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EbM & Individualisierte Medizin
12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

24.03. - 26.03.2011, Berlin

Berücksichtigung von Komorbidität, Begleitmedikation und Alter in deutschen S3-Leitlinien

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Abdel Moniem Mukhtar - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin, Deutschland
  • author Margarethe Wacker - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin, Deutschland

EbM & Individualisierte Medizin. 12. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 24.-26.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11ebm15

DOI: 10.3205/11ebm15, URN: urn:nbn:de:0183-11ebm154

Published: March 23, 2011

© 2011 Mukhtar et al.
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Hintergrund: Mit zunehmendem Alter steigt die Anzahl der Krankheiten, die durch mehrere Medikamente zu behandeln ist. Eine hohe Prävalenz von Polypharmazie und unangemessener Medikation in hohem Lebensalter wird auch in Deutschland beobachtet [1], [2], [3]. Zudem wird eine mangelnde Berücksichtigung von Komorbidität und Begleitmedikation in Behandlungsleitlinien oft in der Literatur beklagt [4].

Material/Methoden: Ende Oktober 2010 wurden alle S3-Leitlinien (LL), die auf der Webseite der AWMF veröffentlicht sind, kopiert und standardisiert extrahiert. Das Einbeziehen von Komorbiditäten, Begleitmedikation und Alter bei der Interpretation der diagnostischen Ergebnisse oder bei der Auswahl der Therapie wurde in jeder LL untersucht. Weiterhin wurde das Hinweisen auf Wechselwirkung zwischen den eingenommenen Medikationen erfasst.

Ergebnisse: 33 von den 92 S3-LL wurden ausgeschlossen, da sie als irrelevant für die untersuchte Fragestellung eingestuft werden (z.B. LL zur parenteralen Ernährung, LL zur rechtsmedizinischen Leichenöffnung). Von 59 relevanten LL weisen 92% auf die Beachtung von Komorbiditäten hinsichtlich der Interpretation der diagnostischen Ergebnisse oder bei der Therapieauswahl mindestens einmal hin. Mindestens ein konkretes Beispiel für Komorbidität und den Umgang damit geben allerdings nur 68% der LL. 55% der LL verweisen mindestens einmal auf die Berücksichtigung von Komedikation, doch nur 31% nennen eine oder mehrere konkrete Komedikationen. Der Hinweis auf die Beachtung von Wechselwirkungen findet sich mindestens einmal in 35% der LL. Mindestens ein konkretes Beispiel für zu beachtende Wechselwirkungen geben aber nur 19% der LL. Das Alter der Patienten wird in 61% der untersuchten LL mindestens einmal erwähnt, wobei allerdings nur 44% der LL tatsächlich geriatrisches Alter bei Diagnose und Therapie betrachten.

Schlussfolgerung/Implikation: Obwohl die Mehrheit der S3-Leitlinien auf Komorbiditäten, Begleitmedikation im Allgemeinen hinweist und höheres Alter von Patienten in fast der Hälfte der LL berücksichtigt wird, ist eine Spezifizierung des alternativen Handelns beim Vorliegen von konkreten Effektmodifikatoren nicht ausreichend beschrieben.


Literatur

1.
Lucke S. Ergebnisse von Sekundärdatenanalysen zur PRISCUS-Liste in Deutschland. Ein Vortrag an der Fachtagung Polypharmazie und PRISCUS-Liste, Berlin. 2010. Verfügbar unter: http://www.zi-berlin.de/cms/veranstaltungen/fachtagungen/ External link
2.
Meyer F. Ergebnisse von Sekundärdatenanalysen zu Polypharmazie in Deutschland. Ein Vortrag an der Fachtagung Polypharmazie und PRISCUS-Liste, Berlin. 2010. Verfügbar unter: http://www.zi-berlin.de/cms/veranstaltungen/fachtagungen/ External link
3.
Mukhtar AM. Methodische Aspekte der Datenanalyse zu Polypharmazie. Ein Vortrag an der Fachtagung Polypharmazie und PRISCUS-Liste, Berlin. 2010. Verfügbar unter: http://www.zi-berlin.de/cms/veranstaltungen/fachtagungen/ External link
4.
Glaeske G, Hoffmann F. Der »Wettbewerb« der Leitlinien bei älteren Menschen – Multimorbidität und Polypharmazie als Problem. NeuroGer. 2009;6(3):115–122.