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Evidenz und Entscheidung: System unter Druck
10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

05.03. - 07.03.2009 in Berlin

Wie lassen sich ethische Aspekte in HTA-Berichte integrieren? Ein Pilotprojekt am Beispiel der autologen Stammzelltransplantation beim Mammakarzinom

Meeting Abstract

Evidenz und Entscheidung: System unter Druck. 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Berlin, 05.-07.03.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09ebmP7.4

DOI: 10.3205/09ebm082, URN: urn:nbn:de:0183-09ebm0826

Published: March 4, 2009

© 2009 Herrmann-Frank et al.
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Hintergrund

Ethische Aspekte spielen bei vielen medizinischen Technologien eine wichtige Rolle. In HTA-Berichten werden diese bisher jedoch nur selten adressiert. Derzeit wird vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine Nutzenbewertung der autologen Stammzelltransplantation (ASZT) beim Mammakarzinom durchgeführt. Die Nutzenbewertung beruht auf der Gegenüberstellung und Abwägung von erwünschten und unerwünschten Effekten der Therapie. Ziel des im folgenden beschriebenen Projektes war es zu überprüfen bzw. zu erproben, ob die mit diesem Therapieverfahren zusammenhängenden ethischen Aspekte in der Literatur diskutiert werden und welchen Aufwand eine zusätzliche systematische Berücksichtigung ethischer Aspekte und Werte im Rahmen der HTA-Erstellung darstellt.

Methoden

Mithilfe des sokratischen Ansatzes – umgesetzt von B. Hofmann [1] – haben wir im ersten Schritt die ethischen Aspekte und Werte identifiziert, die mit der ASZT beim Mammakarzinom im Zusammenhang stehen. Darauf aufbauend führten wir eine systematische Literaturrecheche [2] u. a. in biomedizinischen, psychologischen und Ethik-Datenbanken durch. Die identifizierten Dokumente wurden nach vordefinierten Ein- und Ausschlusskriterien selektiert und die im Volltextscreening eingeschlossenen Dokumente hinsichtlich Inhalt und methodischer Qualität ausgewertet.

Ergebnisse

Von den 33 Fragen von Hofmann [1] haben wir 20 für die hier bearbeitete Fragestellung als relevant erachtet. Die systematische Literaturrecherche in 24 Datenbanken ergab 887 Treffer. Davon wurden im ersten Screening 160 als potenziell relevant eingestuft, die sich anschließende Volltextsichtung ergab 40 Dokumente mit Relevanz für die Fragestellung. In diesen wurden verschiedene relevante ethische Aspekte adressiert. Dazu gehören u. a. die sogenannten „moral issues in research ethics“, da sich die Daten der ersten Studien, die zur ASZT beim Mammakarzinom publiziert wurden, als gefälscht erwiesen. Auf Basis einer unklaren Datenlage wurde eine risikobehaftete Therapie in die Versorgung eingeführt.

Schlussfolgerung/Implikation

Die systematische Identifizierung ethischer Aspekte bedarf einer spezifischen Literaturrecherche. Der sokratische Ansatz erwies sich als praktikabel, um ethisch relevante Aspekte einer Intervention im Rahmen eines HTA zu identifizieren.


Literatur

1.
Hofmann B. Toward a procedure for integrating moral issues in health technology assessment. Int J Technol Assess Health Care. 2005; 21(3):308-12.
2.
Droste S. Systematische Gewinnung von Informationen zu ethischen Aspekten in HTA-Berichten zu medizinischen Technologien bzw. Interventionen. ZEFQ. 2008; 102(5):329-41.