gms | German Medical Science

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?
Forum Medizin 21
11. EbM-Jahrestagung

Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

25.02. - 27.02.2010, Salzburg, Österreich

Wirkt sich ein Ultraschall-Screening auf Chorionizität im ersten Schwangerschaftsdrittel bei Mehrlingsschwangerschaften positiv auf Mortalität und Morbidität während und nach der Schwangerschaft aus?

Meeting Abstract

EbM – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?. Forum Medizin 21 der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität & 11. EbM-Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Salzburg, 25.-27.02.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10ebm087

DOI: 10.3205/10ebm087, URN: urn:nbn:de:0183-10ebm0878

Published: February 22, 2010

© 2010 Schwalm et al.
This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.en). You are free: to Share – to copy, distribute and transmit the work, provided the original author and source are credited.


Outline

Text

Hintergrund: In den letzten Jahren ist der Anteil der Mehrlingsgeburten an allen Geburten in Deutschland deutlich gestiegen. Bei ca. 20% der Zwillingsschwangerschaften besitzen beide Föten eine gemeinsame Plazenta (Monochorionizität). Die gemeinsame Versorgung durch eine Plazenta führt bei ca. 90% dieser Schwangerschaften zu einer Ausprägung von gemeinsamen Plazentagefäßen, die mit einem Blutaustausch zwischen den Föten verbunden ist. Bei 10 bis 15% der Fälle kommt es aufgrund einer chronischen Unausgeglichenheit des Blutflusses zur Entwicklung eines Twin-To-Twin-Transfusion-Syndroms (TTTS), das bis zum intrauterinen Tod eines oder beider Föten führen kann.

Material/Methoden: Die Fragestellung: „Wirkt sich ein Ultraschall-Screening auf Chorionizität im ersten Schwangerschaftsdrittel bei Mehrlingsschwangerschaften positiv auf Mortalität und Morbidität während und nach der Schwangerschaft aus?“ wurde mit einer umfassenden, systematischen Literaturrecherche bearbeitet.

Ergebnisse: Monochorionizität ist ein nachgewiesener Risikofaktor für einen negativen Schwangerschaftsoutcome.

In der Mehrzahl der identifizierten Studien (10 von 12) wurde ein höheres Mortalitätsrisiko bei monochorionischen Schwangerschaften festgestellt. In sieben Studien waren die beobachteten Unterschiede signifikant. Die berechneten Odds Ratios lagen bezogen auf die Grundgesamtheit Schwangerschaften zwischen 2,5 und 5,05.

Mit dem Ultraschall liegt ein diagnostischer Test mit hoher Sensitivität und Spezifität vor, durch den die Monochorionizität im ersten Trimenon nachgewiesen werden kann. In 12 der 13 Studien, die die Testgüte des Ultraschalls im ersten Trimenon auf Chorionizität anhand einer Plazenta-Analyse nach der Geburt überprüften, lagen sowohl Sensitivität als auch Spezifität zwischen 90 und 100%.

Tritt in Folge der Monochorionizität ein TTTS auf, stehen verschiedene invasive und nichtinvasive Verfahren als Therapieoptionen zur Verfügung. Neben einem angepassten Schwangerschaftsmanagement ist insbesondere der Gefäßverschluss durch Laser die bislang am weitesten entwickelte Methode.

Schlussfolgerung/Implikation: Ein Ultraschall-Screening auf Chorionizität im ersten Schwangerschaftsdrittel bei Mehrlingsschwangerschaften wirkt sich positiv auf Mortalität und Morbidität der betroffenen Kinder aus. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat aufgrund dieser Ergebnisse die Bestimmung der Chorionizität bei Mehrlingsschwangerschaften in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen.