beispielen werden die Kursteilnehmer mit der Materie vertraut gemacht. Dies schließt auch die Grundlage von evidenzbasierten Gesundheitsinformationen, also die Kriterien für aussagekräftige wissenschaftliche Studien mit ein. Kurzvorträge wechseln sich mit Gruppenübungen ab. Die praktische Anwendung der zuvor vermittelten Theorie in der Kleingruppe sowie die Diskussion und der Vergleich der Gruppenergebnisse tragen wesentlich zum Lernerfolg bei.

Zwischenergebnis: Der Kurs zählt inzwischen mehr als 450 Teilnehmer und wird seit Oktober 2011 bundesweit an 14 Standorten angeboten. Eine Erhebung der Teilnehmerzufriedenheit zeigt deutlich positive Werte. Der Notendurchschnitt (Bewertung nach Schulnoten) lag im Frühjahr 2011 bei 1,6. Die Top-Two-Werte (stimme voll und ganz zu, stimme eher zu) bei den Aussagen "Ich habe etwas Neues und Sinnvolles gelernt" und "Die Übungen waren für mich persönlich relevant und nützlich" lagen je nach Standort zwischen 90 und 100 Prozent. Die Auswertung für die Kurse im Herbst 2011 ist noch nicht abgeschlossen.


Literatur

1.
Steckelberg A, et al. Kriterien für evidenzbasierte Patienteninformationen. Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen. 2005;99:343-51.
2.
Sänger S, et al. Manual Patienteninformation – Empfehlungen zur Erstellung evidenzbasierter Patienteninformationen. Schriftenreihe des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ). 2006;25. Available from: http://www.aezq.de/mdb/edocs/pdf/schriftenreihe/schriftenreihe25.pdf External link
3.
Gigerenzer G, et al. Helping doctors and patients make sense of health statistics. Psychological Science in the Public Interest. 2008;8(2):53-96.