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Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch: 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

15.03. - 17.03.2012, Hamburg

HPV-Tests im Primärscreening des Zervixkarzinoms: Nutzenbewertung im Kontext einer komplexen Intervention

Meeting Abstract

Komplexe Interventionen – Entwicklung durch Austausch. 13. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Hamburg, 15.-17.03.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12ebm075

DOI: 10.3205/12ebm075, URN: urn:nbn:de:0183-12ebm0755

Published: March 5, 2012

© 2012 Zens et al.
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Hintergrund: Zervixkarzinome (ZK) entstehen aus gutartigen Vorstufen, den zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN1–CIN3) und Carcinoma in situ (CIS). Eine persistierende Infektion mit onkogenen humanen Papillomaviren (HPV) gilt als Hauptrisikofaktor. Die meisten HPV-Infektionen sind jedoch transient. Im Rahmen einer Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wurde untersucht, ob ein HPV-Test (allein oder in Kombination) im Vergleich zur alleinigen Zytologie im Primärscreening einen zusätzlichen Nutzen hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte (CIN3/CIS, ZK, Mortalität, Lebensqualität) hat.

Methoden: Randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) wurden in MEDLINE, EMBASE und Cochrane Central Register of Controlled Trials bis zum 01.07.2011 gesucht. Studienauswahl und -bewertung, Datenextraktion und -aggregation erfolgten gemäß der standardisierten Methodik des Instituts. Die Ergebnisse werden als Relative Risiken (RR) mit 95%-Konfidenzintervallen (KI) dargestellt.

Ergebnisse: Es wurden 6 RCTs mit insgesamt 235 613 randomisierten Frauen in die Nutzenbewertung eingeschlossen. Die Studien wiesen zahlreiche Unterschiede hinsichtlich Screeningstrategie, Probandinnenalter und Nachbeobachtungszeitraum auf. Für 4 RCTs lagen Daten zur Screeningrunde 2 (SR2) vor. In der Meta-Analyse zeigte sich bei Einsatz einer HPV-basierten Strategie in SR1 eine Reduktion der ZK-Inzidenz in SR2 (RR 0,22; 95%-KI [0,08; 0,67], p=0,007), ohne dass die Daten Heterogenität aufwiesen. Für diesen Zusatznutzen ergibt sich eine Number needed to Screen von 4800, 95%-KI [2700; 20 800] bei einem Screeningintervall von 3–5 Jahren. Valide Daten zur Mortalität, LQ und Schadensaspekten wurden in den RCTs nicht berichtet.

Schlussfolgerung: Aus der vorliegenden Nutzenbewertung ergeben sich positive Nutzenaspekte für eine HPV-Test basierte Screeningstrategie. Ein möglicher Schaden kann allerdings aufgrund fehlender Daten nicht beurteilt werden.