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EbM & Individualisierte Medizin
12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

24.03. - 26.03.2011, Berlin

Sind bestimmte Placebos effektiver als andere?

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Margrit Fässler - Institut für Allgemeinmedizin, Technische Universität München, Deutschland; Institut für Biomedizinische Ethik, Universität Zürich, Schweiz
  • author Karin Meissner - Institut für Allgemeinmedizin, Technische Universität München, Deutschland; Institut für Biomedizinische Ethik, Universität Zürich, Schweiz
  • author Klaus Linde - Institut für Allgemeinmedizin, Technische Universität München, München, Deutschland
  • author Gerta Rücker - Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland

EbM & Individualisierte Medizin. 12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 24.-26.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ebm21

DOI: 10.3205/11ebm21, URN: urn:nbn:de:0183-11ebm216

Published: March 23, 2011

© 2011 Fässler et al.
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Hintergrund: Die Interpretation randomisierter placebokontrollierter Studien hat direkten Einfluss auf die Empfehlungen für Kliniker. Einzelne randomisierte Studien deuten darauf hin, dass z.B. Scheinakupunktur bessere Ergebnisse erzielt als ein Tablettenplacebo. Um zu untersuchen, ob bestimmte Placebos effektiver sind als andere, führten wir einen indirekten Vergleich der Placebogruppen in randomisierten kontrollierten Studien zur Migräneprophylaxe durch (systematisches Review).

Material/Methoden: Mittels einer systematischen Literatursuche in MEDLINE, EMBASE, CENTRAL und PsychINFO wurden randomisierte kontrollierte Studien zur Migräneprophylaxe gefunden. Für die dichotomen Outcomeparameter wurden die Placebo-Responderraten (vorzugsweise 3 bis 4 Monate nach Randomisation) mit Hilfe eines Random-Effects-Modells gepoolt, wobei die Art des Placebos als Gruppierungsvariable diente.

Ergebnisse: Bis jetzt wurden 92 Studien eingeschlossen, die folgende Placebogruppen bzw. Aufmerksamkeitskontrollgruppen hatten: Pharmakologische Placebos (n=43), Scheinakupunktur (n=15), Placebos für pflanzliche Mittel (n=10), Injektionen mit Kochsalzlösung (n=9), Schein-Biofeedback-Behandlung (n=5), chirurgische Scheinoperation (n=3), elektromagnetische Scheinbehandlung (n=2), manuelle Scheinbehandlungen (n=2) und andere Arten von Placebokontrollen (n=3). Post-hoc-Analysen zeigen, dass unsere primäre Zielvariable, die Placebo-Responderraten bei Patienten mit Scheinakupunktur signifikant größer waren als bei Patienten, die ein pharmakologisches Placebo erhielten (0,39 (95℅ CI, 0,35 bis 0,43) vs. 0,23 (95℅ CI, 0,21 bis 0,25); p<0,001).

Schlussfolgerung/Implikation: Die Ergebnisse legen nahe, dass Scheinakupunkturbehandlungen größere Effekte haben als pharmakologische Placebos. Durch den indirekten Vergleich der Placebogruppen verschiedener Studien könnten jedoch potenzielle Confounder die Ergebnisse beeinflusst haben.